Sehen wir uns beim „Dinner in the Dark?“

In einem Keller im dritten Wiener Gemeindebezirk findet seit einiger Zeit ein außergewöhnliches und faszinierendes Abendessen statt, das „Dinner in the Dark„! In absoluter Dunkelheit wird dem Besucher im wahrsten Sinne des Wortes „vor Augen geführt“, wie stark unser Sehsinn sämtliche andere Sinne überlagert und was uns entgeht, wenn wir etwas nur sehen. Leider muss ich jene Leser die gerne Fotos ansehen enttäuschen, mir ist lediglich dieser Schnappschuss des Lokals gelungen:

Über eine Schleuse in absolute Dunkelheit entführt, wird der völlig planlose Gast von blinden Kellnern abgeholt und zum jeweiligen Tisch geleitet, an dem man sich jedoch ebenfalls erst zurechtfinden muss. Wo hab ich denn mein Getränk abgestellt, hab ich genug Besteck und wenn ja, wie soll ich es benutzen wenn man nichts sieht? Mit diesen, für sehende Menschen, absurden Sorgen quält man sich herum, bis endlich die Vorspeise serviert wird.

Doch damit beginnen die wirklichen Probleme erst! Was ist drauf, am Teller? Und wenn etwas drauf ist, wie bekomm ichs auf die Gabel? Hilfe von den stets bemühten Kellnern hat man keine zu erwarten, schließlich hat man dafür bezahlt, diese Herausforderung mit einem Partner seiner Wahl selbst zu meistern. Gestaltet sich das Löffeln der Suppe noch relativ einfach, geht man spätestens beim Hauptgang dazu über, mit den Fingern zu essen. Schließlich soll ja auch etwas vom viergängigen Menü beim Mund ankommen.

Zwischen den Gängen wird man vom VierSinne-Team mit Spielen, Geruchsproben und Gegenständen unterhalten, die es zu ertasten gilt. Mehr oder weniger erfolgreich. Eher weniger…

Die Kosten für diesen sinneserweiternden und doch völlig legalen Abend begleicht man beim Kauf der Karten im Vorhinein, lediglich die Getränke gilt es zu bezahlen. Auch wenn man beim Wunsch der Kellnerin, jetzt zu kassieren, im ersten Moment an einen Scherz glaubt lohnt es sich durchaus, in völliger Dunkelheit im Portemonnaie nach den passenden Scheinen und Münzen zu suchen beziehungsweise sich vom blinden Personal zeigen zu lassen, wie man unsere sonst so bekannten Geldscheine auch ohne Augenlicht zweifelsfrei unterscheiden kann.

Nach fast 4 Stunden beinahe völliger Hilflosigkeit wird man, nach gescheiterten Selbstversuchen, schließlich vom Personal wieder zur Schleuse geleitet und in die Helligkeit entlassen. Dankenswerterweise kann man sich das Menü, welches man vorher zu sich genommen hat, dann noch einmal ansehen um zu wissen, wie es denn ausgesehen hätte, wenn man es denn gesehen hätte.

Die Erfahrung vierstündiger Blindheit ist eine schockierende. Herausfordernde. Interessante. Lohnenswerte.

Wierus

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Sehen wir uns beim „Dinner in the Dark?“

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