Feng Shui auf Rädern

Sobald in aller Früh der Wecker bimmelt, strömen die arbeitenden Stützen der Gesellschaft zu ihren silbernen Einheitsmobilen, um sich im täglichen Stau der Hauptverkehrszeit die letzten verbliebenen Nervenstränge zu ruinieren.

Es wird gehupt, geschimpft und panisch zwischen den Fahrspuren hin und her gesprungen, bloß um dann zu bemerken dass man doch auf der vermeintlich langsameren Spur fährt. Doch auch Samstags, auf dem Weg in den Baumarkt oder zur Oma ins Altersheim, fühlt sich der durchschnittliche Autofahrer nicht viel wohler in seiner Haut. Frust und Langeweile in den Gesichern, angespannte Stimmung zwischen den Insassen, dicke Luft und Freizeitstress.

Woran liegts? Die meisten Menschen fahren die falschen Autos! Jetzt kann ich die missmutigen Gedanken meiner Leser direkt spüren! Von „So ein Blödsinn!“ über „Jetzt versucht er, uns eine Automarke einzureden!“ bis hin zu „Was der wohl raucht?“ ist alles dabei. 😉 Aber lasst mich erklären, dann werdet ihr sehen, dass an meiner These etwas dran ist! Nur Geduld…

Es beginnt damit, dass der Großteil der autofahrenden Bevölkerung mantra-artig Sprüche wie „Ein Auto ist für mich ein reines Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen.“ vor sich hinstammelt. Denn ist man nicht dieser Meinung, dann gehört man zu den rücksichtslosen Benzinbrüdern, zu den unzeitgemäßen PS-Freaks, ist vielleicht sogar gewissenloser Raser! Doch damit fängt das Elend bereits an!

Denn man verbringt unweigerlich viel mehr Zeit im Auto, als einem oftmals lieb ist. Der tägliche Arbeitsweg, Fahrten zum Einkaufen oder zu Verwandten, Ausflüge am Wochenende, Urlaubstouren usw.. Jeder vernünftig denkende Mensch, der ein wenig Wohnkultur in sich trägt, würde den Kopf schütteln wenn ich sage, eine Wohnung sei doch bloß Schlafplatz und daher Mittel zum Zweck, es ist mir egal wie sie eingerichtet ist oder wie sie aussieht.

Na? Seht ihr, so ist es beim Auto auch! Da man unweigerlich viel Zeit seines Lebens im Auto verbringt, sollte man ein Auto wählen, das einem gefällt, das einen anspricht und in dem man gerne sitzt. Wer sein Auto nach einer schlichten Kosten-Nutzen-Rechnung auswählt sorgt dafür, dass sein Alltag grauer ist, als er sein müsste! Eine erhebliche Menge Zeit und Geld fließt in Dekoration sowie in den Um- und Ausbau des Eigenheims, doch das Auto, neben dem Büro die Umgebung, in der man sich fernab der eigenen vier Wände am längsten aufhält, findet keine Beachtung. Ganz schön kurzsichtig, liebe Freunde!

Klar, für den Großteil der Durchschnittsbevölkerung ist es schlichtweg nicht möglich, sich den Luxuskreuzer der Träume ala Rolls-Royce, Maserati oder Mercedes-Benz S-Klasse zu kaufen, doch darauf will ich nicht hinaus! Auch oder gerade im kleinen Glück liegt oftmals der Reiz. Es muss nicht zwangsweise ein Kompaktklasse-Wagen des VW-Konzerns mit ruppig-lauten TDI unter der Haube und aufpreispflichtiger Klimaanlage in Silber oder Schwarz sein, wenn man ein Auto kauft! Bloß weil über 30% der Autokäufer zu sowas greifen, muss das noch lange nicht heißen, dass es sich dabei um den richtigen Weg handelt!

