Vom Aussterben bedroht, letzter Teil

Willkommen zum nun bereits zehnten und letzten Teil meiner Serie über Autos der 80er und 90er Jahre, die akut vom Aussterben bedroht sind. Auch diese Folge widmet sich wieder voll und ganz drei unbekannten und ausgestorbenen Autos, die seinerzeit offiziell in Österreich verkauft wurden. In diesem Teil liegt der Focus ganz klar auf Fahrzeugen erfolgreicher Hersteller, bevor der Hersteller erfolgreich wurde. Klingt komisch, macht aber Sinn. Seht selbst!

Erster Kandidat eines erfolgreichen Herstellers, bevor der Erfolg kam => Der Seat Malaga!

Wann ich das letzte Mal einen Seat Malaga gesehen habe? Ich glaube es war auf den Kanarischen Inseln im Jahr 1994 oder so. Und nicht nur mir dürfte es so gehen. Der 1985 auf der Bodengruppe des Seat Ronda (Fiat-Ritmo-Klon) vorgestellte Malaga erinnert optisch an Hyundai Pony oder Renault 9, und genauso spannend und faszinierend ist der Wagen auch. Ohne VW lief es nicht gerade rosig bei Seat in Spanien. Die Autos waren klassische Sub-Standard-Kisten auf Fiat-Basis, lausig verarbeitet und billig gemacht. Erst mit Beginn der 90er Jahre und mit der Übernahme durch VW besserte sich die traurige Situation bei Seat. Im Jahr 1991 wurde der Malaga vom Toledo I abgelöst, der zum Großteil auf dem Golf-II basierte. Nennenswerte Verkaufszahlen erreichte der Malaga nur in Spanien und in Griechenland, außerhalb Südeuropas blieb er Zeit seines Lebens ein Außenseiter. Mittlerweile dürften sämtliche Malaga, die bei uns verkauft wurden, weg sein. Tschüß, ihr Vier! 😉

Ähnlich schlimm steht es um den vorletzten Typen dieser Serie, den Skoda Favorit aus Mlada Boleslav:

Ab 1987 als letzter PKW von Skoda ohne VW-Hilfe entwickelt, kehrte in der damaligen Tschechoslowakei mit dem Favorit sowie der Kombiversion namens Forman die Frontantriebszukunft ein.  Es wurde ja auch Zeit, die Heckmotor-Skodas waren ja schon in den 70er Jahren nicht mehr wirklich zeitgemäß. Der 1.3 Liter-Motor galt genauso wie der Rest der konservativen Technik als robust und langlebig, der Favorit entwickelte sich zum schärfsten Konkurrenten des Lada Samara. Nach der Übernahme Skodas durch VW im Jahr 1993 flossen zügig zahlreiche Verbesserungen in die Serie ein, doch die Zeiten des Favorit waren gezählt. 1994 wurde er vom Felicia abgelöst, der in seinen Grundzügen ebenso auf dem Favorit basierte. So schließt sich der Kreis. Mittlerweile sind beinahe alle Favorit und Forman ausgestorben, auch in östlichen Nachbarländern wird er zunehmend rar. Schade eigentlich, als letzter Nicht-VW-Skoda hätte er sich einen Platz zwischen etablierten Youngtimern verdient!

Davon ist der letzte Wagen dieser Serie noch weit entfernt! Als Mittelklassewagen auf Basis des Ascona C, verkauft von einer unaussprechlichen Marke aus Asien, konnte der Daewoo Espero kein Erfolg werden:

