Youngtimer? Was ist das denn?

Die Bezeichnung „Oldtimer“ ist wohl auch nicht so autobegeisterten Mitmenschen ein Begriff, doch wenn es um „Youngtimer“ geht trennt sich die Spreu vom Weizen und Ratlosigkeit macht sich in vielen Gesichtern breit. Doch fürchtet euch nicht, ich klär euch gerne auf!

Der Begriff Youngtimer hat sich in den letzten 10 Jahren entwickelt, weil Autos seit den frühen 80er Jahren immer länger halten und optisch selbst nach fast 30 Jahren immer noch nicht altmodisch aussehen. Aufgrund dessen hat sich der Zeitrahmen im Leben eines Alltagsfahrzeugs zwischen seinem Dasein als ordinärer Gebrauchtwagen bis zum Aufstieg zum gehätschelten Oldtimer stark verlängert.

Das beste Beispiel für einen Youngtimer ist der bekannte und nach wie vor sehr beliebte Mercedes-Benz 190 W201.

Auf dem Markt seit 1982 ist der 190er nach wie vor ein fixer Bestandteil unseres Straßenbilds, egal ob als topgepflegter 190D ohne Ausstattung, Sondermodell „Opas Liebling“, oder als verheizte Möchtegern-Angeberkiste 190 E 1.8, natürlich ohne Typenschild. Aufgrund des optischen Erscheinungsbilds nimmt nahezu niemand einen 190er als Beinahe-Oldtimer wahr, obwohl frühe Modelle bereits kommenden Jahres 30 Jahre alt sind, die Zeiten als unzählige 190er bei Gebrauchtwagenhändlern standen gehören aber auch schon länger der Geschichte an. Wenn sich jetzt niemand um die verbleibenden 190er kümmert, wird ihnen ihre Langlebigkeit und ihn zeitloses Design zum Verhängnis.

Und genau in solchen Fällen kommt die Youngtimer-Szene ins Spiel. Youngtimerfreaks kauften interessante Versionen (Sechszylinder, Vollausstattung, skurrile Farbkombinationen etc.) selten gewordener einstiger Gebrauchsautos solange es sie noch gibt und retten sie somit über die Jahre, bis sie endlich als Oldtimer akzeptiert sind. Gäbe es keine Youngtimer-Szene, es wären schon längst sämtliche Mercedes-Benz W123, Ford Taunus und Granada, VW Santana oder Audi 100 ausgestorben.

Im Bild der Begründer der Youngtimerszene, die Mercedes-Benz Baureihe W123. Mit diesem Wagen fing mehr oder weniger alles an.

Bei den oben genannten Modellen handelt es sich um Mainstream-Youngtimer, die sich optimal für Anfänger und Szeneeinsteiger eignen. Die Ersatzteilversorgung ist in der Regel sehr gut, beim Kauf ist die Auswahl an verschiedenen Versionen und Zuständen recht groß und dank reger Clubaktivitäten steht ein Anfänger bei Fragen oder Problemen nicht im Regen.

Entscheidet man sich jedoch für ein sehr rares Modell des Youngtimer-Universums, egal ob es sich dabei zum Beispiel um einen Renault 25, einen Subaru Leone, einen Alfa Romeo „Alfa 90“, einen Toyota Camry oder einen Talbot Tagora handelt, wird man begeistert sein vom Variantenreichtum der 80er Jahre und bei jedem Treffen der einzige Vertreter der Baureihe bleiben. Diesen Exotenstatus erkauft man sich jedoch mit miserabler Ersatzteilversorgung und nicht vorhandenem Restwert im Falle eines Unfalls. Sofern man überhaupt eines der genannten Modelle auftreiben kann.

