Das große Offroad-Projekt, Teil 5: Die Marktanalyse

Im Teil 4 des Großen Offroad-Projekts wurde es endlich konkret, die Modellauswahl stand an. Da der Kreis der in Frage kommenden Fahrzeuge nun auf sechs verschiedenen Modelle eingeschränkt werden konnte, sollten wir uns nun der Marktsituation widmen. Denn was nutzt die Festlegung auf ein bestimmtes Modell, wenn man es in Österreich so gut wie gar nicht mehr bekommen kann?

Eins gleich vorweg: Es geht hier um die Verfügbarkeit, das Preisniveau und die Zustände der in Frage kommenden und im Osten Österreichs angebotenen Modelle. Importe aus dem Ausland, Fahrzeugstandorte am Bodensee oder die typischen „ein Freund kennt da jemanden, dessen Cousin vom Nachbar seines Bruders einen spitzenmäßig erhaltenen Wagen um 450 Euro gekauft hat“-Geschichten finden keine Beachtung!

Sollte die Wahl auf einen Pajero L040 oder V20 fallen, wie sieht die Marktsituation aus?

Als beinahe die ganzen 90er Jahre hindurch meistverkaufter und beliebtester Geländewagen Österreichs sind die Chancen, einen Pajero V20 mit guter Substanz zu finden und für einen vernünftigen Preis kaufen zu können, immer noch sehr gut. Trotz regen Exporthändlern und sehr schlechter Rostvorsorge ab Werk sind noch genügend V20 am Markt, vom 2,5 TD-Schlachtfahrzeug für 1000 Euro mit Motorschaden und völlig versifftem Innenraum bis zum 15 Jahre von Opahand liebevoll gepflegten V6 3500 für über 10.000 Euro ist alles möglich. Sollte die Wahl auf einen V20 fallen, wird der Kauf wohl das kleinste Problem.

Daher die Wertung (von 1 bis 5 Kreuze, 5 stellt die Bestnote dar) für den Pajero V20:

Verfügbarkeit: ++++    Preisniveau: ++    Zustand der Fahrzeuge: ++    Liebhaberstatus: ++

Vom L040, der schließlich schon seit 20 Jahren nicht mehr gebaut wird, sind zwar noch einige im Alltagsbetrieb unterwegs, die Verfügbarkeit am Gebrauchtwagenmarkt ist allerdings in den letzten Jahren merklich schlechter geworden. Gute Exemplare unter 200.000km und mit wenig Rost sind nach wie vor in fester Hand, Zettel hinterm Scheibenwischer meistens nutzlos, und die wenigen inserierten L040 sollen nicht ohne gewichtigen Grund verkauft werden. Aufgerufene Kurse für diese L040 mit offensichtlichen Mängeln sind trotzdem heftig. Die Suche nach einem L040 mit guter und ehrlicher Substanz dürfte sich schwierig gestalten.

Verfügbarkeit: ++    Preisniveau: +    Zustand der Fahrzeuge: +    Liebhaberstatus: +++

Wie schauts da im Vergleich dazu mit dem Land Cruiser J73 aus?

Sucht man in den gängigen Gebrauchtwagen-Suchmaschinen nach J7-Land Cruisern, findet man einige wenige, meist völlig verrostete und verbastelte Kisten, die um viel zu viel Geld verkauft werden sollen. Möglicherweise haben die im Vergleich zum Pajero deutlich geringeren Verkaufszahlen und ein reger Export für eine solche Dezimierung des Angebots gesorgt, doch der wahre Grund liegt wohl doch woanders. Meiner bisherigen Erfahrung nach wechseln die meisten guten J7 unter der Hand den Besitzer, ohne jemals am Markt aufzutauchen. Das macht die Suche und den Kauf eines J7 nicht gerade einfach. Und zu allem Übel können J7er Land Cruiser noch so  rostig und niedergeritten sein, meist dauert es keine Woche, bis sie trotzdem den Besitzer wechseln, zu teils irre hohen Preisen.

Verfügbarkeit: +    Preisniveau: +    Zustand der Fahrzeuge: ++    Liebhaberstatus: ++++

Der Patrol Y61 2.8 TD-6 war bei uns zwar nie ein Verkaufsschlager, müsste aber trotzdem reichlich zubekommen sein. Oder?

