Auch bei mir gabs Zeiten, in denen ich nur ein Auto hatte. Klingt komisch, kommt aber auch manchmal vor. Mit Betonung auf “manchmal”.
Zum Jahreswechsel 2008/09 war es wiedermal soweit. Der Impreza (http://wierus.wordpress.com/2011/05/11/schaf-im-wolfspelz/) war bereits verkauft und ich mit dem Galloper (http://wierus.wordpress.com/2011/06/15/galloper/) unterwegs. Zu der Zeit schlug gerade die Abwrackprämie eine Schneise in den Youngtimerbestand Österreichs und ich nahm mir vor, ein Fahrzeug zu retten, wenn es sich denn ergeben würde.
Im Januar 2009 bekam ich dann eine Email von einem Bekannten, er würde seinen 88er Toyota Camry 2.0 GLi Automatik mit 89.000 Kilometer aus zweiter Hand verkaufen wollen, eventuell sogar der Prämie opfern. Als erklärter Liebhaber japanischer Autos der 80er Jahre, erst recht wenn sie außen Beige/Innen Braun sind und Automatik haben, konnte ich natürlich nicht anders und schlug sofort zu. Der Wagen fuhr sich trotz seiner Mängel traumhaft weich und bequem, ich war sofort vom Camry überzeugt. Dankenswerterweise stellte mir der Verkäufer den Wagen gegen Ende Januar 09 sogar noch bis in meine Garage zu, in der er erstmal bis März verschwand.
Doch als die erste Euphorie verflogen war, wurde mir bewusst, was ich da gekauft hatte! Einen verbeulten und verdreckten Wagen mit Wartungsstau, durchgerosteten Kotflügeln, Farbnebel an den Zierleisten und nach Zigarettenrauch stinkenden Innenraum. Diese Fakten vor Augen, setzte ich mich im Februar in der Tiefgarage vors Auto und machte mir Gedanken. Noch hatte ich nichts investiert, der Verlust beim Verkauf an einen Afrika-Exporteur würde sich in Grenzen halten. Doch ich entschied mich für den Camry, kratzte mein Erspartes zusammen und fuhr zu einer auf Oldtimerrestaurationen spezialisierten Werkstatt, wo mich der Kostenvoranschlag für eine Teilrestauration wieder auf dern Boden der Tatsachen holte. Mein Entschluss war aber bereits gefallen, Augen zu und durch und bald sah der Wagen so aus:
Die Technik wurde überholt (viele Verschleißteile neu, Zahnriemen neu, Reifen neu, großes Service inkl. aller Flüssigkeiten neu etc.), beide durchgerosteten vorderen Kotflügel gegen Neuteile ersetzt, der durchgerostete Radlauf hinten rechts mit einem Reparatublech geschweißt, die verbeulte Tür links hinten repariert, das Frontblech ersetzt und unzählige weitere Arbeiten durchgeführt. Sogar 4 Stück neue und originalverpackte Radkappen konnte ich auftreiben. Die machten den Jahreswagenlook des Fahrzeugs dann perfekt:
Mitte März 2009 konnte ich mein wiedergeborenes Schmuckstück wieder abholen und den Frühling genießen. Um den Zustand möglichst lange zu erhalten, benutzte ich den Camry nie im Alltag, fuhr ihn nicht wenns regnete und schon gar nicht im Berufsverkehr. Die weitesten Fahrten mit dem Camry führten uns 2009 und 2010 zum jährlichen Old- und Youngtimertreffen beim Toyota-Museum der Familie Pichert in der Nähe von Passau. Natürlich schüttelte der Wagen die fast 900km Strecke locker aus dem Ärmel, Toyota eben. Im Jahr 2009 errang das “Team Camry”, bestehend aus meinem Vater, meinem Bruder und mir, sogar den zweiten Preis beim Schätz- und Geschicklichkeitsspiel.
Der Wagen war in den letzten beiden Sommern regelmäßig unterwegs, wurde von mir fürs abendliche Cruisen durchs Grazer Umland genauso wie fürs damalige Wochenendpendeln eingesetzt. Aber natürlich nur, wenn das Wetter entsprechend schön und vor allem trocken war. Doch seit Oktober 2010 sieht die Welt leider anders aus. Ich bin schweren Herzens nach Wien übersiedelt, der Camry musste in Graz in seiner Garage bleiben. Anfangs nur zum Überwintern, doch als das Wetter besser und die Straßen salzfrei waren, durfte er trotzdem nicht raus. Ich komme einfach zu selten nach Graz, um den Wagen regelmäßig zu bewegen und in Wien fehlt die Möglichkeit, ihn zu beherbergen.
Der Camry steht sich in Graz die Reifen platt und verkommt zur staubigen Tiefgaragenzierde, aber so ist das Leben nun mal. Lebensumstände ändern sich plötzlich und genauso plötzlich passen dann so manche geliebte oder zumindest geschätzte Gegenstände nicht mehr in den neuen Alltag. Und trotzdem bekomme ich es nichts übers Herz, ihn zu verkaufen. Nicht aus dem Grund, dass ich bei einem Verkauf sehr viel Geld verlieren würde. Sondern weil ich nicht glaube dass sich jemand findet, der den Wagen ähnlich gut pflegt wie ich es getan habe. Also wird er wohl weiter in der Tiefgarage auf mich warten, vielleicht kommt ja seine Zeit wiedermal. Zu hoffen wäre es…
Wierus





[...] und moderner ist. Damals gut, aber sein Vorgänger ist natürlich heute lohnenswerter. Ebenso der Camry dieser Jahre, ein bieder luxuriöser Traum, der im Ausland sogar als Lexus verkleidet zu haben war. [...]