Subaru? Typisch!

Wie schon in meinem Artikel „Subaru 4WD – Die ersten 20 Jahre“ (siehe hier: https://wierus.wordpress.com/2011/02/22/subaru-4wd-die-ersten-20-jahre/ ) angeschnitten, gibt es zwei völlig konträre Sichtweisen, wenn es um die polarisierende und stets ungewöhnliche Marke Subaru geht. Das omnipräsente Subaru-Image in der heutigen Zeit ist das des vor Kraft strotzenden Turbo-Boliden mit riesigen Flügeln und Hutzen überall, goldenen Felgen und spätpubertären Fahrern mit Kapperl und Fast & Furious-Shirt. Gefördert durch zahlreiche Clubs und Interessensgemeinschaften, die sich zwar „Subaru-Club“ nennen, in Wahrheit aber zu 90% Impreza Turbo-Clubs sind, hat sich dieses Bild der Marke im Verständnis der Allgemeinheit festgesetzt.

Doch Subaru ist nicht nur Turboschub und pubertäre Optik. Gleich wie die Marke Audi nicht nur aus R8 Spyder und RS 6 Quattro besteht. Die Marke Subaru macht viel mehr aus, doch erschließen sich diese Charakteristika nicht sofort, man muss sich mit der Marke und den Modellen beschäftigen, muss sie fahren, muss sie besitzen, um sie zu verstehen! Doch ich möchte versuchen, diese typischen Merkmale beim Namen zu nennen und sie einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Eines der bekanntesten Merkmale von Subaru ist die konsequente Verwendung des Boxermotor-Prinzips.

Ein flacher Boxermotor besitzt nicht nur einen niedrigeren Schwerpunkt als ein hoch bauender Reihenmotor und senkt so den Schwerpunkt des Fahrzeugs etwas ab, sondern diese sonst nur noch bei Porsche verbaute Technik zeichnet sich auch durch exzellente Laufruhe und einen blubbernd-pulsierenden Sound aus, der zumindest bis zur flächendeckenden Einführung der EL-Motorengeneration vor einigen Jahren typisch für alle Subarus war.

Sogar beim ersten Dieselmotor, einer kostenintensiven Eigenentwicklung für den europäischen Markt, blieb die Marke mit den sechs Sternen im Logo dem Boxerprinzip treu. Ein dieseluntypisch- seidenweicher Lauf ist die Folge, höhere Produktionskosten (2 Zylinderbänke, 2 Zylinderköpfe etc.) leider auch.

Ein weiteres Merkmal, das typisch Subaru ist, sind die rahmenlosen Seitenscheiben bei Limousinen und Kombis (ausgenommen Fuji-Justy):

Jeder, der schon einmal aus einem Subaru mit abgesenkten Scheiben gestiegen ist und die Türe lässig aus dem Handgelenk zugeworfen hat, wird bestätigen können, wie cool rahmenlose Scheiben sind. Man fühlt sich wie Don Johnson, ganz ohne viel Geld für unpraktische und oftmals kapriziöse Coupes ausgeben zu müssen.

Doch seit eingen Jahren ist alles anders! Die rahmenlosen Scheiben gehören bei Subaru der Vergangenheit an, die aktuellen Generationen von Impreza, Forester und Legacy sind mit herkömmlichen Scheibenrahmen ausgestattet. Angeblich wäre der Geräuschkomfort bei hohen Tempi höher, doch die Wahrheit dürfte eher in zu hohen Kosten für aufwendige Dichtungen liegen. Schade, damit wurde eine typische Subaru-Eigenart zu Grabe getragen.

Ein weiteres Charakteristikum echter Subarus ist das Hochdach bei Kombis mit besserer Ausstattung, das mit dem Ende der dritten Legacy-Generation jedoch auch zu Grabe getragen wurde.

Der Leone II und III sowie Legacy 1, 2 und 3 Kombi waren mit diesem Merkmal ausgestattet, das für komfortable Kopffreiheit auf der Rücksitzbank und überdurchschnittliche Ladehöhe im Kofferraum sorgte. Beim Impreza Kombi gabs das Hochdach jedoch nie.

Das letzte wirkliche Alleinstellungsmerkmal von Subaru-Modellen gegenüber den Fahrzeugen anderer Marken ist leider Gottes mittlerweile auch schon verschwunden. Die Rede ist vom vollsynchronisierten Untersetzungsgetriebe in den Impreza- und Legacy-Kombis sowie im Forester mit Schaltgetriebe und Saugmotor. Zu erkennen nur am kleinen Zuschatz-Schalthebel zwischen den Vordersitzen:

Primär gedacht zum Anfahren mit Anhänger an Steigungen oder zum kupplungsschonenden Rangieren auf engstem Raum, ist das hin und her schalten zwischen kurzen und langen Gängen während der Fahrt ein Heidenspaß! Auch unkundige Beifahrer lassen sich gut erschrecken, wenn man ihnen erklärt, man würde jetzt die Handbremse anziehen, während man bei voller Fahrt von lang3 auf kurz3 schaltet und mit höherer Drehzahl aber identischem Tempo weiterfährt. 😉

Auch in engen Kurven und Serpentinen machen sich die kurzen Gänge bezahlt. Während der Hintermann nach dem letzten Schaltvorgang ins Drehzahlloch gefallen ist, untersetzt sich der Subaru-Fahrer seine Gänge einfach und stürmt weiter mit einem breiten Grinsen bergwärts. Leider auch Geschichte!

