Realismus vs Fernsehen

„Glaub nicht alles, war im Fernsehen kommt!“, hat mir meine Oma öfters gesagt, als ich noch ein Kind war und wieder mal total begeistert von einer Geschichte erzählt habe, die ich im Fernsehen gesehen hatte. Klar, heute weiß ich, dass sie recht hatte, aber damals dachte ich, die Geschichten wären natürlich wahr und die Leute im Fernsehen müssten ja die Wahrheit sagen, schließlich sieht es ja jeder. Herrlich naiv, aber das darf man sein. Als Kind!

Heute in Zeiten des Internets fällt es leichter, die Geschichten hinter den Fernsehsendungen zu erfahren. Denn hinter den Kulissen läuft es oftmals anders ab als es dem Zuseher von den Moderatoren erzählt wird.

Spontan fällt mir da gleich die sehr unterhaltsame, britische Sendung „Top Gear“ ein. Drei BBC-Journalisten (Richard Hammond, Jeremy Clarkson und James May) schafften es innerhalb einiger weniger Jahre, mit geistreichen Kommentaren und der einen oder anderen unterhaltsamen Challenge eine trockene und öde Autosendung in ein humoristisches Spektakel zu verwandeln, für das sich auch Nicht-Autofans begeistern können. In diesen Challenges geht es darum, dass alle Drei um einen bestimmten Betrag ein bestimmtes Auto kaufen müssen, um dann damit „a series of challenges“ zu bestehen.

Soweit, so lustig. Bei der Alfa-Challenge zum Beispiel musste ein Alfa-Romeo um maximal 1000 Pfund beschafft werden, der dann unter anderem über eine Rennstrecke gescheucht und zu einem Alfa-Concours d´Elegance gefahren werden musste.

Clarkson zum Beispiel behauptet, er hätte seinen Alfa 75 für 450 Pfund gekauft und nichts investieren müssen. Nun hab ich in einem britischen Alfa-75-Forum gelesen, dass das Top-Gear-Produktionsteam der BBC den Wagen von einem Alfa-Enthusiasten um 1000 Pfund gekauft hat, eine neue Kupplung und Bremsklötze verbaut wurden und der 75er so fertig gemacht wurde, um von Clarkson für die Show benutzt werden zu können. Nach der Tortour, zu sehen unter anderem auf youtube.com, wurde der Wagen um 1 (!) Pfund wieder an den vorherigen Besitzer zurück gegeben. Stimmt nicht ganz mit der erzählten Geschichte in der Serie überein, was?

Doch natürlich gehts auch in deutschsprachigen Autosendungen nicht viel anders zu. Beispiel „Der Checker“ auf DMAX. Dort werden für Seher auf deren Wunsch Autos gesucht. Die Wunschkriterien während der Show sind oftmals sehr vage, meist heißt es nur „Ich suche einen Kombi für max. 3000 Euro“ oder „Ein Italiener mit Power muss es sein, ich hab 7000 Euro“.

Doch wie läuft es hinter den Kulissen wirklich ab? Ich kenne die Geschichte eines jungen Mannes, der sich eine Celica TS gewünscht hat und sie vom Checker in der Serie suchen hat lassen. Obwohl er konkret wusste, was er will, hieß es in der Sendung, er suche einen Japaner mit Power. So wurden ein Nissan Skyline, ein 350Z und die Celica getestet, natürlich entschied sich der Checker dann für die Celica. Im Dienste der Zuseherunterhaltung ist ein beinahe zufälliges Entscheiden für einen Wagen natürlich deutlich zielführender als wenn man schon von Anfang an weiß, auf welches Auto es rausläuft.

Ich möchte klarstellen, dass ich mit diesem Artikel keineswegs sagen will, dass uns Fernsehsender belügen, sondern dass die Realität sich vom Inhalt der Unterhaltungssendungen oftmals deutlich unterscheidet. Ist ja nicht schlimm, ich glaube niemand schaut Top Gear, Grip oder ähnliches und glaubt, dort die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu erfahren. Doch so ein Blick hinter die Kulissen ist oft interessanter, als man vermutet.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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