Die Gelbe Gefahr

Diejenigen, die das Vergnügen hatten, die 70er Jahre zu erleben, werden mit dem Begriff der „Gelben Gefahr“ noch vertraut sein. Damals verstand man darunter die Japanische Autoindustrie, die sich anschickte, den Export nach Europa im großen Stil in Angriff zu nehmen. Doch wo kommt dieser Begriff her?

Der Begriff wurde gegen Ende des 19. Jahrhundert geprägt durch The Yellow Danger, einer Reihe von wöchentlich erscheinenden Kurzgeschichten in den USA, in denen Ostasien und vor allem China als Gefahr und Bedrohung der westlichen Welt dargestellt wurde. Nachfolgend eine US-amerikanische Darstellung des „Yellow Terror“ aus dem Jahr 1899:

Wer sich jetzt fragt „Was geht mich das an?“, der wird gleich erlöst werden. Denn selbstredend gibts auch zu diesem Begriff eine Überleitung zu unser aller Lieblingsthema, der automobilen Welt.

Als Anfang der 70er Jahre die ersten heimischen Importeure begannen, die Japanischen Marken Datsun und Toyota bei uns zu etablieren, war der Aufschrei in den Medien und in der Wirtschaft riesig! „Um Gottes Willen, diese billig gemachten und minderwertigen japanischen Autos werden unsere Arbeitsplätze vernichten!“ ist nur ein Beispiel für die Panikmache, die damals allerorten herrschte.

Vor allem in Deutschland und in der schwer angeschlagenen Autoindustrie Englands sorgte der Vormasch der „Japaner“ für große Aufregung. Denn viele Autokäufer entdeckten plötzlich, dass es Autos gibt, die über viele Jahre hinweg ohne Defekte ihren Dienst taten und dass man sich beim Autokauf nicht zwangsweise mit gigantischen Aufpreislisten herumplagen musste.

Und so kam es, wie es kommen musste! Die Verkaufszahlen von Austin Princess und Allegro, von Morris Marina und Ital rasselten in den Keller, das endgültige Ende der englischen Autoindustrie war gekommen. Doch waren wirklich „die Japaner“ daran schuld? Natürlich nicht! Denn für die völlig fehlgeleitete Modellpolitik von British Leyland oder die permanenten Streiks der englischen Arbeiter konnte man in Toyota City nichts.

Doch auch bei uns herrschten lange Zeit Ressentiments gegen japanische Hersteller vor. Ob es an der besonderen Deutschland-Treue der Österreicher liegt oder ob der Durchschnitts-Ösi schlichtweg zu feige war, den Bann von VW, Opel und Ford zu durchbrechen, man weiß es nicht. Doch auch heute noch regiert Überheblichkeit und Zurückhaltung, obwohl die unfraglichen Qualitäten japanischer Automobile seit 40 Jahren auch in Österreich für unzählige zufriedene Kunden sorgen.

In der hiesigen Oldtimerszene gibts nicht wenige Autosammler, die sich neben etablierten Klassikern deutscher Herkunft auch für einen japanischen Youngtimer entschieden haben und doch nicht müde werden zu betonen, dass sie „sich mit Japanern“ ja eigentlich gar nicht auskennen würden und auch nie was damit anzufangen wussten, ganz ehrlich! Unglaublich, ja gar lächerlich, meint ihr? Mag sein, aber über solche Aussagen stolpert man häufiger als man denkt.

Wierus, stolz auf dreimal „Made in Japan“ in der Garage

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Die Gelbe Gefahr

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Volltreffer! In Deutschland kommt dazu immer noch dieses ganz übel schlechte Gewissen, dass ja einer von 7 Arbeitsplätzen direkt oder indirekt von der [deutschen] Fahrzeugindustrie abhängt – kauf Du dir den billigen Reiskocher und bald ist dein Papa arbeitslos…

  2. Gunnar schreibt:

    So wie ich es kennen gelernt habe, muss man sich anscheinend schon ein wenig spezialisieren. Bisher sind mir zwei Japan-Infizierte Youngtimer/Oldtimer Sammler begegnet. Interessanterweise bleiben diese dann aber auch ganz eindeutig bei diesen Fahrzeugen und haben halt nicht noch einen Franzosen oder alten Audi, für den sie sich entschuldigen müssten. Für mich ist diese Begeisterung schon irgendwie die Kategorie „special interest“, obleich ich es interessant finde. Ich selbst habe mich zu 75% auf englische Youngtimer festgefahren. Das liegt aber auch an dem Werkzeug, dass man sich für Inselautos zulegen muss: zöllig statt metrisch.

  3. Pingback: Einhundert! « Lukas Wieringer

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