Blick ins Internet I: Tradecarview

Sympathisanten und Liebhaber japanischer Autos sind auf ihrer Suche nach seltenen Ausstattungsvarianten und skurrilen Modellen bestimmt schon einmal auf tradecarview.com gestoßen. Die Betreiber dieser Website haben sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Auto-Export-Händler Japans mit Gebrauchtwagen-Interessenten weltweit in Kontakt zu bringen. So kann man aus über 18.000 (!) verschiedenen, gebrauchten Toyota-Modellen, aus über 1000 BMWs und im Moment sogar aus 35 Citroens wählen, direkt mit dem jeweiligen Händler in Kontakt treten und so die Weichen für einen erfolgreichen Import eines japanischen Gebrauchtwagens stellen.

Doch warum besteht weltweit eine so große Nachfrage nach Gebrauchtwagen aller Art aus Japan? Um diese Frage zu klären, werfen wir zuerst einen Blick auf die japanische Kultur. In Japan gelten gebrauchte Dinge aus zweiter Hand als unrein, bei Gebrauchtwagen werden oftmals sämtliche Teile des Innenraums, die am häufigsten berührt werden, beim Verkauf ausgetauscht. Hinzu kommt eine sehr rigorose Fahrzeugüberprüfung namens Shaken, ähnlich unseres §57a-Pickerls. Gebrauchte Fahrzeuge müssen alle 2 Jahre zur Übersprüfung ins Shaken-Testzentrum, eine Überprüfung kostet den Halter des Fahrzeugs oftmals deutlich über 1000 Euro. Durch die sehr strenge Überprüfung und die hohen Kosten, die für den Besitzer anfallen, werden viele Fahrzeuge nach 7 bis 8 jähriger Nutzung nicht mehr für Shaken aufbereitet und vorgeführt, sondern exportiert.

Allein im Jahr 2006 wurden mehr als eine Million Gebrauchtfahrzeuge aus Japan in alle Welt exportiert, der Gebrauchtwagenexport nimmt somit eine wichtige Rolle in der japanischen Wirtschaft ein. Der Vorteil für Käufer außerhalb Japans besteht darin, dass die Preise gebrauchter Fahrzeuge im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrig sind und die Fahrzeuge sich in der Regel in einem sehr guten technischen wie optischen Zustand befinden. Ein Japan-Kenner hat mir gegenüber vor einiger Zeit erwähnt, dass viele Fahrzeuge, die bei uns ohne große Reparaturen ein gültiges §57a-Pickerl erhalten, in Japan niemals die Shaken bestehen würden.

Ja warum holt man dann nicht viel mehr japanische Gebrauchtwagen nach Österreich, wo Japan doch größtenteils auf Streusalz verzichtet und die Fahrzeuge daher im Vergleich zu heimischen Modellen in ausgezeichnetem Zustand sind? Das Problem dabei ist der Linksverkehr in Japan. Bis auf einige europäische Modelle, die in Japan als Linkslenker gefahren werden, befindet sich beim Großteil der Fahrzeuge das Lenkrad auf der rechten Seite. Prinzipiell kein Problem, die Umstellung dauert nur ein paar Kilometer, und doch unpraktisch. Denn bei jeder Parkhauseinfahrt ist man auf einen kooperativen Beifahrer angewiesen, Überholen auf Landstraßen oder in manchen Situationen sogar das Einreihen in den Fließverkehr gestaltet sich sehr schwierig, wenn man als Fahrer im Rechtslenker fernab des Geschehens sitzt.

Mit tradecarview.com haben die Betreiber eine hochinteressante Nische besetzt. Die Idee, Verkäufer und Käufer in englischsprachigem Rahmen zusammen zu führen war längst überfällig und ist nicht umsonst von Erfolg gekrönt. Auch wenn sich ein Import der dort feilgebotenen Fahrzeuge nach Österreich in den meisten Fällen nicht lohnt, sorgt ein Besuch auf tradecarview.com doch immer wieder für gute Unterhaltung und interessante Einblicke in die Modellvielfalt von JDM-Fahrzeugen.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu Blick ins Internet I: Tradecarview

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Ach… Brite müsste man sein

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