Die Hintergründe des Skizirkus, Teil 2

Wenn nach einigen Tagen beim Neo-Winterurlauber die erste Irritation von gesunder Neugierde abgelöst wird, wird der Blick frei auf die wahre Seele eines Ortes, der sich voll und ganz dem Tourismus verschrieben hat. Ellmau am Wilden Kaiser macht es seinen Besuchern jedoch sehr schwer, hinter diese Fassade zu blicken.

Einheimische gibts zwar, sogar über 2000 an der Zahl, doch lassen die sich abseits der Gastronomie nicht blicken. Wenn man dann zumindest in Gastronomiebetrieben auf Tiroler trifft, wird man von ihnen mit „Hallo“ begrüßt und mit „Tschüss“ verabschiedet. Dass sämtliche Mehlspeisen „Mit oder ohne Sahne?“ zu haben sind, verwundert da nicht weiter.

Diese Region verleugnet sich auf eine bemerkenswerte Weise selbst, dadurch erscheint auch jeder ihrer Orte beliebig und austauschbar. Man ordnet sich dem Tourismus völlig unter, anstatt die regionalen Eigenarten für sich zu nutzen und den Urlaubern ganz bewusst mit einer eigenen Identität zu begegnen.

Dass in dieser gnadenlosen Fremdenverkehrsmaschinerie immer wieder Menschen auf der Strecke bleiben, leuchtet ein. Nicht erst seir der ausschlussreichen Begegnung mit einem Hüttenwirt (siehe Teil 1 dieser Reihe) dürfte klar sein, dass hier kein Platz für Individualisten ist. Schon gar nicht in einer Familie wie der jenes Wirts, die sich seit vielen Jahrzehnten vollständig dem Tourismus verschrieben hat. Starken Persönlichkeiten gelingt es, sich dem zahlenden Gast aus Holland oder Deutschland unterzuordnen und doch die eigene Identität nicht aufzugeben. Andere bleiben auf der Strecke, sprechen dem Alkohol zu und zerbrechen innerlich an und in dieser Region, die vöm schönen Schein und vermeintlichen Traditionen zu leben scheint.

Doch warum fährt man freiwillig in diese Gegend, gibt eine nicht zu verachtende Summe aus für einen Urlaub in einem völlig uninteressanten Ort, dessen Panorama das einzig optisch ansprechende Element ist?

Diese Frage lässt sich recht leicht beantworten: Für den Ort an sich interessiert sich von den unzähligen Touristen kaum jemand, es geht schlichtweg darum, hier ein Nachtquartier für ganztätige Schitouren zu haben. Man fährt am frühen Vormittag zu den Pisten, verbringt den Tag auf zwei Brettern und abends wird sich schon wo ein Lokal fingen, in dem man sich betrinken kann. Für die Kultur ist dann der Sommerurlaub im Magic-Life-Club in der Türkei zuständig.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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