Gnade!

Der Winter hat uns voll im Griff, es herrscht Dauerfrost und durch den eisigen Wind wird´s nicht grade angenehmer. Wer in dieser Jahreszeit in sein Fahrzeug steigt, startet und vermeintlich sportlich losfährt beweist lediglich, dass er von der Technik seines Autos keine Ahnung hat!

Oft beobachte ich unbedarfte Autofahrer, die ihr Fahrzeug nach einem langen Arbeitstag in Betrieb nehmen und mit Höchstdrehzahl im ersten Gang die Tiefgaragenauffahrt rausfahren. Dass ihr Fahrzeug bei dieser Aktion um Gnade schreit, während es durch den Auspuff Blut und Wasser spuckt, scheint niemanden zu interessieren, ist ja eh nur geleast…

Was passiert eigentlich beim Kaltstart im Motor und im Getriebe? Die optimale Temperatur des Kühlwassers ist bei ~ 90 Grad erreicht, die volle Schmierfähigkeit des Motoröls bei einer Öltemperatur von 75 bis 80 Grad. Startet man seinen Motor, besonders bei den momentanen Temperaturen, ist das Öl zäh wie Honig. Beim Kaltstart dauert es bis zu 30 Sekunden, bis sämtliche beweglichen Teile des Motors, besonders im Zylinderkopf, von der Ölpumpe optimal mit Öl versorgt sind. Startet man den Motor und dreht ihn augenblicklich hoch, ist mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht genug des sehr zähflüssigen Öls im Zylinderkopf angekommen, um die optimale Schmierung zu gewährleisten. Der Verschleiß steigt rapide an!

Noch schlimmer bei heutzutage so beliebten Turbomotoren, von denen viele mit einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie ausgestattet sind. Dabei handelt es sich um verstellbare Laderschaufeln im Turbo, der sich mit bis zu 290.000 Umdrehungen pro Minute um genügend Ladedruck bemüht. Ohne Zweifel präzise Hochleistungstechnik, die eine kundige Hand hinterm Steuer erfordert, um lange zu halten. Auch dem Laien sollte klar sein, dass solche Präzisionsteile von einer optimalen Schmierung abhängig sind.

Daher mein Appell an alle Autofahrer, besonders aber an solche mit Turbomotoren, egal ob Diesel oder Benzin: Fahrt eure Autos warm!

Es erfordert nur ein paar Minuten Geduld, um die Lebensdauer eurer Technik deutlich zu erhöhen. Nach dem Kaltstart sollte der Motor vor dem ersten Gasstoß einige Sekunden auf Leerlaufdrehzahl laufen (optimal um sich anzuschnallen), nach dem Losfahren kein Vollgas geben und die Drehzahl möglichst unter 2500 Umdrehungen halten bis das Fernthermometer die optimale Wassertemperatur anzeigt. Dann kann die Drehzahl bei Bedarf bereits gesteigert werden, bis auch das Motoröl nach 10 bis 15 Kilometern auf optimaler Temperatur ist und seine volle Schmierfähigkeit erreicht hat. Auch sollte man die Gänge nicht „durchreißen“, denn kaltes Getriebeöl und vermeintlich sportliche Gangwechsel vertragen sich ebenso wenig wie hohe Drehzahlen und kaltes Motoröl.

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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