Bangle, der Visionär?

Selten hat ein Fahrzeug-Designer so große Berühmtheit erlangt wie Chris Bangle. Woran liegts? Vor allem an den sehr provokant und offensiv designten BMW-Modellen der 5er und 7er Reihe. Wars wirklich so schlimm?

Wer kann sich nicht an den Aufschrei der Medien erinnern, als BMW mit der 7er-Reihe E65 im Jahr 2001 die erste wirklich radikal anders designte Modellreihe aus der Feder von Chris Bangle präsentiert hat. Der Wagen sei hässlich, hätte keinerlei Eleganz, der Heckdeckel wirke wie nachträglich draufgepappt, manche Medien sprachen sogar von einer „fetten Qualle“…

Nach dem zeitlos eleganten E38 hatte es der US-amerikanische Designer Chris Bangle natürlich schwer, einen Nachfolger zu entwerfen, der nicht hinter dem Vorgänger zurückbleibt, und so entschied man sich bei BMW für eine radikal neue Designsprache, der erste „Bangle-BMW“ war geboren. Extrovertiert, grundlegend anders als die Vorgänger aus eigenem Hause und auch als die Konkurrenz, stieß der E65 7er in Asien, Russland und in den USA auf sehr positive Resonanz, nur im konservativen Europa war der Aufschrei auch unter den Kunden groß. Auch ein umfangreiches Facelift 2005 konnte das Image des E65 in Europa nicht mehr retten, der Ruf dieser 7er-Generation war ruiniert, ähnlich erging es übrigens der S-Klasse W140 knapp 10 Jahre vorher. Jetzt gibts den Nachfolge-7er F01 und plötzlich wirkt der E65 schon fast zurückhaltend elegant im Vergleich zum Nachfolgemodell mit unnötig-riesigem Nierenkühlergrill.

Als dann 2003 auch der 5er der Baureihe E60 präsentiert wurde, hielt das Bangle-Design in großer Zahl Einzug in unser Straßenbild, doch der anfängliche Protest war nicht minder laut! Er sähe aus „wie ein Asiate“, schrieb so manche große deutsche Automobilzeitung und verstand das als negativ. Auch ich verstand das Bangle-Design nicht, schüttelte den Kopf beim Lesen von Interviews mit dem umstrittenen Designer, der stets von Design sprach, das nicht gleich gefallen dürfe.

Was er damit gemeint hat, zeigt sich heute. An die Bangle-BMW musste man sich im wahrsten Sinne des Wortes gewöhnen, die Mehrheit empfand die Fahrzeuge am Anfang als hässlich. Mittlerweile, nach 10 Jahren beim 7er bzw. 8 Jahren Verkehrspräsenz beim 5er sieht das anders aus. Diese Fahrzeuge sehen noch immer interessant aus, man sieht ihnen ihr Alter keineswegs an.

Schön sieht man´s am Beispiel der drei 5er-Generationen E39, E60 und dem neuen F10. Der E39 wirkt mittlerweile stark gealtert und beliebig, der aktuelle 5er sieht auf den ersten Blick zwar sehr elegant und stimmig aus, man hat sich jedoch sehr schnell an ihm satt gesehen. Jetzt gibts ihn ein Jahr und keiner sieht mehr bewusst hin, man kennt ihn ja schon.

Lediglich der E60 ist immer noch spannend, immer noch interessant und wird teilweise auch immer noch sehr kontrovers diskutiert. Das hat er wohl mit gutem Design gemeint, der Herr Bangle. Nur hat ihn keiner verstanden. Damals…

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Neuwagen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Bangle, der Visionär?

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Und der E65 und der F1 sind trotzdem fette Quallen ;->

  2. Lukas Wieringer schreibt:

    Der E65 hat in meinen Augen spätestens mit der Präsentation des F01 schlagartig an Eleganz gewonnen. Diese Rüsselschnauze des F01… Naja, ich sag lieber nichts mehr dazu.

  3. Pingback: Noch ein 3er? Krass! | Lukas Wieringer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s