Trara, der neue Tata! Und keiner merkts…

Tata? Seit wann schreibt der Wierus denn über Müsliriegel oder Geschirrspültabs? Keine Sorge, soweit kommt´s schon nicht, garantiert. Momentan handelt es sich wohl noch um Insiderwissen, wenn man Indiens größten Autohersteller  Tata Motors aus Mumbai kennt und schon einige Modelle dieses Herstellers gefahren hat. Doch woher kennt man als Österreicher die Marke Tata, wenn man noch nie in Indien war?

Seit dem Jahr 2007 importiert ein kleines Autohaus in der tiefsten Oststeiermark Kleinwagen und Nutzfahrzeuge der Marke Tata nach Österreich und fast niemand merkts. Woran liegt das, dass eine Automarke, deren Kleinwagen preislich wie auch konzeptbedingt in unsere Zeit passen, so völlig links liegen gelassen wird? Wie kann es sein, dass eine Automarke trotz regelmäßiger und jahrelanger Werbung nach wie vor keine Rolle am heimischen Markt spielt?

Die Erfolglosigkeit der robusten Kleinwagen aus Indien ist eines der großen Mysterien des heimischen Automarkts. Man könnte glauben, dass sich ein robust gebautes, sehr aggressiv gepreistes und doch zeitgemäßes Automobil, das genau in die heutige Zeit passt, auch ganz gut verkaufen sollte. Hinzu kommt das persönliche Service und das große Engagement des kleinen Importeurs aus der Steiermark. Doch wenn man sich die Tata-Konkurrenz in Österreich betrachtet, könnte man schon auf Ideen kommen, was hierzulande so abläuft.

Als sehr anschauliches Beispiel für das Markenbewusstsein heimischer Autokäufer dient das heimische Chevrolet-Angebot. 1995 kam der koreanische GM-Ableger Daewoo nach Österreich und begann bei uns, billige und einfach gebaute Klein- und Mittelklassewagen zu verkaufen. Eine gute Idee, der Verkauf lief dank einem riesigen GM-Werbebudget vielversprechend an, offenbar war´s eine Marktlücke. Doch nach einigen Jahren war der Markt gesättigt, die Verkaufszahlen gingen deutlich zurück. Wer kauft schon einen Daewoo, einen Wagen dessen Namen niemand aussprechen kann?

Es musste ein neuer Name und damit ein neues Image her. Also ging man bei GM in die Vollen und benannte Daewoo am europäischen Markt in „Chevrolet“ um. Ein mutiger Schritt, doch der Erfolg gab den Marketingstrategen recht, die Verkäufe zogen wieder deutlich an und identische Fahrzeuge, nämlich nach wie vor Daewoos aus Korea, hatten plötzlich ein jugendliches Image, Käufer sind stolz auf ihren „Chevy“. Liebhaber von US-Fahrzeugen entlocken die Daewoo-Chevys zwar nicht einmal ein müdes Lächeln und Autokenner wissen auch sofort bescheid, aber der durchschnittliche Kunde kauft trotzdem lieber „Chevy“ als „Daewoo“.

Und da krankt es meiner Ansicht nach beim rührigen Autohersteller Tata. In unserer oberflächlichen Zeit, in der Image, Prestige und Markenbewusstsein unser Konsumverhalten dominieren und in der Blender erfolgreicher denn je sind, ist es nahezu unmöglich, eine Automarke zu lancieren, deren Namen niemand kennt, deren Autos faszinierend unspektakulär sind und deren Werbeslogan „Mobilität aus Vernunft“ gut zu einem Treppenlift passen würde.

Vor einigen Jahren wurde in England versucht, den Tata Indica, das oben abgebildete Basismodell der Inder, als Citi-Rover über die Rover-Händler an den Mann bzw. die Frau zu bringen, aber wer die Rover-Pleite vor einigen Jahren mitbekommen hat kann sich denken, wie erfolgreich dieser Versuch im Sand verlaufen ist.

Was meint ihr, wie kann man es schaffen, ein vernünftiges Produkt ohne Markenimage an den Mann zu bringen und erfolgreich am hart umkämpften KFZ-Markt zu etablieren? Ein günstiger Preis? Reicht nicht! Einfache und durchschaubare Technik? Interessiert offenbar nicht!

Bin gespannt, was ihr meint!

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Neuwagen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Trara, der neue Tata! Und keiner merkts…

  1. micky schreibt:

    nun ja, ganz unbekannt ist einem die marke tata als autointeressierten ja nicht, besonders seit der übernahme der englischen traditionsmarken landrover und jaguar.

    mein berührungspunkt mit der marke tata, rührt daher, da in meiner wohnstrasse seit zwei oder mehr jahren ein tata indica verkehrt. den ich erst für einen der kleinen koreanern hielt, dann doch das kennzeichen tata 1 (oder 2) auf die sprünge half.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s