Die koreanische Großoffensive

Als im Jahr 1992 die ersten Pony und Lantra durch Österreich rollten, fiel das niemandem auf. Langweilige, optisch völlig beliebige Fahrzeuge mit veralteter Technik zum günstigen Preis, mehr war bei Hyundai nicht zu haben. Kein Wunder, schließlich exisitert die südkoreanische Marke erst seit Mitte der 70er Jahre, die ersten selbst entwickelten Autos wurden Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre auf die Räder gestellt.

Und auch wenn sich die Modelle Pony, Accent und Lantra bei der typischen Lada-Kundschaft großer Beliebtheit erfreuten, nahm Hyundai niemand ernst. Europäische Hersteller belächelten die Koreaner als billig gemachte Einheitsfahrzeuge ohne jeglichen Anspruch an Technik und Design, japanische Hersteller lachten über die windige Verarbeitungsqualität und die mangelhafte Zuverlässigkeit der koreanischen Konkurrenz und in den USA nahm sowieso niemand Notiz von den eigenartigen Kleinwagen.

Soweit, so typisch, japanischen Herstellern ging es Anfang der 70er Jahre nicht anders. Doch der große Erfolg in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der Anlass für die Führungskräfte bei Hyundai, ihre Anstrengungen auf den europäischen Markt zu konzentrieren. Und womit punktet man in Europa, dachten sie sich? Genau, mit Image, also wurde das Flaggschiff XG nach Europa geholt, siehe auch hier: https://wierus.wordpress.com/2011/03/17/vom-aussterben-bedroht-special/

Doch dafür war es einige Jahre nach Markteinfrühung zu früh, der XG ging sang- und klanglos unter, auch die Limousine Sonata blieb Zeit ihres Lebens ein krasser Außenseiter. Kein Wunder, ohne moderne Dieseltriebwerke, ohne Image, ohne Kombi-Version und mit biederer Frontantriebstechnik.

Doch seit einigen Jahren läuft es für Hyundai in Europa immer besser. Fahrzeuge wie der Kleinwagen i10 oder der Kompaktklassewagen i30 wurden in Europa für Europa entwickelt und auch hier gebaut, der Verkaufserfolg (Platz Vier für den i30 in Österreich!!) spricht für sich.

Und mit dem Erfolg wächst auch das Selbstvertrauen. Erwies sich das bereits eingestellte Coupe Tiburon noch als Flop, bringt Hyundai noch heuer zwei Sportcoupes aus den heimischen Markt. Der Veloster mit einer Tür auf das Fahrer- aber zwei Türen auf der Beifahrerseite richtet sich an junges Publikum, der Sportwagen Genesis Coupe mit Heckantrieb und bis zu 303 PS eher an solvente Golden-Ager mit Hang für Underdogs mit Power.

Und auch am Beispiel des Mittelklassewagens Sonata erkennt man die Europa-Ausrichtung Hyundais. War der bisherige Sonata noch eine ausschließlich als Stufenheck erhältliche Limousine ganz nach amerikanischem Geschmack, so heißt der Nachfolger nun i40, kommt vorerst ausschließlich als Kombi auf den Markt und zielt größenmäßig, technisch und optisch voll auf VW Passat, Audi A4, Mercedes-Benz C-Klasse und Co., natürlich zu einem günstigeren Preis.

Das alles ist insofern bemerkenswert, als dass noch kein asiatischer Hersteller sein Modellprogramm so kompromisslos an den europäischen Markt und an die Wünsche und Bedürfnisse heimischer Verbraucher angepasst hat. Mittlerweile geht das so weit, dass der Herausforderer Hyundai, über den man vor 15 Jahren noch lachte, den japanischen Herstellern massiv Marktanteile streitig macht. Selbst der Präsident von Honda, Mr. Takanobu, sagte in einem Interview, er hätte großen Respekt vor Hyundai, denn dieser Konzern würde im Moment in Europa alles richtig machen.

Das sollte den großen japanischen Herstellern, allen voran Toyota, sehr zu denken geben. Denn im Vergleich zum aktuellen Hyundai-Modellprogramm sind die meisten aktuellen Toyota-Modelle altmodisch, bieder und optisch nicht gerade ansprechend.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Die koreanische Großoffensive

  1. turboseize schreibt:

    Dazu kommt, daß i30 und i40 im Innenraum angenehmer sind als einige Fahrzeuge des KdF-Konzerns. Winterkorns Messeauftritt ist nicht zu Unrecht mittlerweile legendär…

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