Die Retro-Burg Kreuzenstein

Im Norden der Stadt, beinahe vor den Toren Wiens, steht auf einer Erhebung die imposante Burg Kreuzenstein und blickt aufs flache Land, auf Klosterneuburg und die Donau. Doch wie kann das sein, dass eine Burg aus dem Mittelalter so ausßergewöhnlich gut erhalten ist? Ein Wunder, oder doch das Werk eines begnadeten Restaurators? Nichts von alledem, also lasst euch überraschen!

Es stimmt, auf diesem Platz stand früher eine mittelalterliche Burg aus dem 12. Jahrhundert mit dem Namen Kreuzenstein, die im Besitz der Habsburger war. Doch wie die meisten Burgen aus dieser Zeit wurde auch die Burg Kreuzenstein zerstört. Erst 1874 begann Johann Nepomuk Graf Wilczek, der mit Kohlegruben in Schlesien ein riesiges Vermögen gemacht hatte, sich dort eine Schauburg nach mittelalterlichem Vorbild zu errichten. Optisch entspricht sie zwar keineswegs dem Original aus dem 12. Jahrhundert, doch zumindest wurden die erhaltenen Mauerreste der Ruine in die Konstruktion der „neuen“ Burg Kreuzenstein mit einbezogen.

Johann Nepomuk Graf Wilczek als begeisterter Sammler und sehr interessiert an der Geschichte des Mittelalters, errichtete sich mit der Burg Kreuzenstein sein persönliches Museum, eine beispiellose Schauburg, die mit einer Vielzahl an Einrichtungsgegenständen, Waffen und Werkzeuges des Mittelalters eingerichtet und bestückt wurde.

Viele Bauteile der Burg stammen aus allen Teilen Europas, so wurde im Innenhof zum Beispiel die Fassade eines Nürnberger Bürgerhauses integriert und so mancher Säulengang entstammt venezianischen Pallazos, selbst Steine wurden von Ruinen abgetragen und damit die Burg gebaut.

Heute fungiert die Burg als Museum (mit horrenden Eintrittspreisen) und als Filmkulisse, von Soft-Pornos („Die Stoßburg“) über Heimatfilme („Kaiserjäger“ von Willi Forst) bis hin zum sehr bekannten deutsch-kanadischen Fernsehfilm „Die Säulen der Erde“ mit Donald Sutherland diente die Schauburg Kreuzenstein als Kulisse.

Besuchern ist es zwar gestattet, die Burg im Rahmen einer Führung zu besichtigen, doch die schier immense Anzahl an „Don´t touch“ und „Bitte nichts berühren“-Schildern mit mindestens zwei Rufzeichen dahinter und das strikte Verbot von Fotos in den Räumen der Burg lässt die hohen Eintrittspreise von 10 Euro pro Person über 16 Jahren jedoch auch nicht gerechtfertigter wirken.

Die Burg Kreuzenstein ist ein netter Anblick, doch Fans von Originalschauplätzen des Mittelalters gehen großteils leer aus. Denn auch wenn man sich vorstellt, dass in dieser Burg Ritter für Turniere trainiert, Köche gekocht und Marktschreier ihre Ware an den Mann gebracht haben, bleibt immer die Tatsache im Hinterkopf, dass es sich um eine Ende des 19. Jahrunderts gebaute Retro-Burg handelt.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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