Abschließend bleibt mir nur, den typischen Subaru-Merkmalen eine Träne oder zwei nachzuweinen, denn mittlerweile sind in den aktuellen Modellen beinahe alle verschwunden. Die anfangs angesprochenen „Subaru-Fans“ wird es nicht stören, einige wussten bis zum Studium dieses Artikels gar nichts davon, doch wenn VW oder Lada oder Chrysler einen Turbo-Allrad-Flügelboliden auf den Markt bringen würde, wären sie halt plötzlich VW, Lada oder Chrysler-Fans, also was soll.

Das Problem am Subaru-Image ist jedoch ein ganz anderes. Die obigen Merkmale echter Subarus werden zwar von langjährigen Fahrern und Nutzern dieser Marke sehr geschätzt, doch bei Nutzanwendern lässt sich mit Individualität kein Geschäft machen. Was dazu führt, dass sich die Marke immer mehr dem Mainstream annähert und viel von der Identität verloren geht. Schade, auch wenns außer mir wohl niemandem auffällt…

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Neuwagen, Youngtimer abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Subaru? Typisch!

  1. T. Großmann schreibt:

    Sehr guter Artikel!

    Den Justy Baureihe KAD gab es übrigens auch schon mit oder ohne Hochdach.

    Weiter so!

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Danke für den Zuspruch! Der bei uns Fuji-Justy genannte erste Justy bis 1993 war zusammen mit dem Domingo/Libero ein total untypischer Subaru. Wobei nur die größeren Modellreihen diese Eigenarten hatten und haben, die in Japan erhältlichen Kleinwagen von Subaru hatten ja immer herkömmliche Reihenmotoren, Scheibenrahmen etc. Den permanenten Allrad hab ich übrigens ganz bewusst nicht als Merkmal aufgeführt, weil es ja auch in Europa bis in die 90er Jahre hinein Subarus ohne Allrad zu kaufen gab, auch bei uns in Ö gab es den Justy, den Impreza UND den Legacy als 2WD.

  2. Snorrsenkel schreibt:

    seit subaru von toyota rationalisiert wurde, sind die typischen details verschwunden und damit auch fast meine sympathie für beide marken, zumindest was die aktuellen modelle betrifft.

    aus technischer sicht ist diese toyotaisierung ein klarer qualitativer nachteil für subaru, hingegen kann toyota nun seine modelle mit der antriebstechnik von subaru aufwerten. bestes beispiel: toyota ft-86.

    und dafür, dass toyota nun endlich wieder ein sportcoupe anbietet, wird der marke eine lobeshymne nach der anderen gesungen. wenn ich allerdings bedenke, dass das modell keine eigenentwicklung ist, sondern auf bewährter großserientechnik aus dem regal von subaru basiert, tja dann kann ich persönlich nur mit dem kopf schütteln und mein beileid für subaru aussprechen, denn deren zukunft wird sicherlich darin bestehen, dass der boxermotor vermutlich ebenfalls wegrationalisiert wird.

  3. ich schreibt:

    Also das Hochdach vermisse ich nicht gerade, aber was eigenständigkeit angeht gebe ich dir recht.
    Die Untersetzung ist sicherlich ein Verlust.(Mein Impreza hat diese zwar nicht, ich hätte sie aber gerne).
    Als ich nun gesehen habe, das der neue Impreza nicht wie die alten Stuckenheck Limos wieder keine Rahmenlosenscheiben bekommt war ich schon recht entäuscht ( der aktuelle Impreza hat sieht ja so toll aus, das ich mir den nicht kaufe, sondern auf den 4 Türer warte, ich will ne Limo und kein Kompackten aber zu groß+ schwer sollte der auch nicht sein meiner, wiegt ca. 1350kg und leichte Autos fahren sich einfach schöner als schwere. Klar ist n Allrad schwerer, als ein nur 2 Rad betriebenes Fahrzeug, aber der Allrad verhällt sich in Grenzsituationen etwas angenehmer{Ja ich fahre etwas sportlicher}).
    Den Allradantrieb möchte ich allerdings genau so wenig missen wie den Boxer. Sollte Subi nun anfangen den Boxer an den Nagel zu hängen, bleibt von Eigenständigkeit nicht mehr viel über.

    Geht der Boxer werde ich warscheinlich auch gehen, denn dann kann ich auch gleich was anderes fahren. Denn Allrad bieten schließlich auch andere Hersteller an, aber eben keinen Boxer (Porsche kommt da schon wegen den zu großen Hubraum nicht in Frage und die Preise für n Porsche Allrad, der dann auch noch alltagstauglich ist stehen in keinem Verhältniss. Oder hat schon mal wer versucht in nen 911er n Surfbrett hinein zu bekommen? Wenn ja, würde ich gerne das Video sehen, sieht sicherlich lustig aus. Und Boxer und Co bieten die weder mit allrad an, nch bekomme ich da mein Surfmat. rein).

    Die sollten sich bei Subaru vielleicht mal Gedanken machen, wie man die alten Kunden behällt, statt ständig neue zu suchen, in dem man die Autos optisch und technisch an andere Marken anpasst. Denn ich will gar kein Auto fahren wie alle anderen.
    ZU Subaru bin ich aus dem grund Allrad und Boxer gekommen. Danneben auch noch die Rahmenlosen Scheiben.

    N Golf fahrer wird sich nie n Subaru kaufen.
    Ich allerdings auch nie n Golf!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s