Zu gut gemeint?

Wer gelegentlich mit neuen Autos fährt oder zumindest in den zweifelhaften Genuss kommt, in neuen Autos chauffiert zu werden wird schon vor einiger Zeit bemerkt haben, dass besonders deutsche Fabrikate selbsternannter „Premium-Hersteller“ bretthart gefedert sind. Bloß Einbildung oder woran liegt´s?

Wie so oft lässt sich auch diese Frage nicht so einfach beantworten. Angefangen hat alles mit dem meiner Ansicht nach völlig unrealistischen Elch-Test eines Schwedischen Automagazins, deren Redakteure im Jahr 1997 publikumswirksam eine damals neue Mercedes-Benz A-Klasse aufs Dach gelegt haben.

Der Aufschrei in der Branche war groß, Mercedes besserte nach sprich stimmte das Fahrwerk der A-Klasse deutlich härter ab und plötzlich war der Elchtest das Maß aller Dinge bei Fahrzeugtests.

Sehr zum Leidwesen aller Autofahrer, die nicht mit 120km/h im Slalom über die Südosttangente brettern oder neue Rundenzeiten auf ihrem Firmenparkplatz aufstellen wollen. Denn um immer härtere und unrealistischere Test sogenannter Experten zu bestehen, müssen selbst gemütliche Familienkutschen sportlich-hart abgestimmt sein, ab besten völlig auf Seitenneigung in Kurven verzichten und mit Hochleistungsbremsanlagen bestückt werden. Optimal für ins lächerliche abdriftende Fahrzeugtests renomierter deutscher Magazine, schlecht für den Autofahrer wie du und ich.

Ein Fahrzeug, das in der Lage sein soll, weit jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit noch Haken zu schlagen wie ein Feldhase, muss bretthart abgestimmt werden. Oftmals so hart, dass Straßen mit schlechtem Asphalt und Frostaufbrüchen zur Tortur für ihre Insassen werden. Verschlimmert wird dieser Effekt oftmals noch durch Lenkungen, die so direkt und nervös sind, dass jeder tiefere Atemzug des Fahrers zu einem Spurwechsel führt. Alles unter dem Deckmantel der „Fahrdynamik“.

Ein Fahrzeug, das die gesamte Großglockner-Hochalpenstraße völlig ohne unterstützende Motorbremse bergab fahren soll ohne dass im Tal die Bremsleistung nachlässt, muss über eine Hochleistungsbremsanlage verfügen, die bei normalem Straßenbetrieb chronisch unterfordert ist. Das Resultat solch absurder Tests sind Bremsscheiben, die spätestens alle 2 Jahre erneuert werden müssen, weil sie aufgrund chronischer Unterforderung rettungslos verrosten, besonders an der Hinterachse.

Wozu das alles? Warum kaufen wir Autos, die so hart gefedert sind wie ein Formel-Rennwagen, deren Lenkungen so nervös sind wie die eines Go-Karts, deren Bremsen so bissig und leistungsfähig sind dass sie einem Porsche 911 vor 20 Jahren noch zur Ehre gereicht hätten? Weil uns vermeintliche Auto-Experten in Zeitschriften und Fernsehsendungen weismachen, dass gut und sportlich ist was hart und nervös ist und dass wir ja eigentlich allesamt verkappte Rennfahrer sind. Egal ob wir in einem Kompaktklasse-Diesel oder in einem Außendienstler-Kombi sitzen.

Sogar moderne französische Fabrikate von Renault, Peugeot und Citroen, seinerzeit bekannt und beliebt aufgrund ihres fürstlichen Fahrkomforts und der weichen Sitze, gleichen sich immer mehr ihren deutschen Konkurrenzprodukten an. Wenn deutsche Autozeitschriften z.B. den neuen Citroen C5 als „den deutschsten Citroen bislang“ loben, stellt sich mir die Frage ob das wirklich ein Grund für Lob ist. Oder doch schlichtweg Themenverfehlung?

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Zu gut gemeint?

  1. Jeremy schreibt:

    So einen Scheiss habe ich schon lange nicht mehr gelesen 😀

  2. Hansi schreibt:

    Lern fahren, dann ist dein Auto auch nicht chronisch unterfordert.. und zieh Luft- statt Vollgummireifen auf die Felgen, dann ist’s auch nicht so hart 😉

    Warum brauchen die Amerikanischen Fahrzeuge, insbesondere SUVs wohl alle Roll-Over-Mitigation? Richtig, weil sie ständig beim Verlassen der High-Ways umgekippt sind (kein Scherz).

    Meine persönliche Meinung ist, dass die meisten neuen Fahrzeuge eher zu weiche Fahrwerke habe und die Lenkung oft zu indirekt ist – das ist eben Geschmackssache.

    PS: Die Unfallstatistiken belegen, dass ABS und ESP zweifelsohne maßgeblich zur Reduzierung von Unfällen und Unfallfolgen beigetragen haben.

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