30 Jahre Pajero

Seit nunmehr 30 Jahren dominiert Mitsubishi mit dem Pajero die Klasse der komfortablen Gelände-Allrounder auf der ganzen Welt. Grund genug, die Modellgeschichte eines der weltweit erfolgreichsten Geländewagen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Geschichte des Pajero aus dem Hause Mitsubishi Motors ist eine faszinierende Erfolgsgeschichte, für die der Grundstein bereits 1933 mit dem Mitsubishi PX33 gelegt wurde. Der PX33, dessen Entwicklung auf einen Auftrag der japanischen Regierung zum Bau eines Militärfahrzeugs für hochrangige Offiziere zurückgeht, war nicht nur das erste japanische Personenfahrzeug mit Allradantrieb und Dieselmotor (Drei Jahre vor Mercedes-Benz!), sondern legte auch den Grundstein für die Allradkompetenz der Marke Mitsubishi. Hier zu sehen ein Nachbau eines PX33, da leider kein einziges komplettes Fahrzeug die Wirren des zweiten Weltkriegs überlebt hat.

Der „Ur-Pajero“ L040
Wir schreiben das Jahr 1983. Das Angebot an zivilen Geländegängern in Österreich ist klein, die wenigen verfügbaren Off-Roader sind lahm, laut, spartanisch und ruppig. Die Geländewagen-Szene steckt in den Kinderschuhen als Mitsubishi den Import des bereits seit 1981 in Japan erhältlichen Pajero nach Österreich aufnimmt. Der Pajero mit dem internen Modellcode L040, zunächst nur als kurzer Dreitürer mit festem Dach oder als Cabrio erhältlich, war anders als seine vermeintlichen Konkurrenten, er setzte neue Maßstäbe im Fahrverhalten, im Fahrkomfort und bei der Ausstattung.

Als erster Geländewagen der Welt war der Pajero von Anfang an mit Turbodiesel-Motor erhältlich, einem 84 PS starken Vierzylinder mit 2,3 Liter Hubraum und Ausgleichswellen. Der 4D55 genannte Motor beeindruckte durch seinen seidenweichen Lauf, seine ansprechenden Fahrleistungen und einen geringen Verbrauch.

Doch auch oder gerade im Fahrverhalten auf befestigen Wegen setzte der L040 Maßstäbe, seine vordere Einzelradaufhängung verwöhnte die Insassen mit bisher in Geländewagen alter Schule unüblichem Komfort. Als dem Dreitürer 1985 die fünftürige Version mit langem Radstand und Hochdach zur Seite gestellt wurde war klar, dass der L040 lieber komfortabler Allrounder als harter Knochen sein will. Und seine Rolle spielte er hervorragend, der Pajero machte sich in kürzester Zeit einen Namen als Zugfahrzeug, Reisemobil, schlechtwegetaugliche Familienkutsche oder einfach als automobiles Mädchen für alles.

Der Motor wurde zum Modelljahr 1987 überarbeitet, hatte nun 2,5 Liter Hubraum, etwas mehr Drehmoment bei identischer Leistung, hieß fortan 4D56 und sollte in die Mitsubishi-Markengeschichte eingehen wie kein Motor vor oder nach ihm. Der 4D56 kam in sämtlichen Mitsubishi-Nutzfahrzeugen, von Bussen wie den L300 und L400-Varianten inkl. 4WD-Versionen über den Pick-Up L200 bis hin zu Hyundai-Lizenzprodukten wie dem Galloper in Leistungsstufen zwischen 84 PS und 133 PS zum Einsatz und wird heute immer noch produziert!

Der 2,6 Liter Benzinmotor mit Vergaser und 103 PS kam bei uns nie über den Status eines Mauerblümchens hinweg, der zum Modelljahr 1989 präsentierte V6 3000 mit 3 Litern Hubraum und 144 PS passte besser zum souveränen Fahrerlebnis im Pajero. Besonders zu empfehlen mit Automatik. Bis 1991 wurde der L040 laufend modifiziert und optimiert, unter anderem Schraubenfedern an der Hinterachse, Katalysatoren für die Benzinmotoren und ein Ladeluftkühler für den Turbodiesel kamen dazu. Die finale Edition „EXE“ mit Silber-blauer Zweifarblackierung und umfangreicher Ausstattung sorge gegen Ende der Produktion noch einmal für Verkaufszahlen, von denen die Konkurrenz nur träumen konnte. Der Pajero war zum meistverkauften, beliebtesten und wertstabilsten Geländewagen in Österreich geworden!

Selbst nach dem Produktionsstop des L040 und der Einführung des Nachvolgers V20 zum Modelljahr 1991 gehörte der bewährte L040 immer noch nicht zum alten Eisen und wurde von HDPIC (Hyundai Precision & Ind. Co.), einer Tochter des koreanischen Hyundai-Konzerns, weiterhin beinahe unverändert bis zum Jahr 2002 als Galloper gebaut. Von 1998 bis 2002 exportierte HDPIC den Galloper II im großen Stil in alle Welt, auch in Österreich erfreute sich der Wagen mit Recht großer Beliebtheit.