Ein konkretes Beispiel: Für einen silbernen Golf TDI in Basisausstattung Marke „Ausnüchterungszelle“ mit 5 Türen und Radio (hörthört) lässt man mindestens 20.000 Euro beim VW-Händler des Vertrauens. Dann ist man in einem beliebig austauschbaren Einheitsautomobil unterwegs und genauso grau und trostlos wie der Wagen und die Wagen um einen herum (sind ja auch alles TDI-VW, bei DEM Marktanteil…) werden auch die Gedanken des Fahrers sein. Kein Wunder, dass es dann zu Aggression und Frustration im Straßenverkehr kommt.

Doch es gibt mannigfaltige Alternativen zum Einheitsautomobil! Die 20.000 Euro können die Eintrittskarte sein in den Club der Cabriofahrer, der Oberklasse-Kapitäne, der Youngtimer-Piloten oder einfach nur in ein Leben mit mehr Freude und Spaß im Alltag! Denn für deutlich weniger als 20.000 Euro gibts Autos, die Spaß machen und/oder ein Fest fürs Auge sind und im Alltag trotzdem ihren Dienst tun, wenn erforderlich.

Ein guter Anfang wäre schon einmal, wenn man mehr Mut zu Marken fernab des Vertreter-Mainstreams wagen würde! Muss es immer ein VW, ein Skoda oder ein Opel sein? Wie wäre es mit einem Subaru, einem Alfa-Romeo oder einem Saab? Das Märchen vom höheren Wertverlust dieser Marken ist wirklich nur noch ein Märchen, Händler gibts zwar nicht so viele aber sie sind oftmals bemühter und kundenorientierter als die Abfertigungshallen deutscher Hersteller und die Sorge ums Ersatzteilproblem ist ein Relikt der 70er Jahre! Damit setzt man zumindest ein bescheidenes Zeichen und das Straßenbild wird ein klein wenig interessanter.

Für mutigere Zeitgenossen kommt dann der nächste Schritt in Frage: Der Mut zum Youngtimer! Ein gepflegtes, 20 oder mehr Jahre altes und schon selten gewordenes Fahrzeug muss nicht Verzicht und Sorge heißen! Mit einer W124er E-Klasse von Mercedes-Benz oder einem 200/700/900er Volvo lächelt man über die Vorurteile nichtsahnender Durchschnittsbürger. Von wegen man müsse sich bei einem älteren Auto jeden Tag Sorgen machen, ob es anspringt oder nicht… Wird ein Youngtimer regelmäßig und von kundiger Hand gewartet und entscheidet man sich für´s richtige Modell (Der Autofreak in der Verwandtschaft ist sicher gerne behilflich!), bestreitet der charismatische Wagen den Alltag mindestens gleich problemlos wie ein Neuwagen. Ihre Kinder werden den Charakterkopf auf vier Rädern lieben, Ihnen zaubert er beim Öffnen des Garagentors ein Lächeln ins Gesicht und schon ist das Leben ein wenig bunter!

Wellness sollte uns auch bei der Wahl unseres Fortbewegungsmittels ein paar Überlegungen wert sein, denn Wohnkultur beginnt nicht erst an der Wohnungstür!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Feng Shui auf Rädern

  1. Snorrsenkel schreibt:

    Haha. Seit Jahren auch meine Theorie.

    Mancher deutscher Kraftfahrer im Kompaktwagen-Wahn ist teilweise schon so entfremdet, dass er meinen alten Toyota für einen Amerikaner hielt. Habe ich mir zumindest sagen lassen.

    Bei dem langweiligen Straßenbild heutzutage wird es einem sehr leicht gemacht „Alternativ“ zu sein.

    Danke für den Artikel, ich habe sehr gelacht!

    PS: Sehr passendes Phantombild von „Das Auto“.

  2. Pingback: PKW-Blues… « Lukas Wieringer

  3. turboseize schreibt:

    Und ich dachte, ich bin der einzige Vertreter dieser Theorie!

    🙂

    Untermotorisierte Kleinwagen und graue Plastikwüsten MÜSSEN einfach aggressiv machen, das geht nicht anders.

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