Koreas Anfänge

Der Hyundai i30 ist Dauergast in den Top-5 der meistverkauften Autos Österreichs, 2011 setzt Hyundai mit vielen neuen Modellen zur großangelegten Image-Offensive an und ich möchte euch zu diesen Anlässen gerne etwas über die beiden ersten eigenständig entwickelten Autos aus Korea erzählen, den Hyundai Pony Mk 1 und den Hyundai Stellar!


Hyundai begann 1967, den Ford Cortina unter Lizenz als Hyundai Cortina zu produzieren, der Ehrgeiz war jedoch groß, ein eigenes Auto herzustellen. Als 1972 in England der Managing Director von British Leyland, George Turnbull, entlassen wurde ergriff die Firma Hyundai die Chance und engagierte ihn umgehend. George Turnbull, mit zwei Morris Marina als Inspirationsquelle im Gepäck, machte sich sofort ans Werk, musste jedoch mangels erfahrener Designer und Techniker auf Fremdhilfe zurückgreifen. Das Design des im Oktober 1974 auf dem Turiner (!) Autosalon der Öffentlichkeit präsentierten Hyundai Pony kam von ITAL Design, die 1.2 und 1.4 Liter Motoren von Mitsubishi. Die Bodengruppe baut auf der des Ford Cortina auf und aus diesem Grund hatte der Pony eine starre Hinterachse an Blattfedern und Heckantrieb. Durchaus zeitgemäß, Mitte der 70er, siehe Toyota Corolla und Co..

Nach kurzer Zeit, in der der Pony ausschließlich für den Koreanischen Heimatmarkt produziert wurde, startete der Export des Autos nach Mexiko, Zentral-Amerika (vor allem Ecuador) und Chile. Im Jahr 1978 schließlich begann der Verkauf des Hyundai Pony in Belgien und Holland, als 5türiger Hatchback und Kombi-Version. Der Pony Mk 1 wurde bis 1982 unverändert produziert.

Die Verarbeitungsqualität und die mechanische Zuverlässigkeit der ersten Pony ist legendär, doch leider war keinerlei Rostschutz vorhanden, sodass sie schon oft beim Händler zu rosten begannen, während sie noch auf ihren Erstbesitzer warteten.

Der Stellar wurde erst im Juli 1983 der Öffentlichkeit vorgestellt und war der Nachfolger des in Lizenz produzierten Hyundai Cortina Mk V, der bei uns als Ford Taunus verkauft wurde.

Doch auch wenn das Styling wiedermal von Giorgetto Giugiaros Firma ITAL Design entworfen wurde, das Chassis des Cortina Mk V wurde als Basis weiter verwendet. Moderne Optik, bewährt-altmodische Technik darunter. Das Erfolgsgeheimnis beinahe aller asiatischen Fahrzeuge, teils bis in die 90er Jahre. Die Motoren des Stellar stammten, wie auch beim Pony, von Mitsubishi und wurden bei Hyundai in Lizenz gefertigt. Der Stellar war mangels Sicherheitstechnik wohl unfreiwillig ein Leichtbau-Fahrzeug, bei einer Länge von 4.55 Meter wog er trotz robuster Technik leer nur knapp 1000kg.

Doch das lag sicherlich nicht an einer spärlichen Serieausstattung. Für den Stellar waren drei Ausstattungsvariantenzu haben, „L“ (Basis), „GL“ und „GSL“. Das Topmodell „Stellar GSL“ hatte serienmäßig vierfach elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, eine von innen zu öffnende Kofferraum-/Tankklappe, Mittelarmlehnen vorne und hinten, Veloursitze, eine Kasetten-Stereoanlage mit 4 Lautsprechern, Bordnetzspannungs- und Öldruckanzeige und auf Wunsch eine Klimaanlage und Alufelgen. Und das alles in einer Zeit, in der bei Mercedes der rechte Außenspiegel Aufpreis kostete…


Besonders in England war der Stellar recht beliebt, vor allem konservative Kunden, denen der Ford Sierra zu modern war griffen zum Stellar, schließlich steckte ja der alte Cortina/Taunus drunter. Und so wurde in englischen Tageszeitungen auch eine der lustigsten und geistreichsten Werbeanzeigen der Geschichte Hyundais geschalten, in der der Cortina-Nachfolger Sierra als Puddingform dargestellt wurde. Im deutschsprachigen Raum ist diese Anzeige völlig ubekannt, bei mir hier aber natürlich zu sehen!

Der Stellar war folgedessen Hyundais erster nennenswerter Verkaufserfolg in England und wurde auch in Kanada erfolgreich verkauft. Wie auch beim Pony war die mechanische Zuverlässigkeit legendär und die Verarbeitung ausgesprochen solide, aber über den Rostschutz sollte man wiedermal den Mantel des Schweigens betten…

Die Produktion des Stellar wurde 1988 eingestellt und die Lücke im Modellprogramm vom neuen Hyundai Sonata geschlossen. Die Geschichte Hyundais in den 70er und 80er Jahren kennt bei uns natürlich niemand, die Marke kam auch erst 1992 zu uns, doch mit dem wachsenden Erfolg Hyundais in Europa wird in den nächsten Jahren auch die Herkunft der Marke wichtiger werden. Jede Wette!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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