Prince, Musik unter der Haube

Spätestens seit der Fast & Furious-Reihe, deren Fan ich ausdrücklich NICHT bin, ist der Nissan Skyline GT-R als sportlichster Nissan und als eines der japanischen Kultautos auch in Europa in aller Munde. Immer öfter sieht man rechtsgelenkte Skyline durch die Lande fahren, meist über England in die EU gekommene Japan-Importe. Doch wo kommt dieses Modell her und was hat es mit Prince zu tun?

Ursprünglich war das Modell Skyline die sportliche Limousine im Modellprogramm des längst untergegangenen japanischen Autoherstellers „Prince Motor Company„. Der Autohersteller Prince ging aus der „Tachikawa Aircraft Company“ hervor, die vor und während des zweiten Weltkrieges die berühmt-berüchtigten „Zero Fighter“ herstellte.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges änderte die „Tachikawa Aircraft Company“ aus Imagegründen ihren Namen in „Fuji Precision Industries“ und begann 1947 mit dem Bau kleiner Elektrofahrzeuge namens „Tama“. Der Tama war mit geschlossener Karosserie und als Pick-Up-Version erhältlich und leistete gute Dienste beim Wiederaufbau Japans nach dem Krieg.

Im Jahre 1955, mit dem Beginn der Serienproduktion erster benzingetriebener Wagen, wurde zu Ehren des Kronprinzen Akihito der Automobil-Zweig der „Fuji Precision Industries“ in „Prince“ umbenannt, wo 1957 das erste PKW-Modell vorgestellt wurde. In zwei Versionen verkauft, hörte es als sportliches Modell auf den Namen „Skyline“ und als Luxus-Modell auf „Gloria“.

Der Skyline

Von Anfang an stellte der Skyline eine überlegenswerte Alternative für Liebhaber sportlicher Premium-Limousinen dar und wurde sukzessive zur Modellfamilie mit Limousine und Kombi ausgebaut. Auch Pick-Up und Lieferwagen-Versionen wurden hergestellt und als „Skyway“ verkauft. Sportlich-luxuriöse Wagen mit Nutzwert, ein absolutes Novum!

Da mit dem steigenden Wohlstand auch in Japan die Nachfrage nach exklusiven und sportlichen Wagen stetig zunahm, wurde im Frühling 1960 der „Skyline Sport“ präsentiert, ein auf 500 Stück limitiertes, von Michelotti designtes und in Handarbeit gefertigtes zweitüriges Sportmodell, erhältlich als Coupe oder als Cabrio. Der Skyline Sport ähnelt in der Frontansicht dem berühmten „Rolls Royce Silver Cloud III Chinese Eye“.

Der Skyline Sport war mit einem 1.9 Litermotor mit 96 PS sehr ordentlich motorisiert und machte seinem Name alle Ehre. Unter einem europäischen Traditionslabel verkauft, wäre er wohl auch bei uns ein Erfolg geworden.

Die erste große Veränderung fand bereits 3 Jahre nach der Vorstellung des Skyline Sport statt. 1963 wurde die zweite Generation des Skyline vorgestellt, der Skyline S50. Technisch und optisch grundlegend überarbeitet und deutlich stärker in Richtung Sportlichkeit getrimmt. Mit dem Gloria hatte er nur noch die Technik gemein, optisch unterschieden sich die zweiten Generationen beider Modelle grundlegend!

 Mit der neuen Generation seines Erfolgsmodells und auf Grund des großen Erfolges der Wagen änderte der Hersteller seinen Namen nun endgültig in „Prince Motor Company“, für Bescheidenheit war jetzt kein Platz mehr. Beim Basismodell konnte man zwischen einem 70PS leistenden 1.5 Liter-Motor und einem neuen 1.9 Liter Motor mit 91 PS wählen, weiterhin als Sedan und als Kombi erhältlich.

Doch wirklich interessant wurde es erste im Folgejahr. Da wurde endlich das neue Topmodell der Baureihe präsentiert. Der Prince Skyline 2000 GT war mit einem 2 Liter Reihensechszylinder-Motor ausgestattet, wahlweise mit 105 PS und Einzelvergaser oder mit 125 PS und einer Doppelvergaser-Anlage. Als 125PS-Version war er serienmäßig mit Scheibenbremsen vorne, Sportsitzen, einer Differentialbremse an der Hinterachse und einem 5-Gang-Sportgetriebe ausgestattet und lehrte so manch scheinbar überlegenem Sportwagen das Fürchten.

