Die vergessenen Subaru Sondermodelle

„Die Straße ist ein Ort voller Überraschungen. Bereiten Sie sich mit 4×4 mehr Sicherheit darauf vor.“. So titelte Anfang 1997  eine Werbebroschüre der heimischen Subaru-Händler. Auf den ersten Blick 0815-Werbung, doch wer sich die Mühe macht und einen zweiten Blick riskiert, stolpert über völlig unbekannte und vergessene Österreich-spezifische Sondermodelle. Das erste und wohl einzige Mal im Internet, nur bei mir: Die Fakten zu Impreza Scout, Impreza Special Edition, Legacy Scout und Legacy Allroad.

Here it goes:

Mitte der 90er Jahre boomte das Segment der „Softroader“, „Crossover“ und wie sie alle hießen, ausgelöst primär durch den Toyota RAV4 ab 1994. Doch abseits dieser Lifestylewelle waren PKWs mit Allradantrieb und mehr Bodenfreiheit bei Nutzanwendern im landwirtschaftlichen Bereich und bei Bewohnern gebirgiger Regionen schon lange sehr gefragt, der Erfolg von Toyota Tercel 4WD und Subaru Leone nur logisch. Modisch war was anderes, doch langsam aber sicher reichte nur praktisch nicht mehr.

Selbst der eigenwilligste Autohersteller Japans musste in wenig mit der Zeit gehen, doch die Voraussetzungen war nicht die Besten. Der Forester stand erst in den Startlöchern, der Outback war 1997 mit einem Basispreis von 470.000 Schilling (34.000 Euro!!) einfach zu teuer für die breite Masse und der herkömmliche Legacy 2.0 GL war optisch nicht gerade ein Reißer. Also dachte man sich bei Subaru Österreich, man könnte ja auf Basis des Legacy GL einen Einsteiger-Outback kreieren. Heraus kam fürs Modelljahr 97 der Legacy Scout:

Der Scout wurde ab Werk in Zweifarbenlackierung bestellt, die längeren Federn zur Höherlegung und die Outbackfelgen kamen dann je nach Kapazität entweder bei der Firma Lagermax oder erst bei den Händlern drunter bzw. drauf. Mit einem Preis von 358.164 Schilling (ca. 26.000 Euro) war der 2.0 GL Scout mit 115 PS nicht nur in der Anschaffung und im Unterhalt deutlich günstiger als der Outback, bis auf einige Ausstattungsfeatures musste man beim Scout auch auf nichts wesentliches verzichten.

Doch es ging noch günstiger. Ein Jahr darauf folgte das Sondermodell Legacy Allroad, ein herkömmlicher 2.0 GL, von den Subaru-Händlern umlackiert, höher gelegt und mit dem Logo beklebt.

Mit dem gehobeneren Outback hat der Allroad nichts mehr zu tun, die Ausstattung war puristisch wie gewohnt, bis auf die Klimaanlage lenkte nichts vom eigentlichen Zweck dieses Fahrzeugs ab. Der Allroad war primär dazu da, sich bei schlechtem Wetter auf unwegsamen Straßen durch zu beißen. Was er auch stets verlässlich tat, neben mangelhafter Pflege und mäßigem Rostschutz der Hauptgrund für die sehr geringe Überlebensrate dieser Fahrzeuge. Der Audi A6 Allroad Quattro kam übrigens erst 1999 mit diesem Namen auf den Markt. Wer hat´s erfunden? Die bei Subaru!

Doch auch beim Impreza gabs an der Sondermodell-Front interessante Neuigkeiten zu vermelden.

Angelehnt an den Legacy Scout bastelte man bei Subaru Österreich auch an einem Gelände-Impreza, angelehnt an den ebenfalls 1997 in den USA präsentierten Outback Sport. Der Impreza Scout war sowohl mit 1.6-Liter als auch mit dem 2.0 Liter Boxer zu haben, zum Einstiegspreis von 269.864 Schilling (ca. 19.600 Euro).

Umgebaut ebenfalls bei den Händlern, zeitweilig bei der Firma Lagermax, bot der Impreza Scout mehr Bodenfreiheit und eine repräsentative Zweifarblackierung, sonst nichts weiter. Macht auch nichts, denn wegen der Bodenfreiheit und dem ausgezeichneten Allradsystem wurde er gekauft, nicht wegen seines Quasimodo-Hecks.

Doch das bemerkenswerteste Sondermodell, dass Subaru in den letzten 30 Jahren angeboten hat, kommt am Schluss! Hat schon einmal jemand etwas vom Impreza Special Edition gehört? Nein? Macht nichts, dafür bin ich ja da! 😉

Beim Impreza Special Edition handelt es sich um 1997er 2.0 GL Kombis mit 115 PS, die mittels eines normalerweile nur dem japanischen Markt vorbehaltenen Optikpakets aufwendig zum Möchtegern-SUV umgebaut wurden. Ursprünglich stammten die Zubehörteile vom „Impreza Gravel Express„, einem ausschließlich in Japan erhältlichen Sondermodell auf Basis des Impreza WRX 2.0 Turbo Kombi.

Bis auf die Turbo-Motorhaube mit Hutze und Lufteinlässen war unser „Impreza Special Edition“ optisch ident mit dem Gravel Express, selbst die zweizeilige Nummerntafel war notwendig. Leider blieb der Special Edition aufgrund des hohen Preises (Basismodell 320.000 Schilling + 50.000 Schilling Umbaukosten => ca. 27.000 Euro) in Österreich eine absolute Rarität, es dürfte sich dabei um den seltensten Impreza Österreichs handeln, auch wenn die Turbo-Fahrer das nicht gerne hören werden! 😉

Bei der klassischen Subaru-Klientel kam der Umbausatz, der keinen praktischen Nutzen hatte, sondern mit dem schwenkbaren Reserverad den Zugang zum Kofferraum deutlich erschwerte, gar nicht gut an und so wurden solche Experimente sehr schnell wieder gestoppt. Der Special Edition verschwand in der Versenkung, es kennt ihn hierzulande niemand mehr. Ob es wohl überlebende Exemplare gibt? Ich hab erst ein (!) Exemplar gesichtet, vor vielen Jahren in Graz im Univiertel mit Kärntner Nummerntafel. Ob es den Wagen noch gibt?

Wierus

Mein besonderer Dank geht ans Autohaus Windhaber in Stubenberg am See, einem der ersten Subaru-Händler Österreichs für die Hilfe und Unterstützung bei der aufwendigen Recherche für diesen Artikel. Danke Franzi!

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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3 Antworten zu Die vergessenen Subaru Sondermodelle

  1. Franz schreibt:

    Gratuliere dir zu diesem tollen Artikel.

    lg

    Franz

  2. allrader schreibt:

    …wir sind ja Fans der Diana-Modelle – aber gab es die in Österreich….?

    • Lukas Wieringer schreibt:

      Nein, ein Sondermodell unter dem Namen „Diana“ gab es nicht in Österreich. Legacys und Impreza wurden auf Kundenwunsch jedoch öfters höher gelegt und mit Jagdzubehör wie Kofferraumwannen und Gewehrhalter ausgestattet. Die meisten Jäger fahren jedoch Geländewagen, keine Subarus.
      L

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