Individualisten oben ohne

So mancher der mich kennt weiß, dass ich kein großer Freund von Cabrios bin. Dieser ständige Luftzug und das laute Rauschen des Fahrtwinds geht mir auf die Nerven, die Haare sind zerzaust und ein Sonnenbrand gehört auch fast zwingend zu einer Cabriotour. Selbst Schiebedächer mag ich nur als Glas-Aufstelldach, nie ganz geöffnet.

Und doch geht von Cabrios eine Faszination aus, der auch ich mich nicht entziehen kann. Vor allem wenn es um individuelle Cabrios geht, die fernab der Schicki-Micki-Kisten ala SL oder Boxster für kleines Geld zu haben sind. Dieser Artikel dreht sich um Cabrios für Individualisten, die für wenig Geld maximalen Spaß bieten, jede Kiste auf ihre ganz spezielle Art und in ihrem Segment. Denn es muss nicht teuer sein, im offenen Wagen in Richtung Sommer zu cruisen. Sperrt die Augen auf, vielleicht ist so manche Überraschung für euch dabei!

Laien glauben oft, Cabrios sind immer teuer, elitär und man muss Juwelier oder zumindest Facharzt-Gattin sein, um sich eine kühle Brise um die Nase wehen lassen zu können. Blödsinn, es gibt selbst allwettertaugliche Cabrios für ein paar Tausend Euro. Das beste Beispiel für ein offenes Spaßmobil ist wohl der Suzuki Vitara!

Zuschaltbarer Allrad samt Untersetzungsgetriebe, Cabrio-Fahrgefühl im Sommer und hohe Zuverlässigkeit dank bewährter Technik. Und das alles für deutlich weniger als 5000 Euro! Wer auf den Fahrkomfort eines W124 Cabrio verzichten kann und keinen Wert auf Macho-Optik ala BMW Z4 legt, kann mit einem Vitara der ersten Generation günstig und problemlos zwei Welten erleben, sprich Cabrio- und Offroadluft schnuppern. Der 1.6 Liter-Motor mit 80 bzw. 97 PS ist zwar kein Wunder an Leistungsausbeute oder Drehmoment, gibt sich aber mit 8 bis 9 Litern Benzin zufrieden und läuft beinahe ewig. Winterauto dank Allradantrieb, Sommerauto dank Cabrioverdeck und günstig auch noch. Was will man mehr?

Zum Beispiel mehr Fahrkomfort, jünger wird man ja bekanntlich nicht und so manchem PKW-Fahrer geht ein hoppeliger Vitara dann doch zu weit. Euch kann geholfen werden, wie wäre es mit einem Saab 900 Cabrio? Tut mir leid, wenn sich jetzt jemand freut, aber ich meine keineswegs das Original, sondern den 900er auf Opel-Basis.

Das von 1994 bis 1998 unter GM-Regie gebaute 900 Cabrio ist heute schon sehr günstig zu haben, kämpft jedoch mit Qualitätsproblemen. Rostende A-Säulen, Motorschäden beim Turbo-Benziner wegen Ölverkokungen und schlampige Verarbeitung kommen leider häufiger vor, daher wurde der 900 im Jahr 1998 nicht nur in 9-3 umbenannt, sondern auch in 450 Beuteilen optimiert und verbessert, um das Qualitätsniveau wieder zu steigern. Und so ist das 900 Cabrio, das häufig mit dem zahmen Zwoliter-Sauger mit 130 PS angeboten wird, in Sachen Kaufpreis zwar ein absolutes Schnäppchen, in Sachen Unterhaltskosten kann er sich jedoch zum Fass ohne Boden mausern. Vor allem dann, wenn seine Vorbesitzer komsequent bei Wartung und Pflege gespart haben.

Doch was wäre eine kleine Liste von Cabrios für Individualisten ohne den Chrysler LeBaron, die erste Wahl für Friseure in der Midlife-Crisis und exaltierte Unternehmersgattinnen?

Als typisches Kind der 80er wird der LeBaron heute von den meisten Verkehrsteilnehmern als peinliche Letzthand-Angeberschleuder wahrgenommen, die sich in der letzten Reihe mäßig erfolgreicher Gebrauchtwagenhändler die Räder plattstehen und langsam aber sich in Richtung Schrottpresse dämmern. Doch das hat der LeBaron nicht verdient! Klar, mein Kühlschrank hat im Inneren mehr Flair als das Armaturenbrett des LeBaron, doch die coolen Klappscheinwerfer und der zuverlässige, von Mitsubishi zugekaufte, V6-Motor mit 3 Litern Hubraum machen das locker wieder wett. Heute ist der LeBaron ein Trash-King, umweht von der Aura abgetragenen und völlig aus der Mode gekommenen Luxus´. Verlebte Exemplare gibts um eine Kiste gutes Bier, gepflegte Fahrzeuge dürften wohl nimmer billiger werden.

