Subaru 4WD – Die ersten 20 Jahre

Subaru ist wohl die Automarke mit dem am breitesten gefächerten Image aller japanischen Hersteller. Wenn man in einem Gasthaus in Hieflau den Namen der Marke mit den 6 Sternen erwähnt, wird man auf Modelle wie den Justy, den Leone oder den Legacy Kombi angesprochen. Man wird Geschichten von Hüttenwirten und Bauern hören, die sich seit beinahe 30 Jahren mit verschiedenen Subarus durch Tiefschnee wühlen, um auf die Alm zu kommen. Beim McDonalds in der SCS in Wien wird man beim Namen Subaru eher johlende Teenager antreffen, die vermuten, dass das einzige Modell des Nischenherstellers der Impreza WRX STI in Blau mit goldenen Felgen und riesigem Heckspoiler ist.

Doch wissen die wenigsten Nutzer, Fans oder Verehrer des vielfachen Rallyeweltmeisters über die Ahnen des Impreza WRX STI bescheid. Das soll sich hiermit ändern!

Anfang der 70er Jahre stellte der größte japanische Elektrizitätskonzern eine Anfrage nach einem allradgetrieben PKW mit großem Kofferraum und überdurchschnittlicher Bodenfreiheit an sämtliche heimischen Autohersteller, doch das Echo war ernüchternd. Bei Toyota gabs den lauten, lahmen und unkomfortablen LandCruiser, Nissan hatte den Patrol im Programm, der sich durch ähnliche Charakteristika auszeichnete wie der Toyota und das wars.

Der komfortable Pajero (https://wierus.wordpress.com/2011/02/15/pajerol040/) stand noch lange nicht zur Debatte, doch Subaru ergriff die Chance und stattete den 1971 präsentierten Leone der ersten Generation mit einem simplen, starr zuschaltbaren Allradantrieb aus. Der Mitarbeiter des Elektrizitätskonzerns waren mehr als zufrieden und so wurde Ende 1972 der  Subaru Leone 1400 4WD Station Wagon aus der Taufe gehoben!

Der sofortige Erfolg dieses Konzepts gab Subaru recht, denn der Leone 4WD war konkurrenzlos und füllte eine sehr große Lücke im Fahrzeugangebot. Der Audi Quattro war noch nicht in Sicht und andere Allradfahrzeuge waren entweder viel langsamer und ruppiger (LandCruiser, Patrol, LandRover) oder viermal so teuer (Jensen Interceptor). Der Leone I etablierte sich schnell als begehrtes Multifunktions-Tool, besonders in den USA war der Erfolg der Baureihe bahnbrechend.

Mit dem Leone der zweiten Generation, die 1980 auch nach Österreich importiert wurde, ließ sich der weltweite Erfolg des allradgetrieben PKWs aus Japan nicht mehr stoppen! Je nach Wunsch konnte man zwischen einem dreitürigen Hatchback namens Turismo, einer Kombiversion mit flachen (DL) oder hohem Dach (GL), einer Stufenhecklimousine und einer Pick-Up-Version wählen. Im Bild einer der allerersten Subarus in Österreich, ein Subaru 1600 DL Kombi vom Autohaus Windhaber in der Oststeiermark:

Der in Österreich schlicht „1600“ und „1800“ genannte Leone der zweiten Generation verkaufte sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Die Fahrzeuge wurden vom LKW herunter verkauft, noch bevor sie in den Schauraum gefahren werden konnten. Unzählige Hüttenwirte, Bauern, Jäger, Landärzte und Förster vertrauten auf den zuschaltbaren Allradantrieb samt Untersetzungsgetriebe und auf die Bodenfreiheit, die einem Geländewagen zur Ehre gereicht.

Mit dem ab 1984 erhältlichen Kleinwagen Justy, der auch mit zuschaltbarem Allrad ausgestattet war, hatte Subaru noch einen Verkaufsrenner im Programm, dem viele Händler heute noch nachtrauern:

Bis 1995 im Programm, erwies sich der kleine Racker mit seinem Dreizylindermotor als spritziger und äußerst wendiger Geselle, den so schnell nichts aufzuhalten vermochte, seien es vereiste Straßen, Tiefschnee auf Waldwegen oder bloß glitschige Garagenausfahrten.

Der  zwischen 1984 und 1998 angebotene „Justy-Bus“ namens Domingo zeichnete sich durch seinen Heckmotor direkt hinter der Stoßstange und seine 6 Sitze bei minimalen Abmessungen aus. Besonders beliebt als „Brotbus“ bei Bäckereien und geräumiges Stadtauto für Großfamilien:

Den Löwenanteil am damaligen Riesenerfolg der Subaru-Händler trug der 1985 präsentierte Subaru Leone der dritten Generation bei, der sich auf Anhieb zum Verkaufsschlager mauserte und dem noch immer viele Nutzanwender nachtrauern. Mit fünf verschiedenen Karosserievarianten (Turismo, Sedan, Kombi Flachdach, Kombi Hochdach und Coupe XT), zwei Motoren (1600, 1800/1800 Turbo)  und sieben (!) unterschiedlichen Getriebekombinationen ausgestattet, blieben beim Leone, der erstmals auch in Österreich so heißen durfte, keine Wünsche offen:

Der Leone III etablierte den Namen Subaru entgültig auch in Österreich, in den USA war er beinahe die gesamten 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts „Best selling Import-Wagon“ und wurde bis 1994 parallel zu seinen Nachfolgern weiter angeboten und erfolgreich verkauft. Ein ganz großer Wurf!

Ab 1989 änderte sich bei Subaru alles! Die schmalen Räder, das skurrile Design und der betörende Boxersound früherer Modelle gehörte der Vergangenheit an, mit der Präsentation des Legacy betrat Subaru die größe Bühne der gehobenen Mittelklasse:

Der Legacy war nicht, wie oft fälschlich behauptet, als Nachfolger für die Leone-Baureihe gedacht, sondern eine Klasse darüber angesiedelt. Mit permanentem Allradantrieb, starken Motoren von 103 PS bis 200 PS und einer überkompletten Ausstattung bot der Legacy ein Top-Preis-Leistungsverhältnis. Da man später immer klüger ist weiß man heute, dass es sich beim Legacy I um die qualitativ hochwertigste Legacy-Generation handelt, die jemals hergestellt wurde.

Als Nachfolger des Leone fungierte der 1993 präsentierte Subaru Impreza, der dank unzähliger Rallyeweltmeister-Titel schnell in die Herzen leistungshungriger Möchtegern-Solbergs driftete, doch das ist eine andere Geschichte!

Wierus

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Über Lukas

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3 Antworten zu Subaru 4WD – Die ersten 20 Jahre

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    mal wieder excellent! Es muss toll sein, als Subaru-Freumd in Österreich oder der Schweiz zu leben – hierzulande kennen wohl nur noch Händler der ersten Stunde und die Familie Frey den Leone…
    Eins teile ich nicht ganz: Der Boxer-Sound des Legacy I war immer noch vorhanden! Von dem hatte ich einige… Vor allem beim 1.8er mit 103PS konnte man da nicht meckern. Erst ’94 verschwand der so richtig – und natuerlich bei den 2200er Motoren und dem 2.5er. Aber man spürt ihn noch 😉

  2. Lukas Wieringer schreibt:

    Leider ist der Leone auch in Österreich mittlerweile völlig ausgestorben, auch wenn sich noch zahlreiche Bauern, Landärzte und Jäger an dieses treue Arbeitstier erinnern!

  3. Pingback: Subaru? Typisch! « Lukas Wieringer

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