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“So a Unterschichtler…”

Nach Jahren im Exil, in denen ich meine alten Kisten viel zu wenig fahren konnte, bin ich wieder “back on track”. Sprich mit dem Youngtimer im Alltag unterwegs. Und es fühlt sich gut an, sogar beim momentanen Regenwetter. Was könnte es da besseres geben als permanenten Allradantrieb und eine Heizung Marke “finnische Sauna”. Was könnte es da besseres geben als einen Subaru Leone.

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Der Boxersound zaubert ab dem Schlüsseldreh ein Grinsen ins Gesicht, dank 10 Vorwärtsgängen findet sich stets die richtige Übersetzung, um den Motor im soundtechnisch interessantesten Drehzahlbereich zu halten und überhaupt: Wer kennt denn heutzutage noch einen Choke? Nur der Don-Johnson-Moment des Subaru-Fahrers, sprich das lässige Zuwerfen der rahmenlosen Tür aus der Hüfte, kommt wetterbedingt ein wenig zu kurz. Macht es doch nur bei runtergelassener Scheibe Sinn.

Trotzdem: Ich fühl mich stets wie der coolste Hund, wenn ich mit dem Leone auf den Supermarkt-Parkplatz blubbere. Wer fährt denn heutzutage noch einen Leone Turismo im Alltag? Das kann nur ein lässiger Typ sein.

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Offenbar sehe nur ich das so. Offenbar hat sich im etwas langsamen Österreich noch nicht herumgesprochen, dass es sowas wie eine Youngtimerbewegung gibt. Dass es Leute gibt, die solche alten Kisten freiwillig fahren und mehr investieren als Otto Golffahrer für seinen jungen Gebrauchten ausgegeben hat.

Die Reaktionen auf den alten Boxer sind nämlich keineswegs wie von meiner naiven Natur erwartet. Ich dachte zumindest an interessierte Blicke vorm Gasthaus, an “So einen hatte mein Opa”-Sager an der Tankstelle oder zumindest an “Wos isn deis?” von Basecap-Jugendlichen. Denkste. Reaktionen sind dünn gesät und kommen eher negativ in Form von abfälligen “So a Unterschichtler mit dera Kraxn”-Blicken. Stört mich das ernsthaft? Nein. Aber würd ich es mir anders wünschen? Klaro!

Lukas

8 Quadratmeter Individualität

Samstag vormittag, irgendwo in Österreich. Ein etwas heruntergekommener älterer Herr poliert Steine auf einem kleinen Tisch, daneben sitzt sein Terrier und bellt. Visavis dröhnt fragwürdige Technomusik aus einem alten Golf, in dem ein kahlrasierter Springerstiefelträger am Beifahrersitz herumbastelt. Zwei Reihen weiter wird gerade ein alter Corolla lautstark an zwei Rumänen verschachert, die mit ihrem (?) 740d die Durchfahrt blockieren.

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Ja, auch ich bin jetzt “stolzer” Garagenmieter und damit Teil dieses Milieus. Wobei ich die Garagen nur dazu benutze, um Autos wettergeschützt und halbwegs sicher abzustellen. Und damit einer Minderheit angehöre. Nur wenige Wochen reichen, um mitzubekommen, was sich da zwischen den Reihen hässlicher Betongaragen abspielt.

Da werden von einem Mieter im großen Stil Autos in den Export verschachert. Wahrscheinlich vervielfacht er sich so sein Arbeitslosengeld. Ein paar junge Bubis benutzen “ihre” Garage als zweites Wohnzimmer. Komplett eingerichtet mit Couch, VW-Fahnen an der Wand, Stereoanlage und Playstation. Auch als Werkstatt oder Lagerraum für alles Mögliche und Unmögliche müssen die Garagen herhalten. Und in einigen wenigen steht sogar ein Auto drin.

Lukas

Jedes zweite Jahr gibt´s die Allradmesse in Gaaden im Wienerwald und natürlich bin auch ich stets vor Ort. Man trifft alte Bekannte, lernt neue Freunde kennen und Autos gibts dort ja auch noch zu sehen, zu fahren und zu erleben. Hier gibt´s rein subjektiv meine Highlights der Allradmesse 2014.

