Die Pajero V20 Rost-Kaufberatung

Hier dreht sich alles um eine detailierte Kaufberatung für den Pajero V20 in Sachen Rost. Egal ob an Karosserie oder Rahmen, hier erfahren Pajero-Interessierte, worauf man in Sachen Gammel beim V20 wirklich achten muss. Im nächsten Teil geht´s dann um die Technik und einige konkrete Kauftipps. Viel Spaß bei der Rost-Kaufberatung aber Vorsicht: Nicht geeignet für sensible Zeitgenossen und Neuwagenfahrer! 😉

Punkt 1: Die Karosserie

Wenn man vor einem Pajero steht, sollte man sich zu allererst die Karosserie ansehen. Im Prinzip geht es dabei um die klassischen Punkte, die jeder Fernseh-Checker rauf und runter betet: Stimmen die Spaltmaße, sind Wellen im Lack (Spachtel), ist Rost an den Radläufen deutlich sichtbar, sind Lichter oder Scheiben beschädigt? Sollte man auf den ersten Blick nichts erkennen, kann man sich der genauen und Pajero-spezifischen Karosseriekontrolle widmen.

Öffnet man die Heckklappe, sind links und rechts in den Ecken der Karosserie-Öffnung zwei schwarze, relativ große Gummi-Stopfen mit Kreuz-Muster zu sehen. Diese Gummi-Stopfen gehen relativ leicht raus. Auf keinen Fall einreden lassen dass sie geklebt sind, da rein zu schauen ist sehr wichtig beim V20!

Wenn man mit einer Taschenlampe in diese Öffnungen leuchtet, sieht man die Karosserie-Ecken am Heck wunderbar. Dort kommen 3 Bleche zusammen (Heckabschluss, Endspitzen und hintere Seitenwände). Wenn dieser versteckte Bereich deutlich rostig ist, dann ist es ratsam, die Finger von dem Auto zu lassen.

Wenn man schon einmal am Heck steht kann man sich auch gleich die Hecktüre ansehen. Da lauert oft unentdeckter Kantenrost am unteren Falz auf ganzer Länge sowie an der Heckscheibendichtung und rund um den Nummerntafel-Aufsatz aus schwarzem Plastik.

Auch sollte man sich die Chrombleche auf der hinteren Stoßstange genau ansehen. Die Teile sind minderwertig verchromt und damit sehr rostanfällig. Daher kann man meist pauschal sagen: Sind die Bleche gepflegt und nur leicht rostig, wurde das Auto gepflegt. Sind die Bleche stark verrostet, verkratzt und verbeult, wurde das Auto vernachlässigt. Und wenn diese Bleche neu sind, heißt es doppelt aufpassen! Denn dann ist ein ausgefuchster Verkäufer am Werk, der um die Schwachstellen des V20 weiß und es versteht zu tarnen und zu täuschen.

Die hinteren Radhäuser und Radläufe sind ebenfalls starke Rostherde, jedoch mit einem entscheidenden Vorteil: Man erkennt Rost bzw. Durchrostungen schnell und einfach, dank der Rahmenbauweise ist nichts verschachtelt oder unübersichtlich, man weiß sofort was Sache ist:

Widmen wir uns nun dem Vorderteil des V20. Zwischen den Blinker/Standlichteinheiten und den Plastik-Ecken der vorderen Stoßstange rostet der Kotflügel am Übergang zum Frontblech im Verborgenen gerne und heftig, wenn man es sieht, ist´s oftmals schon zu spät.

Um die vorderen Kotflügel und Radläufe unter den Verbreiterungen der GLS-Modelle zu kontrollieren, nimmt man im Idealfall die Blinker/Standlichteinheiten raus. Das klingt wild, ist aber mit einer gut sichtbaren und zugänglichen Kreuzschlitzschraube möglich und sehr schnell und beschädigungsfrei hin zu kriegen. Wenn die Blinker draußen sind kann man sehr gut die Innenseite der vorderen Radläufe und Kotflügel sehen und auf Rost kontrollieren.
Wenn an der Innenkante deutlicher Rost zu erkennen ist kann man sich denken wie es unter den Verbreiterungen aussieht. Pickerl-relevant ist der Rost unter den Verkleidungen NICHT, denn es werden ja bei der §57A-Überprüfung keine Verkleidungen demontiert und man sieht sehr lange nichts davon.

