„Die Entdeckung Amerikas“

… titelt das Editorial von Malte Jürgens zum Thema „Was ist dran an transatlantischen Oldies?“ in der MotorKlassik, Ausgabe 10/2010. Der erzkonservative Liebhaber englischer Roadster versucht darin zu ergründen, warum Oldtimer und Klassiker aus den USA in den letzten Jahren so starken Zulauf erleben und welche Charaktereigenschaften besagter Fahrzeuge diese Faszination auslösen könnten. Doch so sehr diese Ausführungen auch stimmen mögen, ganz logisch erscheint mir bloß eine Tatsache nicht: Warum erfreuen sich Amis so großer Beliebtheit, Japaner der 70er aber nicht? Wie ich drauf komme? Lest weiter, dann wisst ihr es!

So meint Jürgens unter anderem: „Hätten die Eruopäer mehr Platz auf ihren Straßen und in ihren Städten gehabt, wäre die amerikanische Welle aus Chrom, Raum und Heckflossen vielleicht auch zu uns rübergeschwappt.“ Stimmt das? Zumindest für die 70er Jahre kann das nicht mehr gelten. Denn damals gab es sehrwohl chrombehängte und prunkvoll verzierte Fahrzeuge zu kaufen, die aber niemand wollte oder zumindest niemand es wert fand, sie zu erhalten. Genau, die Japaner mit dem berühmt-berüchtigen „Nippon-Barock“ der frühen Jahre. Optisch teils an US-amerikanische Vorbilder angelehnt, teils sehr eigenständig und mutig designt, verkörpern sie die Andersartigkeit im Vergleich zum europäisch-schlichten Design ebensogut wie Ami-Schlitten dieser Zeit.

Der bekannte Designer Paolo Tumminelli (Der heißt wirklich so! 😉 ) charakterisiert amerikanische Modelle als „Selbstbewusst bis zum Exzess, unvernünftig groß und oft skurril“. Recht hat er damit. Doch den Run auf klassische Amis erklärt auch das nicht. Denn ich kenn da ein Land, aus dem in den 70ern optisch in der gleichen Liga spielende Fahrzeuge kamen, die auch mit skurrilem Design punkten, die Nachteile der Amis mit deutlich alltagstauglicheren Ausmaßen und Motorisierungen jedoch geschickt vermieden. 🙂

Nachfolgend vier Japaner für Fans amerikanischen Designs. Vier Fahrzeuge für Liebhaber des relaxten Cruisens, die aber keinen Wert auf Weihnachtskarten ihres Tankwarts legen. Vier Klassiker mit amerikanischem Design, ohne Hubraum-Exzess und Größen-Übertreibung. Was will man mehr…

Mazda 929 LA4, ganz nach Ami-Manier jährlich ein Facelift mit geänderter Optik. Besonders zu empfehlen die Ur-Version von 1979, im Idealfall als Luce mit rahmenlosen Seitenscheiben (Ja, den gabs auch bei uns!).

Toyota Crown MS112. Als Topmodell „SuperSaloon“ nicht nur namentlich der amerikanischste Japaner ever:

Oder solls eine Marke sein, die es nicht mehr gibt? Bitte sehr, bei Datsun wird man fündig: Wie wär´s mit einem Laurel?

Zu schlicht, zu wenig exzentrisch? Dann hilft nur der Griff zum Cedric, bei uns hieß er Datsun 260C oder auch Cedric:

Nicht jeder mag diese optisch schwülstigen und technisch sehr einfachen Fahrzeuge, doch diese Eigenschaften teilen sie mit den meisten Amis. Ist es widermal die tiefsitzende Abneigung gegen die „Herausforderer aus Fernost“, die die Japaner an den Rand der Oldtimerszene drängt oder liegts an den vielen Filmen aus den USA, in denen man die Pontiac, Oldsmobile und Chevrolet um die Kurve driften sah, den Laurel oder den Crown jedoch nicht?

Eins steht fest: Das Linksverkehr/Rechtslenker-Handicap der Japaner kann nicht der einzige Grund sein, warum zwar so viele alte Amis aus den USA nach Europa importiert werden, alte Japaner aber sogut wie gar nicht.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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Eine Antwort zu „Die Entdeckung Amerikas“

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Der Crown hat wirklich nie eine ausreichende wuerdigung erfahren – weder fuer seine US Coolness noch fuer seine restlichen Qualitaeten 😦 wenn die chinesen demnaechst beginnen, oberklasseautos zu exportieren, muss man sich die vielleicht besser ansehen

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