Prinzipiell schon, ja. Aber wie immer im Leben ist die Sache etwas komplizierter. Man kann zwar aus einigen Patrol TD-6 wählen, doch die meisten davon leiden an multiplen Gebrechen. Undichte Vorderachsen, stark verschlissene Schaltgetriebe, Zylinderkopf- und Motorschäden, durchgerostete Karosserien und Rahmen gehören leider oftmals dazu. Der Großteil der bei uns verkauften Patrol wurden gekauft, um Anhänger durch die Lande zu ziehen. Mehr noch als andere Geländewagen, der Patrol war DER Geländewagen zum Anhänger-schleppen. Keine Baumarktanhänger mit Kompost aus dem Schrebergarten, sondern Doppelachser mit Minibaggern oder Marktständen drauf. Und das merkt man den Gebrauchtfahrzeugen meist auch an. Dazu kommt noch das Dauerthema Rost. Also Augen auf beim Patrol-Kauf, durch sehr hohe Ersatzteilpreise wirken sich übersehene Mängel und vorhandene Schwachstellen noch schwerwiegender aufs Budget aus als bei anderen Fahrzeugen.

Verfügbarkeit: +++    Preisniveau: ++    Zustand der Fahrzeuge: ++    Liebhaberstatus: ++

Wie bitte, den Galloper sehen wir uns auch noch mal an? Wird ja gleich sein wie beim Pajero…

Könnte man glauben, aber leider ist es nicht ganz so einfach. Besonders das Thema Langzeitqualität schlägt beim Galloper negativ zu. Mittlerweile sind die am Markt befindlichen Galloper zwischen 9 und 13 Jahre alt und leiden am günstigen Neupreis und den damit verbundenen Einsparungen bei der Qualität. Das merkt man nun deutlich.  Besonders im Vergleich zu älteren Pajeros. An gebrauchten Gallopern blättert der Lack von den Stoßfängern, Rahmen und Karosserie leiden (oft gut verborgen) an erheblichen Rostschäden die Technik ist meist an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Klar sind auch sehr gepflegte Exemplare im Umlauf, doch die werden nur selten verkauft. Und wenn sie auftauchen, dann viel zu teuer. Der Galloper kostete als Neuwagen 20.000 Euro, heute will so mancher Händler zwischen 7000 und 9000 Euro für ein 11 Jahre altes Exemplar. Illusorisch.

Verfügbarkeit: ++++    Preisniveau: ++    Zustand der Fahrzeuge: ++    Liebhaberstatus: +

Was hält der Markt eigentlich für Interessenten des Daihatsu Rocky 2.8 TD bereit?

Nächste Frage… Im Ernst, der Rocky war schon als Neuwagen ein Exot, das macht im Jahr 2011 die Suche nach einem gebrauchten Rocky nicht gerade einfacher. Vor allem, weil die meisten Exemplare gnadenlos benutzt, geschunden und weggeworfen wurden. Die im Moment in Österreich zum Verkauf stehenden Rockys kann man mit den Fingern einer Hand locker abzählen, mehr werden es wohl nicht werden. Als seltener Youngtimer und absoluter Exot auf jedem Treffen in 10 Jahren ein Geheimtipp, als Alltagsauto für jeden Tag mit Laternenparkplatz keine so gute Idee. Preisniveau gibts keins, meist handelt es sich um Liebhaber- oder Freundschaftspreise unter Bekannten, einen Markt für Rockys gibts nicht mehr.

Verfügbarkeit: +    Preisniveau: k.A.    Zustand der Fahrzeuge: k.A.    Liebhaberstatus: +

Jetzt gilt es, den Markt zu beobachten, sporadisch zu Probefahrten mit in Frage kommenden Fahrzeugen aufzubrechen und abzuwägen, welches Fahrzeug das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet und am besten für den von mir gelebten Alltag geeignet ist. Das Herz sagt Pajero oder Rocky, der Mechaniker meines Vertrauens sagt Land Cruiser J73 und der Genießer in mir würde gerne mit einem Patrol mit Sechszylinder-Diesel durch die Lande schnurren.

„Es bleibt spannend“, hab ich bisher immer geschrieben. Das möchte ich gerne auf „Jetzt wirds erst so richtig spannend!“ ändern, denn nun geht´s los. Schließlich soll im Mai 2012 ein Geländewagen vor der Türe stehen.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Das große Offroad-Projekt, Teil 5: Die Marktanalyse

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Der Rocky war eh ueberschaetzt – wir bleiben gespannt!

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