Denn als Youngtimer-Interessent muss man sich darüber im Klaren sein, dass man ein altes und pflegeintensives Auto ersteht, das regelmäßiger Wartung und kostenintensiver Reparaturen bedarf, um es zu erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass man vom investierten Geld, und dabei kann es sich oftmals um den Gegenwert eines jungen Gebrauchtwagens handeln, bei einem Verkauf des Fahrzeugs nur einen Bruchteil wieder rausbekommt. Vom meist lächerlich niedrigen Restwert im Falle eines Unfalls gar nicht zu reden.

Wenns denn so viele Nachteile gibt, warum besitze auch ich dann einige Youngtimer?

Weil ich den ganz eigenen Flair der 80er Jahre mag. Ich steh auf braune oder grüne Innenräume, ich mag kantiges Styling und dünne, große Lenkräder. Ich genieße die weichen Fahrwerke und die unter heutigen Gesichtspunkten skurrilen Bedienelemente in vielen 80er Jahre-Autos. Was wäre die Welt ohne obskure, seltene und eigenwillige Autos? Genau, ein langweiliger Ort!

In diesem Sinne…

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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5 Antworten zu Youngtimer? Was ist das denn?

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    hm… Guter Artikel, aber die Behauptung der 10 Jahre entspricht nicht ganz der Wahrheit. Eine Youngtimer Szene gab es schon vor 30 Jahren – und die Kernautos waren der /8, der Volvo 1XX und ältere grosse Opel.

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Das mag ja stimmen, bloß war´s damals kein Massenphänomen wie heutzutage. Heute gibts auf Youngtimer spzialisierte Händler, verschiedene Zeitschriften zu diesem Thema, Treffen und Ausfahrten für Youngtimer etc.. Sogar Mercedes-Benz selber verkauft mittlerweile überholte Youngtimer ab Werk, zu Apothekerpreisen. Ich bezweifle, dass es vor 30 Jahren auch schon solche Ausmaße angenommen hatte. Vielleicht hab ich mich undeutlich ausgedrückt. Richtig wäre wohl, dass der aktuelle Youngtimer-Hype erst seit knapp 10 Jahre so richtig boomt.

  2. YoungtimerBlog schreibt:

    ‚tschuldige – hab erst gerade gesehen, dass Du Österreicher bist – da war das in der Tat ein bisserl anders und startete später als in Deutschland – und Ja: Seit Ende der 90er professionalisiert sich das ganze

  3. Gunnar schreibt:

    Ohne eine Youngtimerscene (die damals dann natürlich nicht diesen Namen hatte) gäbe es heute keine Oldtimer. Letztlich gab es also schon immer ein paar wenige Zeitgenossen, die sich um den Verbleib alter Automobiltechnik gekümmert haben. Längst nicht alle echten Oldtimer von heute sind die legenären Scheunenfunde. So viele Scheunen gibt es gar nicht. Aber richtig ist, dass es heute mehr Leute als früher gibt, die diesem Hobby nachgehen. Das mag aber auch damit zusammen hängen, dass es heute insgesamt mehr Menschen gibt, die ein oder mehrere Fahrzeuge besitzen.

  4. turboseize schreibt:

    Der geringe Restwert ist aber in Form des geringen Kaufpreises auch der größte Vorteil des Youngtimerfahrens. Was man in der Werkstatt läßt summiert sich zwar, bleibt aber im Regelfall im Rahmen bzw. unterhalb dessen, was andere als Leasing- oder Kreditrate abdrücken.
    Nur: Deren Sonderzahlung alleine trägt beim Youngtimer oft schon den Kaufpreis und die Wartung für’s erste Jahr…
    Wertverlust findet auch nicht mehr statt. Unterm Strich kann stilvolles Youngtimerfahren billiger sein als in einer modernen Kleinwagengurke rumzurutschen. Es braucht allerdings etwas Einsatz, die Bereitschaft sich mit dem Thema zu beschäftigen, etwas Leidensfähigkeit und genug Charakterstärke, auch mal gegen den Strom zu schwimmen.
    Damit ist es nichts für Jeden.

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