Zurück im Sattel!

Juni 2008, mein Impreza begann mich zunehmend zu nerven, für den ultrararen, aber nicht besonders alltagstauglichen Leone II hatte sich endlich jemand gefunden und bei mir schlug der Frust zu! Ich hatte die Schnauze voll vom schnellen Um-die-Kurve-wetzen und Drehzahlorgien bis 7200 Umdrehungen hängten mir auch beim Hals raus. Ich wollte endlich wieder gemütlich, komfortabel und relaxt in einem großen Wagen durch die Gegend kutschieren, das kann doch nicht so schwer sein!

Und dann war´s soweit! Beim Autohaus meines Vertrauens tauschte ein älterer Herr aus Wien seinen Hyundai Galloper 2.5 TD Intercooler Exceed Wagon ein und kaufte sich dafür einen Legacy. Zufällig hab ich vom Galloper erfahren und mich spontan entschieden, mir den Wagen anzusehen. Rein interessehalber… 😉

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Und auch wenn die Plastikradkappen katastrophal aussahen, viel zu kleine Reifen montiert waren und der Wagen im Innenraum komisch muffig roch, der Pflegezustand war bestechend. Der sehr rostanfällige Rahmen wurde regelmäßig gewachst, die Technik gewartet, eine Ausnahme unter gebrauchten Gallopern, wo einer schlimmer als der andere aussieht. Und natürlich war ich dem Fahrgefühl sofort verfallen!

Nach einer Woche Bedenkzeit kaufte ich den damals 8 Jahre alten Wagen mit 134.000km auf der Uhr zu einem sehr guten Kurs, der nur möglich war weil ich auf jegliche Gewährleistungsansprüche nach dem Kauf verzichtete. Darauf ließ ich mich ein. Wenn es um Pajeros geht wusste ich schließlich bereits genau, was mich erwarten würde.

Ich meldete ihn auf Wechselkennzeichen gemeinsam mit dem Impreza an, doch dessen Tage waren spätestens zu diesem Zeitpunkt endgültig gezählt! Nach ein paar Wochen unbeschwerten Cruisens mit dem Galloper folgen dann die ersten Umbauten und optischen Veränderungen, er sah nun endlich so aus, wie ein Geländewagen auszusehen hat => groß, hoch, bullig! Ein Bild von einem Auto:

Aufgrund der vielen Haltereinträge im Typenschein nahm ich mir im Sommer 2009 die Zeit und erforschte die bewegte Geschichte meines Gallopers. Der Erstbesitzerin wurde der Wagen wegen finanzieller Probleme bereits nach zwei (!) Wochen wieder weggenommen und der zweite Besitzer erlag drei Monate nach dem Kauf einem plötzlichen Herztod, sodass das Fahrzeug nach nicht ganz vier Monaten schon den dritten Besitzer bekam, einen Landwirt aus dem Zillertal. Der fuhr den Wagen einige Jahre und verkaufte ihn dann an einen Urlauber. Dabei handelte es sich um eben jenen Herrn aus Wien, der den Wagen beim Händler eintauschte, wo ich ihn kaufte.

Ich fuhr den Galloper mit sehr viel Freude zeimlich genau 30.000km lang. Egal ob es längere Autobahnetappen oder Ausflüge ins Offroadgelände Oberwart waren, das Fahrzeug machte überall eine gute Figur. Besonderen Spaß machte der Heckantrieb im Winter, durch den sanften Motor und den langen Radstand konnte man jede verschneite Kurve im kontrollierten Drift nehmen ohne jemals ein Gefühl der Unsicherheit aufkommen zu lassen.

Selbst als ich dann im Sommer 2010 meine jetzige Frau kennenlernte und mich langsam aber sicher in Richtung Wien orientierte, machte der Galloper eine gute Figur als Sightseeing-Shuttle durch die Wiener Stadt. Doch die häufigen Autobahnetappen zwischen Wien und Graz, verbunden mit der ultrakurzen Übersetzung (Tacho 100 mit 3000 U/min im fünften Gang) und der nicht vorhandenen Drehzahlfestigkeit des 4D56, bei Hyundai D4BH genannt, forderten ihren Tribut. Und Durchschnittsverbräuche von 13,5 Liter Diesel auf 100km waren mit meiner Jahresfahrleistung von fast 30.000km auch nicht wirklich optimal.

Einer Lösungsfindung kam der Galloper aber zuvor. Während einem Offroad-Ausflug Ende September 2010, damals standen 164.600km auf der Uhr, begann der Motor plötzlich zu klackern und zu rauchen. Und obwohl der Wagen uns danach ohne zu Murren nach Hause brachte, waren seine Tage damit gezählt. Nach dem Transport in meine Werkstatt lautete die Diagnose nur kurz und bündig „Motorschaden“. Wahrscheinlich brach ein Kipphebel, legte so einen Zylinder lahm und zerstörte auch ein Ventil. Der Wagen ging, ohne eine kostspielige Reparatur ernsthaft in Erwägung zu ziehen, an einen Bauunternehmer im Süden von Wien, der zufällig einen Galloper mit beschädigter Karosserie aber intaktem Motor hatte. Er erzählte von seinen Plänen, den guten Motor in meinen Galloper zu bauen und ihn dann zum Ziehen von Minibaggern zu verwenden.

Da stand ich nun da im Oktober 2010 in Wien ohne Alltagsauto, der Winter vor der Tür und kein brauchbares Fahrzeug in Sicht. Doch das ist eine andere Geschichte…

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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4 Antworten zu Zurück im Sattel!

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Erstaunlich, wie scheußlich die Radkappen ein Auto machen können…

  2. Pingback: The Camryman can… « Lukas Wieringer

  3. Pingback: Die Übergangslösung oder Das Leben ist kompliziert… « Lukas Wieringer

  4. Pingback: Prinzipiell eh super… | The way of drive...

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