Ab 1991: Der V20
1991 wurde der L040 vom Pajero V20 abgelöst, der modernere Optik und höheren Fahrkomfort mit der robusten und langlebigen Technik des L040 verband. Doch bei der Allradtechnik der gehobenen GLX- und GLS-Versionen eilte der V20 mit großen Schritten vorwärts und ließ die Konkurrenz erfolgreich hinter sich. Das Allradsystem „Super Select“ verband die Vorteile eines zuschaltbaren Allradantriebs (stillgelegter vorderer Antriebsstrang) mit den Schlechtwege-Eigenschaften eines permanenten Allrads und revolutionierte die Klasse der bezahlbaren Geländewagen.

Der bewährte 2,5 Liter Turbodiesel 4D56 mit nun 99 PS musste sich in der größeren und schwereren Karosserie ganz schön anstrengen, besonders im langen GLS sorgten die gedämpften Fahrleistungen schnell für Unmut. Wer nicht auf den flotten aber durstigen Benziner „V6 3000“ mit 150 PS ausweichen wollte, musste sich bis zur Präsentation des 2,8 Liter Turbodiesel-Motors zum Modelljahr 1994 gedulden, der mit 125 PS und beinahe 300 Nm Drehmoment für angemessenen Vortrieb sorgte. Der 2,5 Liter Turbodiesel wurde in den einfacheren Versionen Young, GL und GLX weiterhin unverändert angeboten.

Auch die Benziner-Palette wurde sukzessive ausgebaut, der 3 Liter V6 mit 150 PS wurde vom „V6 3000 24V“ mit 177 PS abgelöst und als Topmodell gesellte sich der „DOHC-24 V6 3500“ mit 3,5 Liter Hubraum und anfänglich 208 PS dazu, der auf dem Motor des Mitsubishi 3000 GT basierte und seiner Herkunft auch im Pajero alle Ehre machte. Der „GTI unter den Geländewagen“ war geboren.

Die GLS-Topversionen wurden 1997 optisch überarbeitet und sind unter anderem an bauchigeren Kotflügeln zu erkennen, die Young-, GL- und GLX-Modelle behielten ihre gewohnte Form mit den schmalen Kotflügeln bis zur Ablöse im Jahr 2000 bei.

Der Pajero V20 ging als erfolgreichster und vielseitigster Pajero aller Zeiten in die Geschichte ein, in einigen Teilen der Welt wird er nach wie vor in Lizenz gebaut und erfreut sich großer Beliebtheit. Vom Pajero V20 gab es auch zweimal eine Neuauflage in Österreich zu kaufen, den „Classic“ im Jahr 2001, nur als GL Metal Top mit kurzem Radstand und 4D56-Motor mit 99PS sowie 2002 und 2003 den „Pajero Classic“, optisch basierend auf dem GLS mit breiten Kotflügeln, technisch und in Sachen Ausstattung jedoch ein GL mit 4D56 und 115 PS, erhältlich als Metal Top und Wagon.

Ab 2000: Der Pajero V60
Im Jahr 2000 kam es zum großen Bruch in der Pajero-Familie. Die dritte Generation, der Pajero V60, hatte keinen separaten Leiterrahmen mehr, alle vier Räder waren einzeln an der selbsttragenden Karosserie aufgehängt! Der 2,5 Liter Turbodiesel-Motor (4D56) mit 99PS und 115PS war auch im Pajero V60 immer noch erhältlich, zusätzlich bot Mitsubishi den bärenstarken 3,2 DID an, einen Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 3,2 Liter Hubraum und anfänglich 165 PS. Der V6 GDI Benzindirekteinspritzer mit 220 PS führte in Österreich ein Schattendasein. Wie schon im Vorgänger bewährte sich der überarbeitete und verbesserte „Super-Select“-Allradantrieb auch im Pajero V60. Lediglich die Basisversion mit 4D56 war ausschließlich mit herkömmlichem Zuschaltallradantrieb namens „Easy- Select“ erhältlich.


Mit zahlreichen Sondermodellen versuchte Mitsubishi, den stagnierenden Absatz des sehr teuer gewordenen V60 anzukurbeln, doch die Zeiten der wiederkehrenden Pajero-Verkaufsrekorde schienen vorbei zu sein.


Zum Modelljahr 2006 schickte Mitsubishi den 4D56 im Pajero V60 endgültig in den Ruhestand, er wurde seit 1987 ununterbrochen in den ersten drei Pajero-Generationen angeboten, im Pajero V60 blieben die Verkaufszahlen der 2,5 Liter-Version aber immer gering, die SUV-Welle forderte auch bei den Geländewagen ein Umdenken. Weg vom gemütlichen Arbeitstier hin zum flotten Business- und Freizeitmobil, da passte der 3,2 Liter DID-Motor deutlich besser ins Bild. Doch die Konkurrenz nagte heftig an den Verkaufszahlen des V60, der Erfolg blieb meilenweit hinter dem der ersten beiden Generationen zurück.

