Feeds:
Beiträge
Kommentare

Tempora mutantur

Wenn alte Menschen drüber jammern, dass ihnen nichts passt, dann liegt es meistens an einer Tatsache.  Die gewohnte Welt, in der sie stets gelebt haben, gibt es so nicht mehr. Tempora mutantur. Die Gegenwart ist nicht mehr ihre Welt, sie finden sich darin nicht mehr zurecht. So geht es auch alten Autos.

DSCN7768

Ich bin ein erklärter Freund von Young- und Oldtimern, plädiere stets für regelmäßige Bewegung und schonenden Alltagsbetrieb zumindest zwischen Mai und Oktober. Doch wenn man das dann macht, sich mit dem 30 Jahre oder älteren Auto einfach ins den modernen Straßenverkehr stürzt, fühlt man sich an das Jammern alter Leute erinnert.

Der Youngtimer hat zwar, guter Zustand vorausgesetzt, immer noch die Qualitäten von früher, nur das Umfeld hat sich stark geändert.

Thema Licht. Die 80er Jahre müssen finster gewesen sein, denn das Abblendlicht war es auch. Hat aber gereicht, schließlich waren alle auf dem selben Niveau. Wer heute, in Zeiten von Bi-Xenon und LED, bei Dunkelheit und Regen mit einem Youngtimer unterwegs ist, wird bei Gegenverkehr so gut wie gar nichts sehen. Wenn die Xenonbrenner dann noch hoch auf einem SUV montiert sind, ist endgültig Schluss mit Durchblick. Ein Sicherheitsnachteil, an dem die neuen Zeiten schuld sind.

Thema Crash-Sicherheit. Ein altes Auto wird per se mit den Jahren nicht unsicherer als es früher war, gute Blechsubstanz vorausgesetzt. Im modernen Verkehr aber schon. Weil die neuen Autos, von denen der Youngtimer umgeben ist, einfach immer sicherer und steifer wurden. Früher traf der Youngtimer auf seinesgleichen. Chancengleichstand. Heute trifft er auf einen EuroNCAP-optimierten Neuwagen. Mit ungleich fataleren Konsequenzen für den Youngtimer-Fahrer.

Thema Rücksichtnahme. Ein altes Auto ist technisch nicht dazu in der Lage, mit dem heutigen Verkehrsgeschehen unter allen Bedingungen mitzuhalten. Bei kaltem Wetter bockt der per Choke am Leben erhaltene Motor an der Kreuzung. Oder wegen fehlenden ESPs und weichem Fahrwerk mit schmaler Spur muss deutlich vorsichtiger gefahren werden. Alles Gründe, die sich Neuwagenfahrern aber nicht erschließen. Unverständnis und aggressives Verhalten sind die Folge.

DSCN8519

Es macht viel Freude, alte Autos im Alltag zu fahren, aber ich muss es ehrlicherweise nicht oft haben. Denn so schön Ausfahrten mit dem Youngtimer auch sind, so beruhigend ist es doch, dem täglichen Kleinkrieg Straßenverkehr mit relativer Chancengleichheit entgegenzutreten.

Lukas

Schooon wieder?

Ein Jahr ist seit meiner letzten Alltagsauto-Suche vergangen. Damals noch in Wien und Umgebung. Was hab ich da alles erlebt… Üble Gurken, miese Händlerschlitzohrige Verkäufer und einfach falsche Autos für mich. Mittlerweile bin ich mit meiner damaligen Wahl knapp 25.000 Kilometer gefahren, hab viel erlebt und war immer zufrieden. Egal ob Eisregen in der Ramsau, Stau auf der Tangente bei 39 Grad oder beim Sprint aufs Strassegg mit Dauer-Kickdown hart am Begrenzer, der Mazda 6 hat mich nie im Stich gelassen. Und dabei sieht er auch noch großartig aus…

DSCN0779

Und doch juckt es schon wieder. Die Lebensumstände haben sich geändert, der Wohnort auch und damit sind auch die Anforderungen an mein Alltagsauto andere geworden. Weg von Wien, weg vom Laterndlparken, weg vom regelmäßigen Autobahn-Pendelverkehr. Da bestünde doch wieder die Möglichkeit, was für´s Herz…

Sowas zum Beispiel!

Pajero Sport

Ein schöner Pajero Sport 2,5 TD, damit kann man nicht viel falsch machen. Zeitlose Optik, hoher Komfort, super Ausstattung und sehr gemütliche Fahrleistungen. Gut für die Nerven und gut für´s Konto, denn die mobilen Radarboxen verlieren dank Reisetempo 110 ihren Schrecken. Es ist aber definitiv kein 2005er, wie anhand der Erstzulassung vermutet werden könnte. Denn da gabs schon eine andere Schnauze, quasi das Facelift vom Facelift. Dieser hier dürfte ein 2003er sein, allerhöchstens ein früher 2004er. Preislich ist er damit am obersten Rand angesiedelt. Macht nichts, anrufen kostet ja erstmal nichts.

