Die Donaustadt vor den Toren Wiens, Transdanubien Teil 2

Kennt man Donaustadt, den größten Wiener Gemeindebezirk, wenn man einige Folgen Kaisermühlen-Blues gesehen und zumindest schon von der Uno-City gehört hat? Für den zweiten Teil meiner Transdanubien-Reihe hab ich mich auf der Suche nach dem Kaisermühlen-Klischee in den Zweiundzwanzigsten begeben und wurde in den Donau-Auen von einer Begegnung der ganz besonderen Art überrascht. Donaustadt, here I come!

Auf dem Weg nach Kaisermühlen passiert man, zumindest wenn man aus Richtung Floridsdorf anreist, gezwungenermaßen den 1962 erbauten Donauturm und die Donau-City, in deren Mitte das „Vienna International Centre“ (UNO-City) liegt. Hervorgegangen aus dem Kongresszentrum „Austria Center Vienna“, wird die Donau-City  seit 1995 gebaut und stets erweitert, primär um eine noch bessere Infrastruktur für Großkonzerne und deren Mitarbeiter zu schaffen.

Vorbei an den imposanten Bürohochhäusern biegt man vor der Reichsbrücke nach links ab und plötzlich steht man mitten im bekanntesten Stadtteil Wiens, in Kaisermühlen. Obwohl Kaisermühlen auch den zur Internationalen Gartenbauausstellung  1964 errichteten Donaupark, besagte Donaucity und einen Teil der Donauinsel umfasst, wird im allgemeinen Sprachgebrauch mit Kaisermühlen meist die Wohngegend zwischen Am Kaisermühlendamm, Wagramer Straße und den Nebenarmen der Alten Donau bis zum Gänsehäufel gemeint.

Besucht man Kaisermühlen, ist der Besuch von drei Sehenswürdigkeiten Pflicht! Zu Beginn sollte man das zentral gelegene Cafe Kaisermühlen aufsuchen und versuchen, ganz ohne Scheu mit den Stammgästen ins Gespräch zu kommen. Hat man dann den Blues, gehts weiter zum berühmten Gänsehäufel. Eine der bekanntesten Episoden von Spiras „Alltagsgeschichten“ hat dem Gänsehäufel und dessen einmaligen Besuchern und Teilzeit-Bewohnern ein Denkmal gesetzt und wer diese Folge kennt, wird sich dort sofort zurechtfinden. Vom liebsten Strandbad des Kaisermühlners gehts dann wieder Richtung Wagramerstraße zum Schüttau-Hof, dem Originalschauplatz der erfolgreichsten Österreichischen Fernsehserie.

Direkt am Kaisermühlendamm gelegen, lässt sich im Schüttauhof und im Besonderen an der Stiege 10 das Lebensgefühl des Arbeiterbezirks, der „Kaisermühlen-Blues“, authentisch erleben. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, die Frau Koziber beim Hofkehren beobachten zu können, während die alte Kaiser im Gebüsch hockt und den Joschi Täubler ausspioniert.

Doch Donaustadt hat mehr zu bieten als internationales Flair in der Donaucity und kultige Eingeborene in Kaisermühlen. Wer durch Stadlau, einen grauen Arbeiterbezirk, in Richtung der Donau-Auen in der Lobau aufbricht, summt gezwungenermaßen eines der bekanntesten Lieder des Liedermachers Wolfgang Ambros, das er einer Grünen Witwe gewidmet hat. Mit der Schlusszeile „Komm, laß dich pflücken, du Rose aus Stadlau!“ gehts zügig auf immer leerer werdenden Ausfallstraßen in die Lobau, ein Naherholungsgebiet mit völlig ländlicher Anmutung und trotzdem ein Teil der Stadt Wien. Auch wenns in der Lobau keine typischen Einheimischentreffs gäben dürfte, wurde ich während meiner Recherche trotzdem von einem Bewohner des 22. Wiener Gemeindebezirks begrüßt:

Transdanubien. Wenn dieser Begriff fällt, dann meistens leicht abschätzig und mit überheblichem Grinser im Gesicht. „Jo die do drüben, alles Proleten!“ heißts dann. In einem Programm der Kabarettistin Andrea Händler hat sogar der „berühmte Transdanubische Vokuhila“ Einzug gehalten. Nach einer Reise von einigen Tagen, die mich von den Kellergassl in Stammersdorf über den Originalschauplatz des Kaisermühlen-Blues bis in die Donau-Auen in der Lobau geführt hat, hat sich mein Bild von Transdanubien gewandelt.

Nehmt euch Zeit, erkundet die beiden Bezirke drüber der Donau auf eigene Faust und bildet euch eine eigene Meinung. Sollte nun jemand abfällig über Transdanubien sprechen, dann könnt ihr ihm ja diesen Blog mit meinen Eindrücken zeigen!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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