Zu Beginn gleich ein alter Bekannter, der sich irgendwie verändert hat… Lada Doifl vom Manhartsberg hat´s geschafft, nach dem viertürigen Taiga nun auch den Lada Taiga Pick-Up nach Österreich zu bringen. Absolut coole Optik, gepaart mit der Taiga-typischen Skurrilität: Muss man einfach mögen, das Ding! Auf der Messe gibts einen Doppelkabiner zu besichtigen, der gleichzeitig ein Zweitürer ist. Auch eine Neuheit, wenn man so will. Laut dem umtriebigen Importeur Franz Doifl soll sich aber fast jeder Kundenwunsch betreffend der Karosserievariante umsetzen lassen. Einzel-, Eineinhalb- und Doppelkabiner, letztere auch mit vier Türen. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

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Gleich nebenan das absolute Gegenteil und doch irgendwie ähnlich. Ein edler Brite aus den 80ern in absolut traumhaftem Zustand. Schöne Farbkombination, bis auf das eine oder andere Teil zum Schutz der Karosserie völlig original. So muss ein Range Rover Classic aussehen. Als 300Tdi mit Schraubenfedern würd ich ihn sogar als Alltagsauto nehmen. Aber mit dem Wunsch steh ich nicht allein da, sprich gute Exemplare sind nicht zu bekommen. Schade eigentlich…

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And now for something completely different…  Ja, ich gebe es zu, ich find das Ding, um den neuen Jeep Renegade geht´s, interessant. Warum? Weil es ein PKW ist, der das Straßenbild wieder ein bisschen spannender machen wird. Wenn man ihn nicht mit den Augen eines Jeepers sieht und ihm seinen völlig falsch gewählten Namen verzeiht, ist er gar nicht so übel. Interessante und vor allem individuelle Optik, Allrad wenn man ihn denn haben möchte und dabei praktisch genug, um Mutti den provokant-langweiligen VW Touran zu ersparen. Also beschwert euch nicht, sondern betrachtet ihn ohne Vorbehalte. Nur diese Namenswahl…

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Ein paar Meter weiter wartet wohl das perverseste Ding, das je in Graz auf die (arabische) Welt losgelassen wurde. Der Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6. Riesig groß, provokant luxuriös, atemberaubend teuer und garantiert nicht sozialverträglich. Aber irgendwie geil. Schlagt die technischen Daten nach, ergoogelt den Preis und schaut ihn euch (in Dubai ;-) ) live an, wenn ihr die Möglichkeit habt. Es lohnt sich. Gigantisch.

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Viel billiger, viel unscheinbarer, viel – ja, irgendwie doch – sympathischer, und trotzdem fährt er dem 6×6 wohl um die Ohren. Der Mitsubishi Pajero V20 Evolution im Rallyetrim. Steht sogar zum Verkauf, wenn jemand genügend Bargeld mitbringt. Optisch fast ganz Pajero V20, technisch eine andere Liga. Einzelradaufhängung rundum, 280 PS aus einem 3,5 Liter MIVEC-V6, ausgeräumt und mit Doppeldämpfer-Fahrwerk versehen. Ein reinrassiges Rallyegerät. Mit Straßenzulassung!

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Wenns am Besten ist, soll man aufhören. Also hab ich mich zum Ende meiner Allradmesse-Tour in den schwedischen Hägglunds Bandvagn, eine Mischung aus Pistengerät und Panzer, gesetzt und über die teils recht selektive Offroad-Demostrecke chauffieren lassen. Spektakulär, das Gerät. Sehr ungewohnt, keine Reifen abrollen zu hören und zu spüren, sondern von rasselnden Ketten durch Schlammlöcher transportiert zu werden. Höllisch laut, mächtig eng, total faszinierend. Gebt euch das, dagegen ist die Fahrt im großen Unimog mit Willi Horacek schon fast normal. Aber nur fast. ;-)

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Schön war´s, ich freu mich auf 2016!

Lukas

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