Vom Aussterben bedroht, Teil 6

Willkommen zum nun bereits sechsten Teil meiner Serie über Autos der 80er und 90er Jahre, die akut vom Aussterben bedroht sind. Auch diese Folge widmet sich wieder voll und ganz drei unbekannten und ausgestorbenen Autos, die seinerzeit offiziell in Österreich verkauft wurden. Wie schon in Teil 5 angekündigt, widmet sich dieser Teil der italienischen Lebensart auf vier Rädern.

Heckantrieb mit Transaxle-Konzept, Sechszylindermotoren, Design by Bertone und eingeschwindigkeitsabhängig automatisch ausfahrender Frontspoiler. Ein Fahrzeug aus Mailand, das diese Eigenschaften in sich vereint, kann kein Flop sein. Der Alfa Romeo Alfa90 beweist, dass es doch möglich ist…

Der Alfa90 hätte ein Erfolg werden können, das steht außer Frage! Im Endeffekt hatte er lediglich Pech. Denn in seine Bauzeit (1984- 1987) fällt die Übernahme des ehem. Staatsbetriebs Alfa Romeo durch Fiat im Jahre 1986. Für Fiat stellte die anspruchsvolle und aufwendig zu produzierende Technik einen Stolperstein dar, der Alfa90 war schlichtweg zu teuer. Und so verschwand er bereits 1987 wieder aus den Preislisten und mindestens genauso schnell aus den Köpfen der Alfisti. Schade eigentlich, die agile und schlanke Sportlimousine hätte ein anderes Schicksal verdient!

Das kann man beim nächsten Kandidaten, dem Fiat Croma, nicht gerade behaupten!

Zusammen mit Lancia, Alfa-Romeo und Saab im Rahmen eines Joint-Ventures entwickelt und ab 1985 verkauft, lies der Croma Stil, Charme oder inspiriertes Design gänzlich vermissen. Die Beamten der Guardia di Finanza und die Carabinieri mussten ihn fahren, Opis und Oberlehrer kauften und fuhren den Croma freiwillig! Nach einem missglückten Crashtest einiger Mittelklassewagen 1990, bei dem der Croma nicht unbedingt vorteilhaft abschnitt, war sein Image im deutschsprachigen Raum endgültig ruiniert, da half auch der erste in einem PKW verbaute Turbodieselmotor mit Direkteinspritzung (seit 1987) nichts mehr. Ein großes Facelift 1991 machte ihn etwas gefälliger, doch das Image des Croma war ruiniert, die Einstellung des Modells 1996 überfällig. Nebenbei bemerkt: Auch der Croma II (2005- 2010) war außerhalb Italiens ein Flop, aber das ist eine andere Geschichte!

Giovanni Agnelli, der ehem. Fiat-Präsident und Sohn des Begründers der italienischen Autoindustrie, fuhr mindestens zwei Stück davon, und doch interessiert sich niemand für den Lancia Prisma. Lancia was?

Den Lancia Delta kennt jedes Kind, als Integrale mischte er in den 80er und frühen 90er Jahren die Rallyewelt auf und fuhr seit der Einführung des Sondermodells Intregrale Evoluzione direkt vom Schauraum in Sammlergaragen in aller Welt. Geht´s hier nicht um den Lancia Prisma? Ja, auch… Denn beim Prisma handelt es sich um das seit 1982 erhältliche Stufenheckmodell der ersten Delta-Generation. Zwar zwischenzeitlich auch mit Allradantrieb zu haben, blieben dem Prisma die leistungsstarken Motoren des Hatchback-Bruders verwährt. Mit maximal 115 PS und einem Design wie ein Brotkasten lassen sich keine Rennen und erst recht keine Liebhaber gewinnen, und so ging der Prisma nach immerhin siebenjähriger Bauzeit sang- und klanglos unter.

Hat jemand vor nicht allzulanger Zeit einen der drei obigen Italiener auf Österreichs Straßen fahren sehen? Wenn ja, bitte ich um ein Kommentar. Na dann bin ich mal gespannt…

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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5 Antworten zu Vom Aussterben bedroht, Teil 6

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Der „Vorgänger“ des Alfa 90, der Alfa 6, den praktisch außerhalb des Stiefels niemand kaufte, der war cool… Viele der hier aufgeführten Fahrzeuge sind allerdings aus gutem Grund verschwunden: Sie waren technisch katastrophal…

    • Lukas Wieringer schreibt:

      „Viele der hier aufgeführten Fahrzeuge sind allerdings aus gutem Grund verschwunden: Sie waren technisch katastrophal…“

      Das macht für mich den Reiz dieser Serie aus! Katastrophaler Rostschutz (Japaner, Italiener), heikle Technik (Italiener) und biederes Design (Länderübergreifend) ist allemal interessanter als diese dauernden Mainstream-Klassiker. 😉

  2. Alltagsklassiker schreibt:

    Vom Croma sind in Graz noch ein paar Exemplare erhalten und in einem Prisma Integrale! bin ich erst vor 2 Wochen gesessen (Abschleppaktion mit Claus).
    Aber von den 90ern fehlt wirklich jede Spur, ausgenommen ein komplett heruntergekommenes Modell, das ich nähe Graz in einem Hinterhof aufgestöbert habe….

    http://alltagsklassiker.blogspot.com/2009/07/alfa-romeo-90.html

  3. Pingback: Einhundert! « Lukas Wieringer

  4. turboseize schreibt:

    Der Chroma ist eine besonders tragische Figur, denn die tipo 4-Plattform ist eigentlich ganz ordentlich. Seine Brüder Lancia Thema, Saab 9000 und Alfa 164 beweisen ja, daß man aus dieser Basis durchaus etwas hätte machen können.
    Aber wenn man sich auf halbem Wege zufrieden gibt (vgl Chroma und 9000: der Chroma Todesfalle, der 9000 dagegen „sicherstes Auto auf Schwedens Straßen“) und das Ergebnis dann noch so langweilig und uncharismatisch verpackt, dann hat es das Auto auch nicht anders verdient, als in der Versenkung zu verschwinden.

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