Der Toyota-Krieg

Wir schreiben das Jahr 1987, der Grenzkrieg zwischen Libyen und dem Tschad wütet bereits seit neun Jahren. Das libysche Militär, zahlenmäßig deutlich überlegen, liefert sich zermürbende Schlachten mit den Verteidigern des Tschad. Doch eine Entscheidung sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Als Unterstützung liefert Frankreich seinen Verbündeten im Tschad 400 Toyota Pick-Ups mit Panzerabwehrraketen auf der Ladefläche. Binnen weniger Wochen wendet sich das Blatt, die libysche Armee verliert 800 Kampf- und Schützenpanzer und fügt sich notgedrungen einem Waffenstillstand.

Dieser Konflikt ging als „Toyota-Krieg“ in die Geschichte ein und begründete den sagenhaften Ruf der Toyota Pick-Ups in Afrika und weit darüber hinaus.

Wie die Kalaschnikow gehört auch der Toyota Pick-Up zum bevorzugten Equipment von Kriegern in aller Welt. Neben dem teuren Land Cruiser HZJ79, DEM Heavy-Duty-Arbeitsgerät aus dem Hause Toyota, kommt traditionell auch stets der Hilux zum Einsatz, ein deutlich günstigerer und nicht ganz so stabiler Pritschenwagen, zum Einsatz. Mit wenig Elektronik, einfachen Saugdiesel-Motoren mit viel Hubraum und wenig Leistung sowie kompromisslos auf Haltbarkeit ausgelegten Fahrgestellen sind die Heavy-Duty-Cruiser die idealen Autos für die sogenannte „Dritte Welt“. Egal ob Ärzte ohne Grenzen, Bürgerkrieger oder das Rote Kreuz, überall und jederzeit kommt ein Toyota Pick-Up zum Einsatz.

Doch dieser beispiellose Erfolg des vielleicht wirklich besten Autos der Welt (Schönen Gruß an VW!) sorgt für zwei Probleme:

Nicht nur in Libyen setzen Rebellen ebenso wie Gaddafi-Getreue auf die Pritschenwagen von Toyota, sehr zum Leidwesen so manches Nato-Kommandeurs. Denn durch diese beispiellose Toyota-isierung von Kriegsgebieten falle es aus der Luft immer schwerer zu unterscheiden, wer denn da jetzt unterwegs sei. Vor allem bei geplanten Angriffen mit Drohnen auf Konvois entsteht so ein größeres Risiko, „die Falschen“ zu treffen.

Das kleinere Übel ist das Imageproblem für Toyota. Dreht man den Fernseher auf und es läuft zufällig eine Nachrichtensendung, sieht man garantiert so manchen Pick-Up mit auffälligem TOYOTA-Schriftzug durchs Bild kurven, egal ob mit Geschütz oder Hilfsgütern auf der Ladefläche. Eine unbezahlbare Werbung und der Beweis der unglaublichen Robustheit dieser Fahrzeuge, ja, und doch nicht unproblematisch. Als zum Beispiel Videoaufnahmen der al-Quaida aus Afghanistan auftauchen, die den Kommandeur Muhammed Atef und den ideologischen Führer Ayman al Zawahiri in karger Landschaft vor einer Flotte von Land Cruisern sitzend zeigen, sah sich Toyota genötigt, in einer Pressemitteilung darauf hinzuweisen, dass in den fünf vorangegangenen Jahren nur ein Land Cruiser offiziell nach Afghanistan importiert wurde. Doch diese Zurückhaltung änderte sich plötzlich, als die UN-Organisationen an den Hindukusch strömten und Toyota in Kabul eine Niederlassung errichtete. Detail am Rande: Für den Land Cruiser bürgerte sich in ganz Afghanistan rasch der Begriff „Toyota Taliban“ ein.

Technical“  nennt man solche Pritschenwagen mit Bewaffnung in der offiziellen Sprache der Militärs. Meist versteht man unter dieser Bezeichnung einen handelsüblichen Pick-Up mit Maschinengewehren oder anderen Waffen auf der Pritsche, der sich schnell und wendig bis an die Front begeben und dort das Gebiet mit Unterstützungsfeuer beschießen kann. Die Bezeichnung Technical geht zurück auf den Bürgerkrieg in Somalia, der seit 1988 wütet. Da die Vereinten Nationen vor Ort wirkenden Hilfsorganisationen die Anstellung auswärtigen Wachpersonals untersagten, gewährten diese Organisationen ihren Mitarbeitern eine Ausrüstungszulage, womit diese vor Ort Wagen und Fahrer bezahlen konnten. Im Laufe des UN-Mandats nahm die Bewaffnung dieser Wagen stetig zu.

Robuste Technik, die sich selbst unter Extrembedingungen bewährt, ist das Erfolgsrezept der Heavy-Duty-Reihe von Toyota. Sowas spricht sich herum, auch unter bösen Buben. Wer sich für den Weltuntergang rüsten möchte oder in seinem Leben einfach nur ein Auto für die Ewigkeit braucht, wird hier fündig: http://www.toyota-gib.com/.

Wierus

Bildmaterial: (c) AP, AFP, Getty, Reuters

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Der Toyota-Krieg

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Toyota ärgert sich seit Jahren, dass sie das marketingseitig nicht gescheit ausschlachten können – ebenso wie über die tatsache, dass in allen median berichtet wurde, dass Bin Laden einen LC fuhr.. ;->

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