Ein Neuwagen, zum Glück…

Erst vergangene Woche hab ich von einem automäßig völlig unbedarften Menschen den Satz „Kauf dir bloß bald einen Neuwagen, sonst weißt nie, ob dein Wagen in der Früh anspringt oder nicht!“ gehört, als ich ihm den Kilometerstand meines Alltagsautos genannt hab. Er fährt übrigens ein knapp zwei Jahre altes deutsches „Premium-SUV“, das bereits dreimal außerplanmäßig wegen Elektronikspinnereien und eines kaputten Radlagers (bei 35.000km Gesamtlaufleistung!) in der Werkstatt war.

Nachfolgend ein paar der Realität entsprechende Anekdoten, Geschichten und Infos über die Qualität heutiger Neuwagen. Ganz bewusst ohne Namen oder Hersteller zu nennen…

Ein Bekannter meines besten Freundes fährt begeistert und aus Überzeugung Oberklasseautos eines europäischen Herstellers, des Heckantriebs wegen. Doch sein aktuelles Fahrzeug ist reichlich mysteriös. Nach dem ersten großen Service nach 3 Jahren passte plötzlich die Farbe der hinteren Türen nicht mehr zu dem Rest des Lacks. Komisch, dachte er sich, also fuhr er zu einem stadtbekannten Lackierbetrieb, der für seine kompromisslose Qualitätsarbeit bekannt ist. Der erfahrene Lackierer-Meister lachte nur kurz und erzählte ihm, dass er nicht der erste Kunde dieser Marke wäre, der sich über eigenartige und plötzlich auftretende Farbunterschiede, besonders bei silbernen Autos, an Türen und Hauben wundert. Schließlich wären die Werkstätten dieser Marke angewiesen, bei jedem Service stillschweigend Türen und Hauben auf Rost an den Falzen zu kontrollieren und bei Rostspuren heimlich, still und leise die betreffenden Teile zu tauschen, ohne dem Kunden bescheid zu geben. Schließlich habe man einen Ruf zu verlieren…

Dann gibts da diesen Sportwagen zum kleinen Preis, der ganz in unserer Nähe produziert wird. Dessen Entwickler wurden angewiesen, bei der Entwicklung des Wagens primär auf eine optisch hochwertige Erscheinung des Fahrzeugs im Schauraum zu achten. Egal ob die ganze Kiste mit Plastikclips zusammengesteckt ist, die nach einigen Jahren zerbröseln werden wie der ganze Wagen drumrum.

Der gleiche Hersteller produziert übrigens auch Kleinwagen in Niedriglohnländern, die auf eine Haltbarkeit von 6 Jahren bzw. 100.000km Laufleistung ausgelegt sind. Ein Auto mit hineinkonstruiertem Ablaufdatum! Soweit sind wir schon gekommen, schließlich geht´s uns ja nur dann gut, wenn es der Wirtschaft gut geht. 😉 Und wann geht´s der Wirtschaft gut? Wenn wir möglichst viel kaufen, wenn neue Dinge nur kurz halten und schnell kaputt gehen. Siehe auch meinen Artikel über die geplante Obsoleszenz: https://wierus.wordpress.com/2011/02/21/geplante-obsoleszenz/

Doch damit nicht genug! Durch den allgegenwärtigen Einsparungswahn werden Autos verkauft, die nach einigen Jahren nicht mehr zu reparieren sind! Warum? Weil zum Beispiel eine Ventildeckeldichtung nicht mehr einzeln getauscht werden kann. Schließlich ist der Ventildeckel, die Ventildeckeldichtung und der gesamte Zylinderkopf ein Teil! Sprich wenn die Ventildeckeldichtung undicht wird, dann muss der Zylinderkopf getauscht werden! Das mag bei 2 oder 3 Jahre alten Autos ja noch auf Garantie gehen, aber Gnade Gott, wenn der Wagen älter wird! Dann kommen auf den Besitzer Reparaturkosten zu, die sich gewaschen haben.

Und zu guter Letzt noch die Aussage eines Verkäufers bei einem großen und bekannten Oberklasse-Händler, der ganz bewusst nur Wagen bis 5 Jahre Fahrzeugalter auf seinem Gebrauchtwagenhof verkauft. Ältere Fahrzeuge werden zwar eingetauscht, aber nicht mehr verkauft, sondern gehen ohne Umwege direkt weiter an kleine Gebrauchtwagenhändler. Man wolle das Image der Marke mit den unzähligen Gewährleistungsreparaturen bei älteren Autos nicht schädigen, heißt es.

Moderne Autos sind so sicher und so komfortabel wie nie zuvor und durch technische Kniffe sind nennenswerte Kraftstoffeinsparungen möglich geworden, und doch bleibt die Frage im Raum stehen, ob es nicht vielleicht doch klüger ist, sein Geld in einen Gebrauchtwagen einer Ära zu investieren, in der noch auf Haltbarkeit und Qualität hin konstruiert wurde.

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Autos, Neuwagen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Ein Neuwagen, zum Glück…

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Das ist ein echtes Problem, das uns auch noch massiv einholen wird. Wir stellen bei allen Recherchen fest – auch, wenn wir mit Beratern im Automotive Bereich sprechen – dass die Langzeitqualitäten signifikant nachlassen. Effektiv werden wir damit perspektivisch unsere Umwelt gar mehr belasten, weil die Produktiuon eines Autos so endlos viele Ressourcen bindet….
    Aber das sieht man eben weder im Showroom, noch in der Auto Motor und Sport….

  2. Alex schreibt:

    …… mochte insofern widersprechen (wobei das jetzt subjektive Einschätzung ist), dass vor 25 Jahren die Autobahnpannenstreifen von Autos mit rauchenden Kühlern, offenen Motorhauben, auf den Pannendienst wartenden FahrerInnen etc gepflastert war – sieht man heute kaum mehr – wenn dann Youngtimer…. Und ich selbst hab die schlechtesten Erfahrungen mit einem japanischen Hersteller der als Allradpionier gilt ( trotzdem bleib ich Fan)…..

  3. Pingback: Zurück in die Zukunft « Lukas Wieringer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s