Jetzt ist wohl die schlechteste Zeit, sich ein Cabrio zu kaufen. Der Sommer steht vor der Tür, die meisten Leute gehen bald auf Urlaub und viele möchten oben ohne in die Sonne cruisen. Doch im Herbst, wenn die Tage merklich kürzer sind und sich der erste Nebel über die Wohngebiete der Vorstädte legt, ist die Zeit für Schnäppchenjäger gekommen.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Individualisten oben ohne

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Den Vitara kann man aber nicht ganz unkommentiert so stehen lassen – er ist ein wirklich schlimmer Roster und seine Verdeckmechanik ist leider auch nicht die beste – weder in der Ergonomie noch in der Qualität. Sonst ein tolles Auto, ohne Zweifel. Permanenter Allradantrieb würde ihn mir noch sympathischer machen.

  2. turboseize schreibt:

    Der Saab Vectra (als 900-Fahrer weigere ich mich, das Ding auch 900 zu nennen) ist jetzt soooo schlecht nicht. Technisch sind die Dinger sogar recht robust (was problematisch ist, weil sich dadurch ein erheblicher Wartungsstau einstellen kann…). Das Verdeck zickt gerne mal, und wie alle Saabmotoren fressen die b204 und b234 Kopfdichtungen zum Frühstück, das ist aber kein großer Akt und an einem Samstag mit etwas Fleisch auf dem Grill und ein paar Bier locker zu stemmen. Die Haltbarkeit der Turbolader hängt eigentlich nur von der Pflege- und Bedienung der Vorbesitzer ab: das Ding kann locker 400.000km halten, genauso kann man einen Lader oder einen Motor aber auch schon vor der 100.000er-Marke kaputt fahren, wenn man es darauf anlegt. Ölwechsel (mit gescheitem Öl!) spätestens nach 10.000km, und die Turbos nicht nur warm- sondern auch wieder kaltfahren und vor dem Abstellen nachlaufen lassen, dann hält der Antrieb ewig.
    Was dem Saab Vectra das Genick gebrochen hat war die Veropelung in einer Zeit, in der es um Opel nicht schlimmer hätte stehen können. Graues, ödes Hartplastik, wo im 900 noch Kunstleder war etc, dazu waren die ersten Autos noch übelste Klapperkisten. Ab ’96 hatte man die Fertigung aber halbwegs im Griff, am billigen Plastik ändert sich nichts, aber wenigstens knarzt und klappert die Kiste dann nicht mehr.
    Das Fahrwerk mit McPherson-Gelump vorne und Opel-Verbundlenkerachse hinten war grottenschlecht und nur zum Geradeausgleiten zu gebrauchen. Wer vom 900 kam, der dank seiner Doppeldreieckslenkervorerachse und der sehr leichten, straff und sauber geführten hinteren Starrachse für einen Fronttriebler unheimlich agil und mit sehr wenig Antriebseinflüssen zu fahren war, der mußte vom Vectra zwangsläufig derbe enttäuscht sein.
    Umsteiger von anderen Marken, die nur normale Fronttriebler kannten fanden das Fahrwerk von Vectra und 9-3 I oftmals sogar gut… naja.

    Fazit: wenn einen das Geradeausgleitwerk (FAHRwerk mag man das nicht nennen 😉 ) nicht stört, dann kann man mit dem Vectra sogar glücklich werden, sofern man einen späten kauft – frühe Autos sollte man meiden. Alternativ den Nachfolger 9-3I nehmen, der ist ausgereift.
    Geheimtip wäre der 2,5-Liter v6: Saab Vectra mag keiner haben, und den Opelmotor erst recht nicht. Natürlich fehlt ihm das bullige Drehmoment aus dem Keller der Saab Turbos, aber wenn man sich darauf einläßt ist das trotzdem kein schlechter Motor. Für Panik sorgt oft der zwischen den Zylinderbänken verbaute Öl-Wasser-Wärmetauscher, der auf verzögerte Wechselintervalle mit Undichtigkeit reagiert und dann gerne einen Kopfdichtungsschaden simuliert. Teile sind nicht teuer, aber die Arbeit ist recht aufwendig. Zweiter Minuspunkt sind die recht kurzen Wechselintervalle des Zahnriemens (die Vierzylinder dagegen haben Steuerketten), aber wenigstens kommt man gut ran.
    Dafür sind die v6 konkurrenzlos billig zu haben.

    Dann würde ich noch gerne auf den Artikel des Saab-blogs verweisen:
    http://saabblog.net/2013/02/22/saab-kult-einsteigen-mit-dem-saab-900-ii/
    sowie auf DAS Saab-Forum http://www.saab-cars.de, wo gerade an einer Kaufberatung gearbeitet wird.

    Wenn man ein Saab-Cabrio mit Fahrwerk will, muß man den 900 (als cab 1986-1994) oder den 9-3 II (2002-Schluß) nehmen, letzteren aber bitte erst nach dem 2006 „Lord Vader“-Facelift (davor war die Verarbeitung bescheiden, ab dem Facelift ist sie dann fast auf süddeutschem Niveau). Das kostet beides aber leider deutlich fünfstellig, wenn es etwas Gescheites werden soll.

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