Einheitsbrei

Wir Autofans haben´s nicht leicht! Nicht nur, dass die instabile Lage in Nordafrika die Spritpreise in ungeahnte Höhen katapultiert, uns so mancher Weltverbesserer für den vermeintlichen Klimawandel verantwortlich macht und wir nebenbei ja auch noch am Feinstaub ganz alleine schuld sein sollen. Nein, auch die Hauptdarsteller unseres kostenintesiven Hobbys fallen uns in den Rücken!

Früher, ja da war alles besser! Wie oft ertappt man sich selbst als Mitt-Zwanziger beim Dreschen dieser Phrase, doch manchmal, ja manchmal stimmts sogar… Früher gabs Boxermotoren in zahlreichen Fahrzeugen, man hatte selbst bei leistbaren Alltagsautos die Auswahl zwischen Front- und Heckmotoren und natürlich zwischen Front- und Heckantrieb, in den 80ern oftmals mit Allradoption. Jede Marke hatte ihre Eigenarten, ihren unverwechselbaren Charakter.

Da gab es VW, nur echt mit Heckmotor, schlechter Heizung und Abgasen im Innenraum, egal ob Käfer, Typ3 oder Nasenbär. Oder Opel, die kruden Limousinen mit Heckantrieb und unzerstörbarer Technik, die schneller rosteten als die Besitzer „Hosenträger“ sagen konnten. Lancia waren filigran, mit viel Liebe und Hingabe konstruiert und voll mit technischen Alleinstellungsmerkmalen. Die meisten Japaner zeichneten sich durch schwülstigen Chromschmuck, unzerstörbare Simpel-Technik und Vinyl-Innenräume aus, Franzosen waren watteweich an Sitzen und Fahrwerk usw.. Japaner kamen aus Japan, Italiener wurden in Milano oder Turin gebaut, Opel in Rüsselsheim und Bochum und VWs kamen natürlich auch aus Deutschland.

Wenn man sich unter aktuellen Neuwagen so umsieht läuft man Gefahr, dass einem die Füße einschlafen könnten. Optisch völlig unterschiedliche Autos vermeintlich unabhängiger Hersteller bauen auf ein und derselben Bodengruppe auf. VWs kommen aus Mexiko oder Osteuropa, Lancias sind verkappte Chrysler oder umgekehrt, Japaner werden in Frankreich oder England gebaut, das Topmodell von Renault ist in Wahrheit ein Samsung aus Korea und der Geburtsort von BMWs X3 ist von Österreich in die USA übersiedelt.

Für Liebhaber japanischer Automobile ist der Jubel ob der Beibehaltung des Boxerkonzepts bei Subarus Dieselmotor nicht nachvollziehbar, denn auch wenn der Boxer bleibt, wurde trotzdem viel Markenidentität aufgegeben. Die rahmenlosen Seitenscheiben gehören der Vergangenheit an, der berühmt-berüchtigte „Bright“-Schalter, ähnlich dem Night-Panel bei Saab, wurde gestrichen und vom Boxersound vergangener Tage blieb auch nichts übrig.

Sämtliche Fahrzeuge mit Ausnahme von einigen Mercedes-Benz, BMW und Lexus sind mittlerweile mit Quermotor-Frontantriebslayout unterwegs, Boxermotoren gibts nur noch bei Subaru und Porsche, Wankel noch bei Mazda, oder doch nicht mehr?

Man mag sich darauf rausreden, dass es schließlich ein Konzept gäbe, das alle anderen geschlagen und sich durchgesetzt hat, doch wenn dem wirklich so ist, dann sollte man nur noch ein Einheitsautomobil anbieten. Ich plädiere für einen frontgetriebenen, silbernen Golf TDI mit 5 Türen und Klimaanlage, verkauft unter dem Namen „Das Auto 1.9 TDI“.

„Ich hätte gerne eine ÖBB-Jahreskarte bitte!“

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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