Ab 2007: Der Pajero V80
Zum Modelljahr 2007 folgte dann die große Überraschung! Ein neuer Pajero, optisch angelehnt an den zeitlosen V20, mit überarbeiteter Technik, einem optimierten und deutlich leiseren 3,2 Liter DID mit Commonrail-Direkteinspritzung und anfänglich 160 PS und ungeahntem Komfort. Der wohl eleganteste und technisch sicherlich ausgereifteste Pajero aller Zeiten war geboren. Sogar die 100%-Differentialsperre für die Hinterachse fand wieder ihren Weg zurück in den Pajero und sorgt in Verbindung mit dem „Super-Select“-Allradsystem für Geländeeigenschaften, die herkömmlichen SUVs überlegen sind und den Pajero wieder zu dem machen, was er immer war: Ein geländegängiger Allrounder, der überall eine gute Figur macht, sei es auf der Autobahn, im Revier oder in der Innenstadt.

Doch auch der Erfolg des V80 blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, daran änderten auch deutlich verbilligte Einstiegsmodelle und der Leistungsschub des Dieselmotors auf stramme 200PS nichts. Der Ruf des Pajero ist verblasst, BMW X5, Mercedes-Benz ML und VW Touareg bieten mehr Prestige, bessere Fahrleistungen und höheren Komfort, darauf kommts mittlerweile in dieser Fahrzeugklasse primär an. Doch nicht nur der Pajero leidet unter dem SUV-Wahn potentieller Käufer. Auch der aktuelle Toyota LandCruiser verkauft sich nur noch sehr schleppend und der neue Nissan Patrol wird am europäischen Markt gar nicht mehr angeboten.

Doch auch wenn die Blütezeit des Pajero vorbei scheint, so bleibt doch der Blick auf beinahe 3 Millionen (!) verkaufte Exemplare weltweit und die Gewissheit, dass ein Pajero immer für seinen Besitzer da ist, wenn man ihn braucht!

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Geländewagen, Youngtimer abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu 30 Jahre Pajero

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Whow – PX33 war mir neu!

  2. Youngtimer Garage schreibt:

    Ich habe mal ein wenig recherchiert, weil mir Deine einleitenden Worte „Mitsubishi dominiert“ komisch vorkamen.
    Zumindest den Verkaufszahlen weltweit kann man den Leuten von Toyota mit ihrem Land Cruiser nicht das Wasser reichen.

    Seit 1982 bis 2007 (neuere Daten hatte ich nicht) wurden 2.674.331 Pajeros gebaut. Im gleichen Zeitraum vertrieb Toyota 77.322.000 Land Cruiser. Nun gibt es den Land Cruiser auch noch viiiieeeel länger. In verschiedenen Varianten wird er seit 1951 gebaut und ist mit 77.749.705 Stück wohl der erfolgreichste Geländewagen weltweit .

    Gerade in Entwicklungsländern wird er wegen seiner Robustheit und Einfachheit geschätzt. Der Pajero ist für solche Länder zu teuer und zu komfortabel.

    Aber bestimmt machst Du mir die Freude und schreibst in Kürze über den Land Cruiser und seine Bedeutung für die Krisenregionen der Welt. Wann immer in den Nachrichten irgendwelche Milizen und Paramilitärs zu sehen sind, steht im Bildhintergrund garantiert irgendwo ein Land Cruiser Pickup.

  3. Youngtimer Garage schreibt:

    Noch ein Nachtrag in Form eines Videos:

  4. Tobias schreibt:

    Eine Frage an den Fachmann:
    Was für eine Kraftstoffanlage (Einspritzung oder Vergaser) haben
    V6 3000 24V mit 177 PS
    DOHC-24 V6 3500?

  5. turboseize schreibt:

    Bei der Verbindung von „Komfort“ und „Gelände“ würde ich allerdings zuerst an Range Rover und Cherokee denken.

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Bist du mal Cherokee XJ gefahren? Vielleicht noch mit Turbodiesel? Dagegen ist der L040 ein sanfter Gleiter. Range Rover klar, aber auch preislich sonst wo angesiedelt.

      • turboseize schreibt:

        Ja, aber nur den 4-Liter-Sechszylinder. Hatte ein Kumpel mal.
        Könnte mir gefallen, das Auto. 🙂

        Ein Range ist und war als Neuwagen natürlich prohibitiv teuer, aber das galt für den G oder den Cherokee auch. Zum Glück gibt es Gebrauchtwagen, und im Regelfall schlägt der Wertverlust bei den teureren Autos auch am stärksten zu.

  6. Pingback: Welcome back, Pajero Classic! | Lukas Wieringer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s