Besser als ein G? G´ts noch?

Als Grazer müsste man den Puch G eigentlich für den besten G´ländewagen weltweit halten. Schließlich wurde er in den 70er Jahren mit Stuttgarter Hilfe in Graz entwickelt und wird nach wie vor in der zweitgrößten Stadt Österreichs hergestellt. Die immens hohen Neu- und Gebrauchtwagenpreise sprechen Bände über die Beliebtheit dieser Geländewagen-Ikone, der G gehört zu den ganz großen Offroad-Klassikern.

Doch es gibt da einen Geländewagen, der genauso kantig und markant auftritt, der dem G in Sachen Spaßfaktor ebenbürdig ist und dessen Geschichte ebenfalls bis in die späten 70er Jahre zurückreicht. Den Mitsubishi Pajero L040:

Als zusätzlicher Pluspunkt kommt der im Vergleich zum G deutlich geringere Kaufpreis und die günstigere Erhaltung hinzu. Seit seiner Markteinführung 1983 stieg der Pajero sofort zum meistverkauften Geländewagen Österreichs auf.

Und die Gründe dafür waren mannigfaltig:

* Der Pajero L040 war flotter als die Konkurrenz! Als erster Geländewagen mit serienmäßigem Turbodiesel-Motor und Fünfgang-Schaltgetriebe beschleunigte der Pajero 2.3TD mit seinen 84PS zügiger aus dem Stand auf 100km/h als sämtliche Konkurrenzmodelle, sogar Mercedes-Diesel-Taxis konnte man im Rückspiegel verschwinden lassen. Damals eine Sensation, wenn man den lethargischen Puch 300GD daneben stellt.

* Der Pajero L040 war komfortabler als die Konkurrenz! Mit einer weich abgestimmten Einzelradaufhängung mit Drehstäben an der Vorderachse federt der Pajero nicht nur deutlich kommoder als die starrachsigen Mitbewerber, sondern bietet auch deutlich mehr Ausstattungskomfort als die Konkurrenz. Im Jahr 1983 stellte ein voll verkleideter Innenraum mit Teppichen und Armlehnen, ein vierstufiges Gebläse und ein serienmäßiger Drehzahlmesser eine Sensation unter den Geländewagen dar. Heute nicht mehr nachvollziehbar, damals konkurrenzlos.

* Der Pajero L040 war leiser als die Konkurrenz! Dank der von Mitsubishi in den 70er Jahren patentierten Ausgleichswellen lief der 4D55 genannte 2.3 Liter Turbodiesel-Motor aus dem Mittelklassemodell Galant so ruhig und sanft wie ein Benziner. Trotz sehr kurzer Übersetzung und dadurch geschuldeter hoher Drehzahl bei Autobahntempo konnten Pajero-Passagiere auch während der Fahrt Radio hören und sich in normaler Lautstärke unterhalten. Anfang der 80er eine Selbstverständlichkeit, auch nicht bei PKWs.

* Der Pajero L040 war erfolgreicher als die Konkurrenz! Bei beinahe jeder Rallye Paris-Dakar der 80er und 90er Jahre belegte der Pajero die vordersten Plätze. Eine phaszinierende Chronik der einmaligen Siegesserie des „King of the Desert“ findet ihr hier: http://www.mitsubishi-motors.com/corporate/museum/motorsports/e/pajero_king_of_desert.html

Ja, der 2.3 Liter TD-Motor war kein Wunder an Haltbarkeit und die frühen Getriebe verabschiedeten sich noch früher als der Zylinderkopf des Motors, aber diese Probleme gehörten spätestens mit der Einführung des 2.5 Liter TD mit Intercooler und 91 PS der Vergangenheit an. Doch wirklich Volllast-fest ist auch der 4D56 genannte 2,5 Liter Turbodiesel-Motor nicht. Aufgrund der sehr kurzen Übersetzung liegen besonders auf der Autobahn viel zu hohe Drehzahlen (3000 U/min bei 100km/h im fünften Gang) an, der Grund für häufige Zylinderkopfschäden am 4D56. Einziger Ausweg ist ein Reisetempo mit einer Drehzahl von maximal 80% der Nenndrehzahl. Das wären beim 4D56 in etwa 3360 U/min, was einem Dauertempo von Tacho 110 entspricht.

