Das Safarimobil

Da war ich nun, im Mai 2006, und es hätte besser laufen können. Meiner C-Klasse wuchsen Rostblasen an all den typischen Stellen, der Heckantriebs-Winter hatte tiefe Spuren an meiner allradverwöhnten Seele hinterlassen und der sonore Sound des 2,5 Liter 4D56-Motors im Pajero ging mir zunehmend ab.

Doch wie es der Zufall will, tauchte just in diesem Moment im Nachbarort ein beiger 89er Pajero L040 auf, der neben der Hauptstraße stand und auf einen Käufer wartete. Ein Reifen fast platt, die Radläufe hinten durchgerostet, der Rahmen großflächig rostbraun, ein paar wenige Monate Restpickerl, topgepflegte Exemplare sehen anders aus.

Doch auf der Pro-Seite konnte der Pajero auch einige Punkte verbuchen: Sehr gut erhaltener beiger Innenraum mit elektrischem Schiebedach, 2,5 Liter TD mit Intercooler, Automatik, 140.000 Originalkilometer, zweite Hand, günstiger Preis. Nach einer kurzen Probefahrt folgte der Handschlag, Anfang Juni 06 hab ich ihn gekauft.

Nach einigen Investitionen war er fit für eine kurze aber heftige Sommer-Affaire, wenn man so will. 😉 Ich fuhr den Pajero prinzipiell nur mit Strohhut und offenen Fenstern, ich hatte im Wald und auf einsamen Nebenstraßen großen Spaß damit, der Wagen lief Pajero-typisch problemlos. Doch das Ende war bereits in Sicht!

Im Sommer lief das Pickerl aus und da ich spätestens Anfang Oktober 06 wieder nach Graz zurück musste, hatte ich nur eine Wahl. Ich musste mich entscheiden: Entweder eine große Summe investieren und den Wagen ordentlich restaurieren lassen oder ihn nach 4 Monaten verkaufen. Da das Echo auf ein erstes Inserat überraschend positiv ausfiel, entschied ich mich für Variante 2, der Paji musste weg. So fand sich schnell ein netter Häuslbauer, der ihn kaufte, um ihn nach den notwendigen Reparaturen als Baustellenauto zu nutzen. Und so ging er hin, mein zweiter Pajero. Mitte September 2006 hab ich ihn wieder abgemeldet, gefahren bin ich nur 2000km.

Ich hab den Verkauf einige Male bereut. Heute würde ich ihn behalten und einmal ordentlich durchschweißen lassen. Es war ein so originales und unberührtes Auto, wie man es von der Substanz her nicht mehr finden wird.

Doch wie es der Zufall wollte, war damit das Kapitel noch nicht beendet! Im Januar 2010 tauchte mein ehemaliger Pajero plötzlich bei Ebay auf! Das Haus war wohl fertig und so versteigerte der Käufer den Wagen mit 40.000 km mehr auf der Uhr wieder.

Er hatte sichtlich gelitten, und doch ging er um einen beachtlichen Betrag weg, ich hab natürlich auch mitgeboten! Leider bekam ich den Zuschlag nicht. Und dann folgte die Begegnung im Juni 2010! Vier Jahre nachdem ich den Wagen gekauft habe, sah ich „meinen“ Pajero auf der Südautobahn im Wechselabschnitt wieder. Es hatte ihn wohl ein Autohändler aus dem Mittelburgenland ersteigert, der Pajero hatte einen Gelblichtbalken auf dem Dach, Werbeaufkleber auf den Flanken und zog einen Autoanhänger.

Damit ist die Geschichte meines Safarimobils erzählt, zumindest vorläufig. Ich hab ihn schon zweimal wiedergesehen, vielleicht fährt er mir ja noch einmal vor die Nase. Sag niemals nie, schon gar nicht wenns um Autos geht!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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