Hinter feindlichen Linien

Dass es in der ehemaligen DDR nicht immer lustig zuging und der „Ostalgie“-Kult äußerst fragwürdig ist, kann man sich auch als Nicht-Deutscher denken. Doch von den höchst brisanten Aufklärungs-Missionen der Britischen BRIXMIS (British Commanders -in- Chief Mission to the Soviet Forces in Germany) und deren aufwendig umgebauten Opel Senator mit Allrad ist auch heute, 22 Jahre nach dem Ende der DDR, noch sehr wenig bekannt.

Doch was war die Aufgabe dieser tapferen Männer, die sich hinter feindlichen Linien durchschlagen mussten und möglichst wenig auffallen durften? Ihre Mission war, die Manöver und Bewegungen der Sowiet-Truppen zwischen 1946 und 1990 zu beobachten. Jede Tour, so wurden die Einsätze genannt, basierte auf einer klaren Zielsetzung der aufzuklärenden Aktivitäten. Die Westmächte wollten Informationen über Truppenbewegungen und –stärken gewinnen, auf dieses Ziel wurde die Ausrüstung abgestimmt. Die Zusatzscheinwerfer sind im Stande, im Dunkeln das Lichtprofil eines Barkas-Lieferwagen der NVA oder ein Motorrad nachzuahmen:

Anfangs waren die Aufklärer noch in 1951er Opel Kapitän-Modellen unterwegs, primär wegen der großen Ähnlichkeit dieses Modells mit alten GAZ- und Moskwitsch-Modellen. Denn so konnte man das Risiko, entdeckt zu werden, zumindest einige Jahre lang etwas senken. Anfang der 70er Jahre wurden dann immer geländegängigere Fahrzeuge benötigt, denn neu eingeführte „Permanently Restricted Areas“ und zunehmende Überwachung durch die StaSi machten die Touren immer gefährlicher. Die damals brandneuen Range-Rover bewährten sich aufgrund beträchtlicher Qualitätsprobleme und mangelhafter Ersatzteilversorgung nicht, also wurden die großen Opel Limousinen Admiral, Diplomat und nach deren Ablöse 1978 der Senator A 3.0 Automatik auf Allradantrieb umgebaut und erfolgreich eingesetzt.

Neben einem robusten Fahrwerk, einem gepanzerten Motorraum, einem vergrößerten Tank, einem starr zuschaltbaren Allradantrieb und massiven Verstärkungen des Unterbodens wurde auch der Innenraum des Senator FF adaptiert. Die Innenausstattung erhielt Vorhänge und wurde vollständig aller glänzenden Teile beraubt, um Reflexionen zu vermeiden.

Die hart rangenommenen Brixmis-Senatoren wurden nach 60.000km Spionageeinsatz ausgemustert, ihrer Umbauten entledigt und dann über den Berliner Senat an die Bundeswehr gegeben, wo sie als Dienstwagen weiterhin benutzt wurden. Heute sind originale Senator FF 4WD äußerst selten und fast völlig in Vergessenheit geraten. Von der Existenz eines allradgetriebenen Senator A hinterm Eisernen Vorhang wissen die wenigsten, doch dieses interessante Kapitel der Opel-Geschichte hat es verdient, sich daran zu erinnern.

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Autos, Youngtimer abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s