Heute bekommt man für 3000 Euro einen gut erhaltenen Pajero 2.5 TD Intercooler, mit etwas Glück sogar einen seltenen aber noch haltbareren V6 3000, der mit 139 PS noch ein Schäufchen drauflegt und zeitgemäße Fahrleistungen mit unzeitgemäß hohem Verbrauch kombiniert. 😉 Der 2.6 Liter Vierzylinder- Benziner mit 103 PS spielt bei uns keine Rolle. Ersatzteile, insbesondere für den ewigen 4D56 (produziert von 87 bis heute) und den auch in vielen Chrysler-Modellen verbauten 3 Liter V6 sind einfach zu bekommen. Als weiterer Pluspunkt für den L040 kommt hinzu, dass jeder Mechaniker einen Pajero der ersten beiden Baureihen reparieren kann, egal ob er auf Landmaschinen, PKW oder LKW gelernt hat.

Das größte Problem beim Pajero L040 ist der Rost! Jedes Metallteil am L040 rostet, egal ob es sich um die Umrandung des großen Schiebedachs beim Wagon oder den Unterboden, die Motorhaube oder die Heckklappe handelt. Besonders gefährlich wirds, wenn das einzig tragende Teil, der Leiterrahmen, durchgerostet ist. Denn dann stehen entweder hohe Reparaturkosten oder der Export nach Kasachstan auf dem Zettel. Die Kaufentscheidung für oder gegen einen Pajero L040 sollte mit dem Blechzustand und dem Pflegezustand des Innenraums fallen, die Technik lässt sich einfach und preisgünstig ersetzen.

Jetzt ist die Zeit gekommen, um noch einen der letzten gut erhaltenen Pajero L040 zu kaufen und als Youngtimer für die Nachwelt zu erhalten. Denn wenn der letzte V6 3000 exportiert und die wenigen gut erhaltenen 2.5 TD niedergeritten wurden, werdet ihr merken, dass man für SUVs keine Sympathie empfinden kann! Der Pajero L040 ist der beste Kompromiss aus kantiger, aufrechter Optik, erstklassiger Zuverlässigkeit und akzeptablem Komfort. Und dieses Gesamtpaket kostet lediglich die Hälfte der Summe, die man für einen zusammengerissenen Puch 300GD auf den Tisch legen muss.

Dass sich mittlerweile etwas tut, auch in Sachen Preise, zeigt der aktuelle Youngtimer-Marktbericht zum Pajero L040.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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14 Antworten zu Besser als ein G? G´ts noch?

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Die gut erhaltenen Exemplare sind leider leicht abzählbar geworden – aber völlig richtig: den G muss er nicht fürchten, während der Patrol das sehr wohl musste.

  2. peter kranz schreibt:

    ohne diesen beitrag zuvor gelesen zu haben, habe ich in diesem sinne gehandelt, jedoch bedeutete dies für meinen 4 türer intercooler: 10 monate intensive suche über internet etc. und am ende bekommt man dennoch nur ein dreier zustand, welcher arbeit braucht! aber ich merke schon jetzt: es hat sich gelohnt!

  3. Franz Bösenhofer schreibt:

    Nach 25 Jahren trennen wir uns.
    Er: Mitsubishi Pajero 2,5 TD Canvas Top und ich: 50, männlich.

    So bald ist man ein halbes Leben ein Auto gefahren (von 25.- bis 50)! Ich bedanke mich bei den Konstrukteuren und denn die das Fahrzeug hergestellt und gewartet haben.

    Nach 200.000 km ohne Unfall und alles noch Original
    Ausgetauscht wurden: Umlenkhebel, Auspuff, Licht und Scheibenwischerschalter, Thermosstat, 2 Blattfedern und einige Gummis und Simmeringe, Stoßdämpfer, Kupplungsscheibe, Bremsbacken (nicht die Scheiben!!) sowie diverse Teile die im Zuge der Wartungsarbeiten getauscht werden müssen – aber: nie Defekte und beim Abschleppen immer vorne
    gefahren :-))

    Hoffe der neue Besitzer ist ein Sammler mit Gefühl und der Wagen wird noch lange gefahren.

    fb_land@yahoo.de

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  5. Gilbert schreibt:

    Ich fahre eine L040 V6 mit 402.000km. Kein Rost, nicht einmal ne Spur davon…Motor läuft 1a.

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  7. Bodo Engemann schreibt:

    Als Besitzer sowohl eines 2,5 TD Intercooler und eines 3,0 V6 kann ich es nur bestätigen: es gibt keinen anderen Offroader, der so herrlich herb als auch wartungsfreundlich ist…

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