Das große Offroad-Projekt, Teil 9: Lasst die Suche beginnen…

Da nun schon seit einiger Zeit fest steht, dass ein Pajero V20 als Ausgangsbasis fürs Große Offroad-Projekt 2012 herhalten soll, wird es langsam Zeit, den Markt zu sondieren. Auf den ersten Blick müsste diese Aufgabe schnell und unkompliziert zu lösen sein. Schließlich gibts in Österreich stets an die 100 ge- und verbrauchte Pajero V20 TD zu Preisen zwischen 1.000 und 10.000 Euro und mit Kilometerständen zwischen 50.000km und 450.000km. Doch stürzt man sich in den Markt, schaut sich einige Autos an oder versucht man gar, mit Verkäufern auf vernünftiger Basis über ihre Autos zu sprechen, wird einem schnell klar, dass es sich dabei um keine einfache Aufgabe handelt…

Im recht kleinen Österreich, in dem Land der eingebildeten Hofräte und ungestraft korrupten Politiker, in dem jeder jeden zu kennen scheint, tauchen die wirklich guten und gesuchten Fahrzeuge einfach nicht offiziell am Gebrauchtwagenmarkt auf. Man gibt sie in der Familie, im Bekanntenkreis oder am Stammtisch weiter, ohne dass auch nur einmal ein Inserat erschienen wäre. Bei gebrauchten Geländewagen japanischer Herkunft, die aufgrund der harten Winter, aggressiven Streusalzes und unzureichender Pflegementalität meiner Mitbürger oft schon nach 10 Jahren am Ende sind, aber einen ausgezeichneten Ruf in Sachen Zuverlässigkeit besitzen, ist diese Art des Besitzerwechsels besonders häufig.

Und so kann man davon ausgehen, dass auch ein Großteil der, vor allem im Internet, inserierten Pajeros im Bekannten- und Freundeskreis keiner haben wollte. Meist aus gutem Grund. Sieht man sich einige Fahrzeuge an, die als „rostfrei“ (mit allen drei Augen zugedrückt!) angeboten werden, meist mit „neuem Unterbodenschutz“ (Hilfe!) versehen und garantiert alle 7.500km gewartet wurden (nur leider ist das Serviceheft verloren gegangen…), läuft man Gefahr, frustriert hinzuschmeißen. Das mag für unbedarfte und ahnungslose Jahreswagenkäufer auch das Beste sein, doch mich halten solche Rückschläge nicht vom Ziel ab. Denn es gibt sie, die wirklich guten V20! Irgendwo da draußen…

Mittlerweile hab ich mir aus Zeitmangel und privaten Problemen erst ein Fahrzeug angesehen, vom Händler feilgeboten. Gleich vorweg: Einer der beiden grandiosen Pajeros auf den Beispielbildern, die ihr hier seht, war es nicht. So schmerzfrei und optimistisch bin nicht einmal ich. 😉 Doch wirklich hilfreich war der Abstecher zum Mitsubishi-Händler bei Tulln nicht.

Der besichtigte V20 war ein 2.8 TD GLS Metal Top in Grün aus dem Jahr 1996, angeblich mit erst 100.000km auf der Uhr und aus Erstbesitz. Mag schon gestimmt haben, aber die 7000 geforderten Euro waren trotzdem ein Produkt der blühenden Phantasie des Händlers. Denn ein kurzer Blick auf Rahmen und Unterboden hat gereicht und ich bin wieder abgehauen bevor noch ein Verkäufer kommen konnte. In den großflächig stark angerosteten Längsträgern, zentimeterdick gefüllt von feuchter Erde und Dreck, lagen Daumennagel-große Rostblättchen und auch der gesamte Unterboden war zumindest an den Stellen, die man durch die dicke Dreckkruste erkennen konnte, rostmäßig ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Meist bieten Händler in diesem Fall eine „Aufbereitung“ an, was soviel bedeutet wie „Wir waschen den Dreck an den sichtbaren Stellen runter und spritzen dick Bitumen drauf.“. Inakzeptabel! 3000 Euro wäre die Schmerzgrenze, wenn man keinen Wagen mit Zukunft braucht. Eine Woche drauf war er verkauft, wahrscheinlich um 6500 Euro…

Das Problem am gebrauchten Alltags-V20 für kleines Geld ist die hohe Nachfrage aus dem Nutzfahrzeug-Sektor (Holzschlägerungsunternehmen) und der Landwirtschaft („Ich brauch einen Zugwagen für meinen Viehtransport-Anhänger.“), dazu kommt der rege Export. Das sorgt für eine stabiles Hoch der Preise, und zwar fernab jeglichen realistischen Fahrzeugwerts. Hohe Unterhaltskosten und Reparaturkosten kommen dann noch oben drauf.

Eins sollte man bei aller Euphorie nicht vergessen: Ein alter V20 als Alltagsauto ist ein Spielzeug und lässt sich keinesfalls vernünftig erklären! Man muss bereit sein, ein Auto mit handfesten Schwächen, zu erwartenden teuren Reparaturen und hohen Unterhaltskosten durch den Alltag zu bugsieren. Für Idealisten und Fans sehr lohnend, rein rechnerisch wohl nicht zu rechtfertigen. 😉

Die Suche geht weiter…

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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