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Jetzt wäre ich doch beinahe der Versuchung erlegen. Und dann kam doch alles anders… Aber zurück zum Anfang der Geschichte…

Dass ich schon längere Zeit den Gedanken ausbrüte, mir unbedingt einen Alltagswagen für´s Herz zulegen zu müssen, dürfte spätestens seit meinem vorletzten Artikel klar sein.  Und so schweift die Maus als verlängerter Arm des Pajero-Freaks durchs Internet und plötzlich taucht da was auf! Elegant in Schwarz und Silber, mit recht geringer Laufleistung und nicht zu weit weg. Aaabfaaahrt!

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Ein 2006er Mitsubishi L200 2,5 TD Pick-Up, einer der letzten mit dem alten, optisch sehr ansprechenden Häusl. Preislich am obersten Rand angesiedelt, aber das ist hierzulande ja leider normal. Schön schaut er aus, bis auf ein paar Gebrauchsspuren wirklich sehr gepflegt und untypisch unversifft. Auch der Rost hält sich in Grenzen, Seilfett-Versiegelung sei Dank. Es ist halt ein Pick-Up. Dank Hardtop auf der Pritsche allwettertauglich, gibt´s trotzdem zwei konzeptbedingte Nachteile zu verdauen. Die Ladelänge ist mangels Durchlademöglichkeit nicht verlängerbar, hinten rausstehen ist auch keine Option. IKEA-Besuche werden damit schwieriger als mit einem PKW mit umklappbarer Rücksitzlehne.

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Und so praktisch das Hardtop als Diebstahl- und Wetterschutz auch ist, in Sachen “Rücksicht” ist es hochproblematisch. Den Innenspiegel kannst dir ins Nachtkastl legen, aufgrund der drei (!) Heckscheiben siehst du nach hinten nämlich gar nichts. Eine nachgerüstete Rückfahrkamera ist Pflicht, wenn man beulenfrei einparken möchte. Aber was solls, der L200 schaut einfach absolut toll aus, also her mit dem Schlüssel und auf zur ausgiebigen Probefahrt.

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Hmmm, fährt das Ding sich geschmeidig und angenehm! Pajero halt. Trotz fehlender Ladung keine groben Stöße und kein Gehoppel von der Hinterachse, wie man annehmen könnte. Er federn sanft und angenehm, der gute alte 4D56 2,5 TD mit 115 PS zieht sachte, geht aber gut genug. Probleme mit der Software der nachträglich draufgepappten Motorsteuerung bleiben während der Probefahrt aus, keine Klagen meinerseits. Aufgrund der kompletten GLS-Ausstattung bleiben auch Equipment-technisch keine Wünsche offen, von der Klimaautomatik bis zur Außentemp.-Anzeige ist alles an Bord. Noch schnell rechts raus, Außen- und Technikcheck ohne die Ablenkung des redseligen, sympathischen Händlers. Doch da passiert´s plötzlich…

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Ein komisches, unbekanntes Gefühl macht sich breit. Das muss diese berüchtigte “Vernunft” sein. Und sie hat die eine oder andere Frage im Gepäck. Ist mir der Wagen so viel Geld überhaupt wert? Was muss ich gleich investieren, damit ich damit Freude hab? Taugt ein Pick-Up längerfristig als PKW-Ersatz, wenn man die rosarote Brille abgelegt hat und keine dreckigen Motorsägen oder erlegte Wildschweine transportieren möchte? Wer kauft jetzt möglichst schnell meinen Mazda? Und noch so manch andere Frage, die aber zu privat ist, um sie euch hier auf die Nase zu binden.

So ein Spielverderber, diese Vernunft. Da wäre ich fast der Versuchung erlegen, wollte bei der Rückkehr zum Händler schon laut nach einem Kaufvertrag schreien, und dann das. Wobei…

Kommende Woche steht eine kleine Familienzusammenfühung ins Haus. Felis Pajero kommt mit frischem Pickerl zu mir, um im Rahmen einer Rolling Restauration weiter aufgehübscht zu werden. Dreiliter-Vausechs (!), wer braucht da noch einen L200?

Lukas

Tempora mutantur

Wenn alte Menschen drüber jammern, dass ihnen nichts passt, dann liegt es meistens an einer Tatsache.  Die gewohnte Welt, in der sie stets gelebt haben, gibt es so nicht mehr. Tempora mutantur. Die Gegenwart ist nicht mehr ihre Welt, sie finden sich darin nicht mehr zurecht. So geht es auch alten Autos.

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Ich bin ein erklärter Freund von Young- und Oldtimern, plädiere stets für regelmäßige Bewegung und schonenden Alltagsbetrieb zumindest zwischen Mai und Oktober. Doch wenn man das dann macht, sich mit dem 30 Jahre oder älteren Auto einfach ins den modernen Straßenverkehr stürzt, fühlt man sich an das Jammern alter Leute erinnert.

Der Youngtimer hat zwar, guter Zustand vorausgesetzt, immer noch die Qualitäten von früher, nur das Umfeld hat sich stark geändert.

