Crossover-Stammbaum

Wie schon zuvor in einem meiner Artikel erwähnt, scheint „it´s all about looks“ im Moment einer der treffendsten Sprüche zu sein, der die Nachfrage nach Neuwagen bestimmt. Beinahe jede Marke, die in den letzten Jahren auf den Lifestyle-Zug aufgesprungen ist, bietet sogenannte „Crossover-Modelle“ an. Meist handelt es sich dabei um herkömmliche PKWs mit wuchtigen Stoßstangen und viel schwarzem Plastik, rund ums Auto verteilt.

Die treffendsten Beispiele für diesen fragwürdigen Trend, auch in Sachen Nomenklatur, kommen wohl vom VW-Konzern. Sieht man sich die beiden Modelle Cross-Polo und Cross-Golf an, so handelt es sich dabei um herkömmliche Klein- bzw. Kompaktwagen mit Frontantrieb, optisch auf Möchtegern-SUV getrimmt. Auch bei Citroen gabs diese Mode, wenn auch nur kurz, mit dem C3 X-TR:

Jetzt stellen sich einem natürlich zwei Fragen: Gibts einen Ursprung dieses Crossover-Designs? Und wer hat´s erfunden?

Tja, bei diesen Fragen scheiden sich die Geister. So manch ein Enthusiast behauptet, die Woodys (Kombis mit Holzbeplankung) in den USA der 40er-Jahre wären die ersten Freizeitfahrzeuge gewesen und damit legitime Vorläufer von Crossover-Modellen und von SUVs. Hier als Beispiel ein Chevrolet Fleetmaster Station Wagon aus dem Jahr 1948:

In Europa, wo man sich ja gerne und oft fälschlicherweise rühmt, in Sachen Automobil so ziemlich jede Neuerung erfunden zu haben, sieht man das natürlich wiedermal komplett anders. Ein herkömmlicher Kombi mit etwas Holz an den Flanken ist doch noch lange kein Crossover-Modell, tönt es besonders laut aus den Reihen der Matra-Fans. Oder sind es doch die Simca-Freaks? Und war da nicht auch noch Talbot? Was weiß ich! Prinzipiell geht es nämlich um den Talbot-Matra Rancho (1977 – 1983) auf Simca-Basis. 😉

Eines steht fest! Der Rancho war wohl wirklich das erste Fahrzeug, dass genau in diese Crossover-Schiene passt. Die Technik und die Basis von einem Frontantriebs-PKW, mit Plastikstoßstangen und reichlich Zierrat auf Offroad-Optik getrimmt. Als Vorläufer und Erfinder der Crossover-Mode kann er gelten, mangels Allrad als Vorläufer echter SUV wohl nicht.

Und wo gehören dann die ganzen Allradkombis hin, die in den 80er und 90er Jahre ganze Heerscharen von Land- und Tierärzten, Bauern, Förstern und Hüttenwirten motorisiert haben? Im Bild der AMC Eagle 4x4 als Wegebereiter dieser Klasse sowie der Toyota Tercel 4WD, der Corolla RV-Wagon 4WD und der Subaru Leone 4WD als Bestseller.

Doch Halt! wir entfernen uns eindeutig zu weit weg von den Crossover-Fakes, wie zu Beginn dieses Artikels erwähnt. Denn die vier obigen Wagen sind keine Blender, die optisch etwas hermachen wollen und in Wahrheit keinerlei wirklichen Nutzwert bringen, den nicht auch das Basismodell schon hätte, sondern Tiefstapler.

Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um kompetente Allradfahrzeuge, teils mit permanentem, teils mit zuschaltbarem Allradantrieb, ordentlich Bodenfreiheit und mehr Platz im Kofferraum als so mancher moderne SUV. Und das ohne optisch protzen zu müssen, ohne etwas darstellen zu wollen. Sympathisch, aber nicht die Antwort auf die Frage, wo die Crossover-Mode herkommt.

Ich muss zugeben, ich steige an diesem Punkt aus und gebe weiter an meine Leser! Welches Fahrzeug ist eurer Meinung nach der Wegbereiter und Erfinder der Crossover-PKWs ala Cross-Polo oder Citroen C3 X-TR? Schreibt mir einen Kommentar, ich bin sehr gespannt auf eure Vorschläge.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Crossover-Stammbaum

  1. Snorrsenkel schreibt:

    das erste suv-fahrzeug der kompaktklasse war sicher der subaru justy. nur war dieser, imgegensatz zu den heutigen trendmobilen auch in sachen antrieb kompetent ausgestattet: mit zuschaltbarem allrad und einem sehr kurz übersetzen ersten gang. plus immerhin 17cm bodenfreiheit.
    in deutschland wurde zudem noch schön pragmatisches zubehör von subaru angeboten. plastikwanne für den kofferraum, hundegitter, kuhfänger, anhängerkupplung. der ideale jagtbegleiter in größe „s“.

    die aktuellen cross-mobile lassen solche kompetenzen zwar schmerzlich vermissen, aber man kann sie immerhin problemlos auf steinigen feldpisten bewegen. zumindest im trockenen 😉 dank der plastikverkleidung sind steinschläge an der karosserie kein problem.

    würde man heute bei einer planungssitzung bestimmter konservativer deutscher „allradspezialisten“ den vorschlag unterbreiten, einen kleinwagen mit einem seriösen allradsystem und geländefahrwerk auszustatten, müsste man sich sicher bald nach einem neuen job umsehen, da der kundennutzen des fahrzeugs natürlich nur im rahmen einer wirtschaftlich sinnvollen gewinnspanne gewährleistet werden kann.

    letztendlich spricht aber sicher nichts dagegen lieber in einem richtigen geländewagen abseits der festen strasse zu fahren, als in fahrzeugen die nichts halbes und nichts ganzes sind.

    • YoungtimerBlog schreibt:

      Volle Zustimmung – und ausgerechnet Subaru lässt sich in dem Segment die Butter vom Brot nehmen. Wenn hier jemand in die Bresche springt, dann ist das künftig vermutlich eher Skoda oder Dacia

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