Kurven-Reich

Wenn in Wien der erste Schnee fällt, dann zieht es Gasslheizer und Möchtegern-Drifter auf den Kahlenberg, um am weitläufigen Parkplatz solange zu driften bis der Tank oder der Magen der Beifahrerin leer ist. An lauen Sommerabenden rattern gut situierte Golden-Ager mit Cabrios und Oldtimer gemütlich übers Kopfsteinplaster und wenns regnet, sind Porsche-Fahrer in den Serpentinen Richtung Klosterneuburg in ihrem Element. Drei unterschiedliche Zugänge, aber immer dieselbe Straße. Die Wiener Höhenstraße begeistert, fasziniert und fordert ihre Opfer, und das seit über 70 Jahren.

Im Jahre 1905 vom Wiener Gemeinderat als „aussichtsreiche, mit Baumreihen versehene Hochstraße“ beschlossen, wurde das erste Teilstück der Höhenstraße zwischen Grinzing und dem Cobenzl 1907 in Handarbeit durch Männer des Arbeitsdienstes errichtet. Aufgrund äußerst ernüchternder Fortschritte wurden die Arbeiter des Arbeitsbeschaffungsprogramms durch insgesamt 74 Firmen abgelöst, die zwischen 1935 und 1940 die restlichen Teilstücke der gepflasterten Strecke fertigstellten. Von Neuwaldegg im 17. Gemeindebezirk über den Cobenzl und dem Kahlenberg bis hin zum Leopoldsberg in der Nähe Klosterneuburgs zieht sich die Höhenstraße in Serpentinen durch die Hügel des Wiener Walds.

Doch rund um die Höhenstraße ranken sich auch Legenden um Autos, ihre Fahrer und so manches Missgeschick. Eines der prominentesten Opfer ihrer tückisch-glitschigen Plasterung heißt Niki Lauda und die Geschichte rund um seinen ersten Ausflug im Renntempo ist eine Erwähnung wert! Der junge Lauda und sein Sitznachbar in der Oberstufe, Sohn eines erfolgreichen Geflügelgroßhändlers, führten den zum Verkauf stehenden Mini Cooper S des Vaters ein wenig aus. Über die Höhenstraße, natürlich. Zitat Lauda: „Da beim Fischerhaus vorbei, die leichte Linke, alles im Griff, Rechtskurve mit Brücke und Raureif, und ich mit voller Post.“ Diese Spritztour endete so, wie unzählige andere auch. Mit einem Totalschaden und einem geknickten Ego.

In Wiener Autoforen kann man so manche Geschichte über heftige Crashs oder Beinahe-Abflüge nachlesen, beinahe jeder kennt irgend jemanden, der auf der Höhenstraße schon mindestens einen Wagen kaltverformt hat. Zahlreiche Schattenpassagen und kleine Brücken fordern vollste Konzentration hinterm Steuer, Poser und Angeber mit vier Mädels im Auto sind hier fehl am Platz!

Mehr zu den Tücken und Gefahren auf den insgesamt 15 anspruchsvollen Kilometern im Nordwesten Wiens gibts im Special „Kurven-Reich, a Drivers´ Guide“, das kommende Woche erscheint. Aber natürlich auch Tipps und Ratschläge zum sportlich-sicheren Fahren auf der Höhenstraße werden nicht zu kurz kommen. Bleibt dran!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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