Qualität statt Quantität

Ich gebs ungern zu, aber Wien hat mich verändert! Mich, den Autosüchtler, der jeden Tag zumindest ein paar Kilometer fahren musste, um sich zu spüren. Ich bin geläutert, regelrecht umgepolt. Und wer hat geschafft, was die letzten 26 Jahre unmöglich schien? Die Stadt Wien und der tägliche Wahnsinn auf ihren Straßen. Mittlerweile zählt für mich die Qualität einer Fahrt deutlich mehr als früher. Wie kam´s dazu?

Wer mit offenen Augen durch Wien marschiert wird feststellen, dass ein hoher Prozentsatz der Autos mit dem W am Kennzeichen verbeult, verschrammt, zerdellt und vermurkst sind. Wien hat zwar naturgemäß die geringste Zahl an Verkehrstoten aller Bundesländer in Österreich, aber die Zahl der kleinen Unfälle, Rempeleien und Kaltverformungen des teuren Blechs übersteigt die kühnsten Vorahnungen. Kein Wunder, teils ist der Verkehr wirklich mörderisch. Wer sich eine Stunde an den großteils dreispurigen Gürtel stellt, egal auf welcher Höhe, der wird überrascht und schockiert sein, wieviele Beinahe-Unfälle, Hupkonzerte und mit dem Stinkfinger fuchtelnde Fahrer man da erleben kann. Mit Fahrspaß hat das nichts mehr zu tun, eher mit Streß und Druck von allen Seiten.

Hinzu kommt die verdrießliche Parkplatzsituation in den Einkaufsstraßen, es ist einfach zu wenig Platz für zu viele Autos. Wer zum Beispiel in der Währinger Straße versucht, mit einer bimmelnden Straßenbahn im Nacken sein 4,65m langes Auto in eine 4,80m kurze Parklücke zu wuchten, verliert den Spaß am Autofahren recht schnell.

Um es nicht soweit kommen zu lassen, habe ich einen zumindest für mich weitreichenden Entschluss gefasst! Und zwar hab ich mir eine Monatskarte für die Wiener Linien besorgt. Seitdem genieße ich die Freiheit, ohne Verantwortung für mein Auto durch die Stadt zu fahren, egal wohin und egal um welche Urzeit. Ich kümmere mich nicht mehr um drängelnde 911 mit Töchtern russischer Businessmen am Steuer, mich stören kontaktparkende Präpotenzler mit übersteigertem Selbstbewusstsein und unübersichtlichen Vans nicht mehr. Ob jetzt Rush-Hour ist oder nicht, ich bin immer gut drauf. Nervige Alltagsfahrten im Stadtgebiet werden mit Bus und Bahn absolviert und Ja, es ist viel angenehmer als mit dem Auto!

Und wenn ich mich dann ins Auto setze, dann macht´s Spaß! Denn dann wird bewusst und lustbetont gefahren. Dann röhrt der Boxer durch den Wienerwald oder gleitet über die Autobahn, dem Horizont entgegen. Dann tanzt die Nadel des Drehzahlmessers lustbetont zwischen der 2000- und der 6000-Markierung und die CDs im Radio rotieren bis sie so heiß sind, dass man sie kaum noch herausnehmen kann. Und wenn ich nach einer lustvollen und bewusst genossenen Fahrt dann parke, die rahmenlose Türe lässig ins Schloss fallen lasse (Zitat Youngtimer-Blog: „Der Don Johnson-Moment des Subaru-Fahrers“) und der Wagen knisternd abkühlt, dann war das Geld für jeden Liter Superbenzin gut angelegt!

Und kann man sie nicht mehr fühlen, diese Passion, diese Leidenschaft für die Fortbewegung auf vier Rädern, dann wird es Zeit, den Alltag möglichst autofrei zu gestalten. Denn nur so kommt sie zurück, die Freude am Fahren!

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Autos, Österreich, Städtetour abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Qualität statt Quantität

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Nach einem Jahr in der Großstadt hab ich meine eigene Lösung gefunden und mir erst mal ein Cabrio gekauft – und mit dem genießt man tatsächlich wieder sehr bewusst

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s