Doch halt, passt der Espero überhaupt hier her? Ich denke schon. Schließlich war Daewoo als koreanische GM-Billigmarke am absteigenden Ast, die Verkaufszahlen sanken, zahlreiche Händler verließen das sinkende Schiff. Zumindest solange, bis sich GM entschied, die beinahe unveränderten Daewoos als „Chevrolet“ zu verkaufen. Mit diesem Experiment zeigte General Motors auf, wie leicht Kunden mit Markennamen zu manipulieren sind. Aber das ist ein anderes Thema. In Korea von 1990 bis 1997 gebaut und verkauft, wurde der Espero 1995 auch in Europa eingeführt, mehr oder weniger erfolgreich. Auf Basis des 1981er Ascona C konnte er natürlich nicht mit der modernen Konkurrenz mithalten, doch der Preis war sehr günstig und die Garantieleistungen überdurchschnittlich, so wurde der Espero zumindest ein Achtungserfolg für Daewoo. Heute rächt sich der nicht vorhandene Wert überlebender Esperos, die Fahrzeuge werden gnadenlos weggeworfen und sind im Begriff, komplett auszusterben.

Mit dem Espero und dem Mysterium der „Korea-Chevys“ endet diese Serie nun nach zehn Folgen. Ich hoffe, ich konnte euch einige vergessene Wagen wieder ins Gedächtnis rufen. Denn egal ob es nun einen guten Grund gibt, warum die meisten der hier aufgeführten Autos aussterben oder nicht, viele davon haben es nicht verdient!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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6 Antworten zu Vom Aussterben bedroht, letzter Teil

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    …dem Seat Malaga weint man nicht einmal in Spanien mehr als eine träne hinterher… Der Skoda erstaunt mich auch heute noch – zumindest als Hatch mit der breitesten Serienbereifung fährt der sich wirklich knackig – letzteres kann der Espero nicht für sich beanspruchen: Die Lenkung ist exakt so übel wie die seines Gen-Spenders….

  2. Schmidt schreibt:

    Ich brauche nur nach draussen schauen!
    Habe seit 8Jahren zwei und Fahre seiddem ohne probleme.

  3. Domi schreibt:

    Ich bin mit den Skoda Favorit/Forman(kombi) aufgewachsen. Erst hatten wir den Forman. Ein erstaunlich grosser Gepäckraum paarte sich hier mit sensationell günstigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten. 1993 kostete er in der Schweiz sensationelle 13100CHF. Wir waren eine 4köpfige Familie mit 2Kindern (7&11Jährig). Auch wahr er sehr Zuverlässig, mit seinem 1.3l Motor aber nicht gerade üppig motorisiert. Nie werde ich die Fahrten ins Vallis in die Berge vergessen, er lag hinten vollgepackt in den Stossdämpfern. Nach sieben Jahren ist dann meine Schwester ausgezogen und mein Vater gönnte der Familie eine Oktavia 1.8l Limusine. Sollte ich DEN Forman mal finden, kaufe ich ihn zurück. Meine Mutter fährt seit 10Jahren einen Favorit. Diesen Wagen liebt sie über alles. Legendär, unsere Ferienreisen damit. Wir fuhren zu 3. oft mit dem Favorit in die Toscana, natürlich immer voll beladen. Die Zöllner und Polizisten haben uns immer mitleidig durchgewunken. Dieser Favorit wird garantiert nie mehr verkauft, eher restauriere ich ihn. Seltener als ein 300SL Flügeltürer ist er in der Schweiz allemal;-)
    Grüsse aus der Schweiz
    Domi

  4. jan schreibt:

    Hallo,

    mir ist ein Malaga in die Hände gefallen. 35tkm vom erstbesitzer, bj91 mit ZV,E-Fenster, Drehzahlmesser und Radio. 1,5 Maschine mit Kat. In Blau.

    So wie ich das Lese dürfte der Wagen wohl einzigartig sein. Naja, er wird jetzt konserviert, braucht zwei neue Kotflügel und wird dann eingemottet.

    • jan schreibt:

      Nachtrag: Die Verabeitungsmängel sind meiner Meinung nach extrem: Die Heckklappe ist schief drinne, der Heckspoiler aber gerade angebaut.
      Der Lack am Auto hat ne Orangenhaut, nur die Motorhaube und die Heckklappe nicht.
      Alles was Plastik ist is so ausgehärtet das es fast schon beim Angucken kaputt geht. Das Getriebe macht geräusche und ist extrem Schlecht zu schalten.

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