Beginnender Rost in den Radhäusern wird gerne übersehen und fällt erst so richtig auf wenn sich Löcher zeigen. Prinzipiell würde man es mit einem Blick ins Radhaus, im Idealfall mit einer Taschenlampe, schnell erkennen. An den typischen Stellen sammelt sich Dreck und Matsch und sorgt dann für Durchrostungen, die sehr schwer zu beseitigen sind:

Wie im dritten Bild zu sehen befällt die braune Pest auch die tragenden Partien, an denen die Karosserie am Rahmen festgeschraubt ist. Ein schwerer Mangel, der die Fahrsicherheit des Fahrzeugs stark einschränkt! Sollte an dieser Stelle bereits geschweißt worden sein oder dick Unterbodenschutz aufgetragen sein, Finger weg!

Und dass jetzt bloß keiner denkt, diese Beispielbilder kämen von mindestens 20 Jahre alten Fahrzeugen, ein ungepflegter Pajero aus einer Gegend mit salzreichen Wintern kann auch nach 8 Jahren schon so aussehen!

Punkt 2: Der Rahmen

Ein riesiges Kapitel für sich. Bei ungepflegten Fahrzeugen oft nach 8 Jahren durchgerostet, darf der Rahmen in Österreich nur von einem Karosseriebau-Meisterbetrieb in Stand gesetzt werden um jemals wieder auf legalem Wege ein Pickerl zu bekommen. Sehr teuer!

Wenn der Rahmen tiefschwarz und wie neu glänzt, besser die Finger von dem Auto lassen! Denn dann wurde mit frischem Bitumen-Unterbodenschutz entweder großflächiger Rost verdeckt oder es sollen Pfusch-Reparaturen getarnt werden, die beim nächsten Pickerl für eine Katastrophe sorgen werden. Besonders Händler kaschieren auf diese Art sehr häufig angerostete und von großflächigem Flugrost befallene Rahmen um einen höheren Preis zu erzielen.

Anfällig auf Durchrostungen ist prinzipiell das ganze letzte Drittel des Rahmens, von dem Aufwärts-Bogen vor der Hinterachse bis zur Heckstoßstange. Am Beginn des Bogens vor der Hinterachse sind zahlreiche ovale und runde Löcher im Rahmen. Steckt man dort den Zeigefinger rein, weiß man sehr schnell und einfach, wie es im Rahmen aussieht.Sollte man dort drinnen lose Metallteile finden ist der Rahmen schon ganz ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Wenn an dieser Stelle viel feuchter Dreck und Schlamm im Rahmen ist weiß man, dass der Wagen viel im Gelände, im Wald und bei winterlichen Fahrbahn-Verhältnissen bewegt wurde und nicht viel Pflege genossen hat.

Einige Beispiele für typische Rostschäden am tragenden Leiterrahmen. Sieht es so aus, ist der Wagen im Normalfall ein Kandidat für den Export nach Osteuropa:

Bei dieser Gelegenheit kann man sich gleich die Innenseite des Rahmens ansehen, denn dort laufen Leitungen rauf, die ganz gern im Verborgenen gammeln.

Ein weiterer Schwachpunkt des Rahmens sind die runden Querträger über der Hinterachse und über dem Tank. Um diese Stellen am einfachsten zu kontrollieren bockt man den Wagen am Rahmen (wichtig, nicht an der Hinterachse!) mit einem Wagenheber auf sodass er jeweils mit einem der Hinterräder ausfedert. Dann sieht man sehr schön die Löcher der Querträger. Links und rechts ein großes Loch, in der Mitte ein Kleines.

