… des Lied ich sing.
Wer sich deutschsprachige Autozeitschriften zu Gemüte führt, in denen es primär um Neuwagen und PKWs geht, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass die Einseitigkeit der Berichterstattung mittlerweile bemerkenswerte Ausmaße angenommen hat. Und doch ist die Dominanz deutscher Automarken auch in heimischen Autozeitschriften leicht erklärbar.
Wer findet das Auto, das nicht aus Deutschland kommt?
Was brauch ich als Redakteur einer österreichischen Tageszeitung, um meinen Auto-Teil, der wöchentlich beiliegt, für Leser interessant zu machen? Genau, einen prominenten Tester, der nicht nur sympathisch ist sondern als äußerst erfolgreicher Rallyefahrer in die Geschichte eingegangen ist. Markenbotschafter von Porsche und Audi sowie privat Fahrer von VAG-Produkten ist er auch, aber das nur so nebenher. Da ist es wohl selbstverständlich, dass gerade die Modelle des VW-Konzerns bei sämtlichen Tests, wie soll ich sagen, überdurchschnittlich wegkommen.
Dass auch zuständige Redakteure dieser Zeitung bekennende Fans der Marken aus Ingolstadt und Wolfsburg sind, verwundert da nicht.
Natürlich liegt die Dominanz der deutschen Marken auch der der leichten Erreichbarkeit und der fehlenden Sparbarriere. Viele Journalisten werden nach Deutschland zu Autoherstellern eingeladen, wo ihnen das Goderl gekratzt wird und man sie Tage lang rund um die Uhr hofiert. Dinner mit Entscheidungsträgern, Luxushotels, teure Testwagen usw., alles auf Kosten der Marke. Um wieder eingeladen zu werden, fällt der folgende Bericht im Blatt entsprechend aus. Doch noch viel wichtiger ist ein anderer Punkt: Indem du den Journalisten, die natürlich Autofans sind, z.B. für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Areale im Werk zeigst oder ihnen ermöglichst, Fahrzeuge zu fahren, die sich nur wenige Kunden leisten können, machst du sie zu Fans deiner Marke! Was kann dir besseres passieren als wenn Fans deiner Marke unterm Deckmantel der Objektivität über deine Marke schreiben?
Stichwort Sprachbarriere. Wenn man Interviews von Vorstandsvorsitzenden oder Entwicklern liest, in denen es um neue Modelle, Marketingstrategien, Zukunftsaussichten usw. geht, dann wurde natürlich mit Deutschen gesprochen. Klar, die sprechen ja eine zumindest ähnliche Sprache.
So erfährt man natürlich bedeutend mehr Hintergründe rund um deutsche Marken. Als einzige Ausnahmen fungieren Aston-Martin und Kia. Warum? Weil man mit einem Dr. Bez aus Bad Cannstatt (CEO Aston Martin) oder Peter Schreyer (Chefdesigner Kia) aus Bad Reichenhall natürlich unkomplizierter sprechen kann als mit Dipl. Ing. Tetsuya Tada aus der Chiba Prefecture.
So entsteht eine stete Einseitigkeit. Mit einer permanenten Einseitigkeit in der Berichterstattung wiederum entsteht eine permanente Präsenz der jeweiligen Marken in den Medien. Was sich wiederum in den Köpfen der Konsumenten festsetzt und für bemerkenswertes Ansehen sorgt. Als bestes Beispiel dafür muss Audi herhalten. Opinion-Leder schlagen als erstes zu und zeigen sich mit der Marke. Worauf sie sich zunehmend in allen Gesellschaftsschichten etabliert und so selbst der oststeirische Fliesenleger hofft, durch den Kauf eines 12 Jahre alten A4 ein wenig im Yuppie-Licht der Marke zu stehen.
Der Einwand, dass es natürlich überall auf der Welt eine Vorliebe für lokale Autos gibt, stimmt natürlich. In japanischen Magazinen vernichten japanische Modelle regelmäßig und schonungslos ihre deutschen Konkurrenten, in englischen Magazinen gibts eine klare Tendenz hin zu Ford und den verbliebenen englischen Markennamen Jaguar und Land Rover und dass der Megane in Frankreich den Golf um Längen schlägt, verwundert auch nicht.
Mir geht´s nicht darum, den heimischen Automobiljournalismus verbal zu vernichten. Ich möchte lediglich für etwas kritischere Leser sorgen, die Lobeshymnen nicht dumpf nachplappern, sondern vorher drüber nachdenken, was dahinter stecken könnte. Denn absolute Objektivität gibts nicht!
Lukas

























