Meine Bilanz der Verschrottungsprämie

Anfang 2009 ging der Irrsinn namens Verschrottungsprämie auch in Österreich an den Start. Obwohl bei uns bloß jeder 14. Arbeitsplatz irgendwie an der Autoindustrie hängt (Zulieferer, Montage, Entwicklung, Logistik etc.) und die in Österreich produzierten Autos (allesamt hochpreisig) keineswegs zu den Gewinnern der Prämie zählen, gab es 1500 Euro für den Kauf eines Neuwagens bei gleichzeitiger Rückgabe und Verschrottung eines mindestens 12 Jahre alten, fahrbereiten Autos.

Für die Besitzer von trostlosen Letzthandhütten mag die Prämie ja sinnvoll gewesen sein, sind doch viele Golf II und Astra F dankenswerterweise 😉 den Weg alles Irdischen gegangen, doch selbst Besitzer von Youngtimern und wirklich seltenen Liebhaberautos machten nicht davor halt, ihre Schätzchen für ein paar Euro zu opfern. Ich möcht euch zwei kurze Geschichten über die Zeit der großen Prämie und meine Auto-Rettungsversuche erzählen:

Im April 2009 bekam ich eine kurze Nachricht, dass jemand beim größten Toyota-Händler in Graz einen Toyota Corolla E7 in einwandfreiem Zustand geopfert habe, es gäbe aber unter Umständen noch die Chance, den Wagen für 1500 Euro zu retten und so vor seiner Verschrottung zu bewahren.

Gesagt getan, ich schrieb meine Kontakte in der europaweiten Alt-Japanerszene an und suchte intensiv nach einem Retter für den silbernen E7. Eine Woche drauf war wirklich jemand gefunden, ich kontaktierte den zuständigen Herrn beim Händler und wollte die Papiere klarmachen, als es plötzlich hieß dass es schon zu spät sei, man könne schließlich nicht auf jeden Idealisten Rücksicht nehmen… Reizend, wenigstens bekam ich dann als zusätzliches Salz in der Wunde noch Fotos vom Abtransport des Fahrzeugs zugeschickt!!

Deutlich erfreulicher verlief die nächste Rettungsaktion eines „Prämienopfers“, die ich mit Hilfe eines Bekannten in die Wege geleitet und durchgezogen habe. Ebenfalls in Graz kam jemand, wohl an geistiger Umnachtung leidend, auf die Idee, seinen 1971er Toyota Corolla E2 mit dem ultraseltenen Toyoglide-Automatikgetriebe bei einem Nissan-Händler zu opfern! Zwar rundum etwas rostig und mit Steinschlagschutz gestrichen, aber mit gültigem Pickerl und problemlos fahrbereit.

Über einen Bekannten erfuhr ich von dem Fahrzeug und klemmte mich mit besonders großem Engagement dahinter, den kultigen Kleinwagen zu retten. Dank der Kooperation des Nissan-Händlers gelang es mir, über das größte deutsche Toyota-Forum einen Liebhaber aus Thüringen ausfindig zu machen, der den Corolla recht bald darauf gekauft und gleich abgeholt hat. Auch von diesem Wagen bekam ich Bilder der Abholung, doch die stand unter einem deutlich besseren Stern. Die Fahrt absolvierte der kleine Corolla übrigens problemlos und ohne Panne, dankbar für seine Rettung wie ein struppiger Hund aus dem Tierheim.

Klar war die Rettung des Corolla E2 nicht einmal ein Tropen auf den glühenden Stein Abwrackprämie und doch erfüllt es mich bis jetzt mit Stolz, zumindest ein rettenswertes Fahrzeug vor der sinnlosen Verschrottung bewahrt zu haben. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele rettenswerte und gut erhaltene Old- und Youngtimer für neue Kleinwagen geopfert wurden, denn das volle Ausmaß hätte mir wahrscheinlich den Schlaf geraubt. Von einem Fiat Regatta Weekend und einem Westfalia-T2 hab ich noch gehört, ob diese Fahrzeuge jedoch gerettet wurden oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nach einigen Monaten war der Spuk dann wieder vorbei und mit etwas Glück besinnen sich unsere Regierungen auch in Zukunft wieder auf die wirklich wichtigen Probleme. Künstlich geschaffener Absatz kurzlebiger aber zumindest neuer Kleinwagen gehört da wohl nicht dazu!

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Meine Bilanz der Verschrottungsprämie

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    Das war in Deutschland leider genau dasselbe – aber ich gestehe: Keiner von uns war ein solcher Held! Weiter so!

  2. snorrsenkel schreibt:

    alles halb so schlimm…
    bei unserem schrottplatz ein paar ortschaften weiter, stehen z.b. nissan 280zx, toyota mr2, mazda rx7 „wohl behütet“ in einer halle. es handelt sich dabei um ehemalige abwrackautos, die leider nur noch in teilen verkauft werden dürfen.
    für solche fahrzeuge besteht dann zulassungsverbot und die fahrgestellnummer wird entfernt.

    ich kann zwar nicht für alle autoverwerter sprechen, aber ein seltenes liebhaberauto landet in der regel nicht blind in der schrottpresse!

  3. Pingback: Verlebt müssen sie sein… « Lukas Wieringer

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