Die beiden großen Löcher sind die Querträger, das kleine Loch ist das Loch für den Rahmen-Zwischenraum, der sich dadurch ergibt. Dieser Zwischenraum hat am Boden ein kleines Abflussloch, das sehr schnell verstopft. Wahrscheinlich ist der Zwischenraum voll mit feuchtem Dreck und Sand. Wenn der Boden dieses Zwischenraumes durchgerostet sein sollte kann der Federwegbegrenzer der Hinterachse beim Verschränken nachgeben und sich nach oben in den Rahmen drücken => Das Aus für das Auto, spätestens beim nächsten Pickerl-Termin!

Auch sollten die kleinen Ablauflöcher hinter der Vorderachse nicht verklebt oder verstopft sein, schon gar nicht mit Unterbodenschutz verschmiert. Den allgemeinen Zustand der vorderen Hälfte des Rahmens erkennt man am Besten bei geöffneter Motorhaube. Aber in der Regel rostet die vordere Hälfte des Rahmens nicht durch, da sie nicht im Spritzwasserbereich der Räder liegt und sich damit nicht mit Dreck und Sand füllt. Dennoch sollte man den Rahmen alle zwei, spätestens jedoch alle drei Jahre mit einem Schlauch und viel Wasser gründlich spülen, gut trockenen lassen (auch innen!) und mit Wachs versiegeln.

Punkt 3: Dies und das

Bei vernachlässigten Fahrzeugen oder bei Exemplaren aus Gegenden mit harten, langen Wintern kann der Tank durchrosten, meistens auf der Oberseite um die Spritpumpe. Meist kann er dann nur noch bis knapp über die Hälfte gefüllt werden, sonst kommt einem der Treibstoff wieder entgegen. Sollte das der Fall sein bleibt meistens nur ein Austausch des löchrigen Tanks. Teuer!

Besonders rostanfällig sind auch die Sprit- und Bremsleitungen, die gilt es genau zu kontrollieren, denn der Austausch ist teuer und mit viel Arbeit verbunden.Sind sie mit Unterbodenschutz zugeschmiert soll wohl deren fortgeschrittener Rostbefall vertuscht werden. Wirklich gut kontrollieren kann man sie jedoch nur mit dem Wagen auf einer Hebebühne.

Der Endtopf der Auspuffanlage ist beim Pajero recht kurzlebig, die durchschnittliche Lebensdauer beträgt 3 bis 5 Jahre je nach Nutzungsprofil. Besonders gerne rostet das Endrohr im Verborgenen am Bogen über der Hinterachse durch. Beim Beschleunigen mit Vollgas hört der Kenner das etwas kernigere Pfeifen des Auspuffs im Vergleich zum intakten Modell, für Pajero-Laien ist es fast nicht möglich, das Geräusch als solches zu erkennen.

Auch nicht vergessen sollte man den Rahmen und die Umgebung des großen Schiebedachs der GLS-Versionen mit langem Radstand, wo sich gerne Rost bildet und oft bis zum ersten Wassereinbruch unentdeckt bleibt. Eine Reparatur dieser Stelle mit Beibehaltung des Glasdachs ist sehr teuer. Am besten sieht man sich die Umgebung des Glasdachs bei geöffneter Luke (nona) im Fahrzeug stehend an.

Nachfolgend zusammengefasst die wichtigsten Punkte in Sachen Rost am Pajero V20:

  • Endspitzen/Karosserie-Ecken hinten
  • Unterkante Hecktür
  • Innenseiten Radläufe vorne
  • Übergang Frontblech – Kotflügel
  • GL/GLX Sicke Seitenschweller
  • Schiebedach-Rahmen Wagon
  • Rahmenbogen vor Hinterachse
  • Rahmen-Zwischenraum über Hinterachse
  • Sprit- und Bremsleitungen
  • Tank
  • Auspuff
  • Schiebedachrahmen

Lukas

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