Thema Licht. Die 80er Jahre müssen finster gewesen sein, denn das Abblendlicht war es auch. Hat aber gereicht, schließlich waren alle auf dem selben Niveau. Wer heute, in Zeiten von Bi-Xenon und LED, bei Dunkelheit und Regen mit einem Youngtimer unterwegs ist, wird bei Gegenverkehr so gut wie gar nichts sehen. Wenn die Xenonbrenner dann noch hoch auf einem SUV montiert sind, ist endgültig Schluss mit Durchblick. Ein Sicherheitsnachteil, an dem die neuen Zeiten schuld sind.

Thema Crash-Sicherheit. Ein altes Auto wird per se mit den Jahren nicht unsicherer als es früher war, gute Blechsubstanz vorausgesetzt. Im modernen Verkehr aber schon. Weil die neuen Autos, von denen der Youngtimer umgeben ist, einfach immer sicherer und steifer wurden. Früher traf der Youngtimer auf seinesgleichen. Chancengleichstand. Heute trifft er auf einen EuroNCAP-optimierten Neuwagen. Mit ungleich fataleren Konsequenzen für den Youngtimer-Fahrer.

Thema Rücksichtnahme. Ein altes Auto ist technisch nicht dazu in der Lage, mit dem heutigen Verkehrsgeschehen unter allen Bedingungen mitzuhalten. Bei kaltem Wetter bockt der per Choke am Leben erhaltene Motor an der Kreuzung. Oder wegen fehlenden ESPs und weichem Fahrwerk mit schmaler Spur muss deutlich vorsichtiger gefahren werden. Alles Gründe, die sich Neuwagenfahrern aber nicht erschließen. Unverständnis und aggressives Verhalten sind die Folge.

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Es macht viel Freude, alte Autos im Alltag zu fahren, aber ich muss es ehrlicherweise nicht oft haben. Denn so schön Ausfahrten mit dem Youngtimer auch sind, so beruhigend ist es doch, dem täglichen Kleinkrieg Straßenverkehr mit relativer Chancengleichheit entgegenzutreten.

Lukas

Schooon wieder?

Ein Jahr ist seit meiner letzten Alltagsauto-Suche vergangen. Damals noch in Wien und Umgebung. Was hab ich da alles erlebt… Üble Gurken, miese Händlerschlitzohrige Verkäufer und einfach falsche Autos für mich. Mittlerweile bin ich mit meiner damaligen Wahl knapp 25.000 Kilometer gefahren, hab viel erlebt und war immer zufrieden. Egal ob Eisregen in der Ramsau, Stau auf der Tangente bei 39 Grad oder beim Sprint aufs Strassegg mit Dauer-Kickdown hart am Begrenzer, der Mazda 6 hat mich nie im Stich gelassen. Und dabei sieht er auch noch großartig aus…

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Und doch juckt es schon wieder. Die Lebensumstände haben sich geändert, der Wohnort auch und damit sind auch die Anforderungen an mein Alltagsauto andere geworden. Weg von Wien, weg vom Laterndlparken, weg vom regelmäßigen Autobahn-Pendelverkehr. Da bestünde doch wieder die Möglichkeit, was für´s Herz…

Sowas zum Beispiel!

Pajero Sport

Ein schöner Pajero Sport 2,5 TD, damit kann man nicht viel falsch machen. Zeitlose Optik, hoher Komfort, super Ausstattung und sehr gemütliche Fahrleistungen. Gut für die Nerven und gut für´s Konto, denn die mobilen Radarboxen verlieren dank Reisetempo 110 ihren Schrecken. Es ist aber definitiv kein 2005er, wie anhand der Erstzulassung vermutet werden könnte. Denn da gabs schon eine andere Schnauze, quasi das Facelift vom Facelift. Dieser hier dürfte ein 2003er sein, allerhöchstens ein früher 2004er. Preislich ist er damit am obersten Rand angesiedelt. Macht nichts, anrufen kostet ja erstmal nichts.

Nachdem die Sekretärin des VW-Audi-Autohauses mich zum ersten Verkäufer verbunden hat, der auch keine Ahnung hat und mich zum zweiten Verkäufer weiter verbindet, stellt sich raus, dass sowieso keiner etwas über den Wagen weiß. Kein Wunder, ein VW-Verkäufer kennt sich bei Pajeros wohl so gut aus wie ein Koch mit Fliesen legen. Es stellt sich lediglich heraus, dass der Wagen gar nicht beim Händler steht, sondern nur in Kommission für den Besitzer angeboten wird. Der ihn aber immer noch als Alltagsauto bewegt. Aber wenn ich meine Nummer hinterlasse, würde man sich nach Rücksprache mit dem Besitzer sofort mit mir in Verbindung setzen. Auf den Anruf warte ich zwei Tage später immer noch.

Das fängt ja gut an. Nur in Kommission und deutlich zu teuer weil keine Gewährleistung UND kein 2005er und dann nicht einmal für eine Besichtigung verfügbar. So macht man keine Geschäfte.

Vielleicht schlag ich´s mir auch wieder aus dem Kopf und fahr noch ein Jahr Mazda 6. Nur sind diese Auto-Suchaktionen leider immer so spannend…

Lukas

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