Mit dem Skyline 2000 GT war die Prince Motor Company auch im Motorsport sehr erfolgreich, unter anderem fuhr man gegen den Porsche 904. Beim zweiten Japan Grand Prix erreichten die Prince Skyline 2000 GT einen großen Erfolg und errangen den zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Rang! Nur gegen den Porsche war kein Kraut gewachsen, aber der war ja auch keine Serien-Sportlimousine… 😉 DIe Konkurrenz von Nissan, Isuzu und Lotus wurde jedoch souverän auf die hinteren Plätze verwiesen.

Der Skyline S50 wurde bis 1968 produziert, Prince verkaufte in den 5 Jahren Produktionsdauer fast 115.000 Stück. Heute handelt es sich beim Skyline 2000 GT um ein sehr gesuchtes Kultauto, das beachtliche Preise erzielt und weltweit eine riesige Fangemeinde um sich scharrt.

Zwei Jahre zuvor, 1966, kam es zu einer grundlegenden Änderung, der Hersteller von luxuriösen Sport-Automobilen wurde vom großen Nissan-Konzern übernommen und die Fahrzeuge als Nissan/Datsun weitergebaut. Damit war der auch heute noch legendäre Nissan Skyline geboren, der sich in Japan bei Geschäftsleuten wie auch bei Tunern und Rennfahrer großer Beliebtheit erfreut und großen Kultstatus besitzt. Ein detailierter Modell-Stammbaum des Skyline folgt in einigen Tagen!

Der Gloria

Nach der Vorstellung der sportlichen Version des ersten benzingetriebenen PKWs von Prince, dem Skyline, wurde im Oktober 1958 die Luxus-Version namens Prince Gloria der Öffentlichkeit prädentiert!

Der Gloria war von Beginn an deutlich luxuriöser ausgestattet, mit Leder, Chrom und viel Edelholz im Innenraum, extradicken Chromleisten samt pompösen Radkappen außen. Um den Upmarket-Anspruch gegenüber dem Skyline zu betonen war der Gloria nur mit der Topmotorisierung mit 1.9 Liter Hubraum erhältlich.

Auch das Fahrwerk wurde aufgewertet, mit einer Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern vorne und einer De-Dion-Hinterachse wurde auch der damalige Kronprinz Akihito komfortabel durch die Lande kutschiert. Der Gloria war offizieller Wagen des Japanischen Königshauses!

Erst mit der zweiten Generation des Gloria 1962 änderte sich auch die Optik grundlegend, der Gloria war nicht mehr länger eine Upmarket-Version des Skyline sondern ein eigenständiges Automobil der Luxusklasse. Der Gloria II war nicht nur der erste Prince mit Reihensechser (2 Jahre vor dem Skyline 2000 GT) sondern auch das erste Luxus-Automobil Japans mit Dieselmotor!

Zum Modelljahr 1964 kam das Topmodell des Gloria II auf den Markt, der legendäre Gloria Super 6 mit 2.5 Liter SOHC Reihensechser und 134 PS Leistung. Im Vergleich zum Einstiegsmodell wurde der Super 6 mit noch luxuriöserer Innenausstattung, deutlich mehr Chrom an den Flanken und einigen goldenen Schriftzügen aufgewertet. Der damals geläufige Werbespruch für den Gloria amüsiert ürbigens auch heute noch: „Du musst kein König sein, um einen Prince zu genießen!“. 😉


Der Gloria II wurde bis 1967 gebaut und mit der Übernahme von Prince durch Nissan im Jahr 1966 in „Nissan Gloria Prince“ umbenannt. Die Gloria-Modellreihe wurde bei Nissan übrigens bis 2004 weitergeführt.

Soviel zum Einstieg in die Welt von Prince. Eine detailierte Skyline-Historie und ein Artikel zur Renngeschichte dieser ersten Premium-Marke Japans folgt in den nächsten Tagen. Ich freu mich drauf!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Prince, Musik unter der Haube

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Hab mich kürzlich mal mit einem alten BMW-Mitarbeiter unterhalten, der erzählt hat, dass Prince eines der Rollenvorbilder für die 02er Serie war – funny!

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Ich bin sowieso davon überzeugt, dass europäische und damit auch deutsche Hersteller viel mehr von den bösen und ach so schlechten Japanern abgeschaut und übernommen haben als der heimische Autochauvinist glauben möchte. Aber keine Sorge, es laufen Recherchen zu diesem Thema, ein Artikel wird folgen. Und das wird ein Augenöffner, jede Wette!

  2. Pingback: Die Nutzfahrzeuge von Prince « Lukas Wieringer

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