Sparsam und trotzdem cool?

Die Spritpreise steigen immer weiter, unsere natürlichen Erdöl-Ressourcen gehen langsam aber sicher zur Neige und so manche Krise in erdölexportierenden Ländern trägt auch nicht gerade zur Entspannung der Lage an heimischen Zapfsäulen bei. Glücklich jene, die keine weiteren Strecken zur Arbeit zurücklegen müssen.  Doch auch Vielfahrer mit 40.000 oder mehr Kilometern Strecke im Jahr müssen nicht in metallisch nagelnden und unendlich öden TDI-Schaukeln durch die Lande rumpeln oder sich mit den klassischen Defekten moderner Dieselmotoren ärgern!

All jenen, die viel fahren müssen und trotzdem nicht auf Komfort, Stil und Coolness bei der Wahl ihres Fahrzeugs verzichten wollen, kann geholfen werden! Hier möcht ich auch vier Fahrzeuge zeigen, die zuverlässig lange Strecken abspulen und dabei noch Kraftstoff sparen.

Augen auf, hier kommt der erste Spritspar-Kandidat fernab des TDI-Mainstreams. Der Toyota Corolla E11 2.0D:

Wer kann sich diesem Augenaufschlag entziehen? Es gibt wohl nicht viele Autos, die erst ~ 10 Jahre alt sind und schon so individuell daher kommen. Der Corolla E11 fällt im Straßenbild auf, besonders als skurril gezeichneter Kombi. Ein charismatischer Youngtimer, der heute noch auf jedem zweiten Gebrauchtwagenplatz zu Preisen zwischen 2000 und 4500 Euro auf einen Retter wartet.  Doch der Corolla E11 weiß aber auch mit praktischen Qualitäten zu überzeugen. Besonders beim Kombi ist der Kofferraum mehr als nur ausreichend groß, vier Leute sitzen bequem auf gemütlichen Sitzen und horchen dem sonoren Klang des Zweiliter-Saugdiesel-Aggregats mit 72 Pferden. Die anspruchslose und genügsame Maschine hält ewig und drei Tage und verbraucht dabei um die 6 Liter Diesel. Ein Umbau auf Pflanzenölbetrieb ist auch ohne großen Aufwand möglich. Doch Vorsicht! Beinahe wöchentlich seh ich Autotransporter voll mit Corollas, die für den Export nach Afrika bestimmt sind. Besonders beliebt? Na klar, die 2.0D…

Solls ein bisschen mehr sein? Mehr Zylinder, mehr Prestige, mehr Karosserie? Bitte schön, dann wäre der BMW E34 525tds ein heißer Tipp!

Ein seidiger Sechszylinder mit kraftvollem Klang unter der Haube, Heckantrieb für den Genießer hinterm Steuer, lediglich 6 bis 7 Liter Verbrauch bei gleichmäßiger Langstreckenfahrt  und beinahe zeitgemäße Sicherheit für unter 3000 Euro? Klingt unglaublich, ist aber wahr! Doch der günstige Preis bei stark gebrauchten 525tds hat seine Gründe. Der Motor leidet gern an Zylinderkopfschäden und Turbo-Defekten, vor allem wenn junge Heißsporne als Vorbesitzer hinterm Steuer saßen, meist sind Gummis und Lager der aufwendig konstruierten Achsen gleich nach dem Kauf zu tauschen und Rost macht sich nach 20 Jahren auch am teilverzinkten E34 breit. Günstig mag ein 525tds im Ankauf ja sein, verbrauchsgünstig ist er bei gemütlicher Langstreckenfahrweise auch, doch die Reparaturkosten bleiben auf dem Niveau der gehobenen Mittelklasse. Ein Kaufinteressent sollte diese Tatsache niemals vergessen!

Das gilt ebenso für den nächsten Kandidaten in dieser Runde. Deutlich vernünftiger als der 525tds und nur halb so stark, ist der Mercedes-Benz E200 Diesel MoPf2 trotzdem eine Überlegung wert:

Dem Fahrer eines W124, besonders in den Diesel-Varianten, kommt die sehr große Verbreitung als Taxi zu Gute. Für den 200D gibts beinahe jedes erforderliche Ersatzteil bei Taxi-Werkstätten und günstig im Nachbau und jeder Mechaniker kann den einfachen und pflegeleichten W124 reparieren, wenn denn mal was kaputt geht. Mit 72PS ist er kein Rennwagen, Höchsttempo 160 sollte man auch meiden, wenn man den Verbrauch in einem vernünftigen Rahmen halten will, aber wenn man sich etwas beherrscht und gemütlich im Verkehr mitschwimmt, pendelt sich der Verbrauch bei 6 Litern ein. Natürlich hält der 200D einem Vergleich mit dem 525tds bei weitem nicht stand, egal ob es um Leistung, Laufkultur oder Soundkulisse geht. Doch die Kostenbilanz fällt unterm Strich für den W124 aus, weil er technisch viel simpler ist und kompromissloser auf niedrige Verbrauchswerte hin getrimmt wurde.

Zu langweilig, zu bieder, zu deutsch? Wie wäre es dann mit der letzten großen Sänfte aus Frankreich, dem Citroen XM 2.1TD?

Fälschlicherweise als zickige und unzuverlässige Diva verschrien, bewährt sich der XM 2.1 TD mit 109 PS als haltbarer Langstreckenläufer, der oft mit Kilometerständen deutlich über 350.000km noch problemlos seinen Dienst tut. Der große Auftritt ist einem immer noch sicher, wenn man in den augenscheinlich radikal tiefergelegten Keil steigt und sich das Heck nach einigen Sekunden Motorlauf wie von Geisterhand hebt. Für 3500 Euro sitzt man in einem komfortablen und angenehmen Fahrzeug, das dank zahlreichen Citroen-Markenclubs auch ersatzteilmäßig gut versorgt wird und mit 6 Liter Diesel auskommt. Der 2.1 Liter Turbodieselmotor fand unter anderem auch im Peugeot 605 Verwendung, doch der kann mit der Coolness des XM natürlich nicht konkurrieren.

Wer soll jetzt dein Herzblatt sein? Der skurril-sympathische Corolla E11 Saugdiesel, der zuverlässig durch die Lande tuckert und seinem Fahrer eine gehörige Portion Selbstvertrauen abverlangt? Oder eine der beiden deutschen Oberklasselimousinen, von denen die eine durch satten Sound und satte Reparaturkosten, die andere durch hohe Sparsamkeit und unglaubliche Behäbigkeit beeindruckt? Oder doch der französische Filou, der sich in Szene zu setzen weiß und mit dem es niemals langweilig wird?

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn ihr die Tankrechnung seht…

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Sparsam und trotzdem cool?

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    …der Citroen leidet leider unter der sehr breiten qualitativen Serienstreuung – 350000 sind nicht pauschal ein Beweis für Zuverlässigkeit, sondern häufig auch einer für unbelehrbare Schrulligkeit seiner Besitzer — auch wenn der XM natürlich qualitativ in einem anderen Stadion spielt als der CX. JD Power und Instanzen wie TÜV und Dekra sehen hier eher rot.

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