Der Untergang des Abendlandes

Es mag nach zu harten Worten klingen, aber was sich im Moment am Kraftfahrzeugmarkt auf dem Gebiet des badge-engineering abspielt, kommt dem Untergang des Abendlandes gleich!

Unter badge-engineering versteht man das verkaufen eines Fahrzeugs unter verschiedenen Markennamen. Als bei uns bekanntestes Beispiel muss wiedermal der unselige VW Sharan der ersten Generation herhalten, der auch als Seat Alhambra und als Ford Galaxy verkauft wurde. Mittlerweile stellt Ford einen eigenen Galaxy her, der Sharan bleibt im VW-Konzern auch als Seat zu haben. Prinzipiell nichts schlimmes, wenn es stimmig ist!

Doch was sich Chrysler-Fiat, der neue und recht bizarre Firmenverbund, in Zukunft auf dem europäischen Markt leistet, ist wohl nicht mehr zu toppen! Amerikanische Autos werden als Fiat bzw. Lancia verkauft und italienische Kleinwagen kommen in England und den USA als Chrysler auf den Markt. Absurd!

Der italienische Traditionshersteller Lancia steht seit Gründung der Marke im Jahr 1906 für technisch aufwendige und liebevoll konstruierte Fahrzeuge, nicht immer ganz einwandfrei verarbeitet, aber oftmals ihrer Zeit voraus. Zumindest am Designsektor konnte sich Lancia seit der Übernahme durch den Fiat-Konzern eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Doch damit ist nun Schluss! Traditionsreiche Namen werden nun mit billig produzierten, amerikanischen Großserienbombern belegt.

So wird die italienische Oberklasse mit dem Lancia Thema wiederbelebt, in Gestalt eines leicht gelifteten Chrysler 300C:

Jetzt könnte man zu philosophieren beginnen über lieblose Großserien-Plastikbomer aus Amerika, technisch anspruchslos und altbacken, und wie diese Rahmenbedingungen zu einer italienischen Oberklasselimousine eines Traditionsherstellers technisch anspruchsvoller Fahrzeuge passt, aber das wäre unfair.

Während sich Lancia-Fans und Liebhaber italienischer Fahrzeuge nun wohl schnellstens erschüttert abwenden dürften, mach ich unerschrocken weiter mit dem Lancia Flavia!

Wieder ein großer und traditionsreicher Name, wieder auf einem nicht besonders inspirierten amerikanischen Großserienbomber, dem Chrysler Sebring/200. Dass der aktuelle Chrysler Voyager als Lancia Phedra nach Europa kommen soll, dürfte nach diesen beiden Würfen wohl nur noch halb so schlimm sein.

Doch auch Fans US-amerikanischer Hubraumriesen mussten vor einigen Jahren einen Schock überwinden. GM pappte das Chevrolet-Logo auf die chronisch erfolglose Korea-Marke Daewoo, die Mitte der 90er nach Europa kam und sich, seit deren Fahrzeuge als Chevrolet verkauft werden, so gut verkauft wie nie zuvor.

Es wäre spannend zu erfahren, wie die Teilnehmer eines US-Car-Treffens reagieren, wenn man mit einem Kleinwagen aus Korea mit Opel-Technik und Hartplastik-Innenraum zwischen ihren Straßenkreuzern auftaucht! An alle Ugläubigen:. Ja, DAS ist ein Chevrolet!

Schon lange vorbei sind die Zeiten, in denen ein Fahrzeug einer japanischen Marke auch in Japan gebaut wurde, in denen ein deutsches Auto auch in Deutschland entwickelt oder ein italienisches Auto mit italienischem Flair versehen wurde. In Zeiten der Globalisierung müssen wir uns wohl daran gewöhnen, dass unser deutsches Auto in Brasilien designt, in den USA entwickelt und in Ungarn gebaut wird. Hauptsache, der Namen stimmt!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Der Untergang des Abendlandes

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