Nachdem die Sekretärin des VW-Audi-Autohauses mich zum ersten Verkäufer verbunden hat, der auch keine Ahnung hat und mich zum zweiten Verkäufer weiter verbindet, stellt sich raus, dass sowieso keiner etwas über den Wagen weiß. Kein Wunder, ein VW-Verkäufer kennt sich bei Pajeros wohl so gut aus wie ein Koch mit Fliesen legen. Es stellt sich lediglich heraus, dass der Wagen gar nicht beim Händler steht, sondern nur in Kommission für den Besitzer angeboten wird. Der ihn aber immer noch als Alltagsauto bewegt. Aber wenn ich meine Nummer hinterlasse, würde man sich nach Rücksprache mit dem Besitzer sofort mit mir in Verbindung setzen. Auf den Anruf warte ich zwei Tage später immer noch.

Das fängt ja gut an. Nur in Kommission und deutlich zu teuer weil keine Gewährleistung UND kein 2005er und dann nicht einmal für eine Besichtigung verfügbar. So macht man keine Geschäfte.

Vielleicht schlag ich´s mir auch wieder aus dem Kopf und fahr noch ein Jahr Mazda 6. Nur sind diese Auto-Suchaktionen leider immer so spannend…

Lukas

Der letzte echte Toyota?

Die Frage, welche Generation der E-Klasse jetzt der wirklich “letzte echte Benz” war und für immer bleiben wird, spaltet seit Jahrzehnten Autoclubs, Stammtische und das Internet. Neulich hatte ich die gleiche Diskussion, nur gings um den “letzten echten Toyota-PKW”. Könnte es der Avensis T22 gewesen sein?

Avensis T22 1

Was macht einen “echten” Toyota aus? Er muss volkstümlich sein. Da fällt die letzte bei uns verkaufte Generation des Camry schon mal weg. Die war einfach zu weit vom heimischen Mainstream-Geschmack entfernt. Er muss designtechnisch bieder, aber gefällig sein. Da fällt der Yaris schon mal raus. Vor allem die erste Generation zu strange im Styling, damit bist du nicht überall gut angezogen. Dann muss es der Corolla E12 sein, oder? Hmmm, irgendwie auch nicht. Der war zwar optisch ansprechend und hochwertig, aber mit einigen Mängeln (SHSV beim Diesel, Shortblock beim Benziner) fühlte er sich zu sehr nach Golf IV an. Und da kommt der Avensis T22 ins Spiel…

Avensis 2

Der Avensis der ersten Generation fühlt sich nicht nur nach klassischem Toyota an, er sieht auch sehr Toyota-ig aus. Die Front vor dem Facelift ein wenig skurril, der Rest sehr solide und bieder. Egal ob Liftback, Sedan oder Kombi, aufregende Schönheiten sehen anders aus. Der T22 passt aber irgendwie einfach überall rein, fällt nirgends auf. Das ideale Auto für Privatdetektive, wie auch schon der Carina zuvor. Auch im Innenraum gibt´s typischen Toyota-Look. Ein bisschen Plastikholz in Braun, um das viele Grau ein wenig aufzulockern. Ein Armaturenbrett ala Schrankwand, aber bombig verarbeitet. Der gebogene und elendslange Schalthebel ala 80er-Jahre, typisch auch der. Die Antithese zum Audi-Stummerl.

Unbenann55t

Und dann sind da noch die Dauerläufer-Qualitäten, für die echte Toyotas stets so bekannt und beliebt waren. Meine Erfahrungen mit dem Avensis T22 beschränken sich auf gelegentliche Fahrten mit Werkstatt-Ersatzautos eines Toyota-Händlers. Und diese Kisten sind mir in Erinnerung geblieben. Erst gab es weiße TDE-Kombis. Ehemalige Firmenautos von Außendienst-Vertrieblern, die nach der Ausmusterung als Ersatzautos für Werkstattkunden herhalten mussten. Alle mit mehr als 250.000km auf der Uhr. Mein letzter weißer T22 Vor-Facelift hatte 323.323km auf der Uhr, als ich ihn zurückgebracht habe. Und ist marschiert wie die Feuerwehr, trotz “nur” 90 PS.

GE POCKET CAMCORDER

Dann wurde umgesattelt auf Facelift-Limos. Jetzt mit SHSV-Abo, aber immer noch faszinierend durabel. Der letzte Facelift-T22, den ich als Ersatzauto zwei Tage fahren durfte, war ein zusammengeflicktes Unfallauto mit abenteuerlichen Spaltmaßen. Auch mit knapp 280.000km drauf. Lenkrad und Schalthebel spiegelglatt gescheuert, die sehr toyota-igen Velour-Sitzbezüge speckig auf flachgefurzten Sitzen. Aber er ist tapfer gefahren und alles hat funktioniert! Egal ob Fensterheber, Multifunktionslenkrad, Klima oder Navi-Radio. “Japaner halt”, sagt der Mechaniker meines Vertrauens in solchen Fällen. Auch wenn der T22 in England gebaut wurde.

DSCN5108

Ein großartiges Auto, aber erst auf den zweiten Blick. Wenn man dieses typische Japaner-Feeling mag, mit all seinem Plastikholz, den Velourstoffen, den langen Schaltwegen und der etwas unbeholfenen Verteilung der Bedienelemente (Die aber ins Blut übergeht, wenn man auf Japaner geeicht ist!), dann ist der Avensis T22 der wohl letzte volkstümliche Toyota-PKW alter Schule.

Lukas

P.S.: Ach ja, der W210, sag ich!

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.