Das Einwinterungs-Chaos

Pünktlich zum Beginn der Streusalzsaison quellen die einschlägigen Fachblätter wieder über. Keine Zeitschrift und keine Internetseite kommt ohne ausgiebigen Ratgeber zum Thema „Einwintern“ von Oldtimern und Liebhaberfahrzeugen aus. Doch in diesen gut gemeinten Ratgebern werden nicht immer nur hilfreiche Tipps und Tricks verraten, wie das Schätzchen gesund die kalte Jahreszeit überdauert, oftmals wird mit vermeintlichen Tipps aber auch gehörig übertrieben.

Da ist die Rede von Luftentfeuchtern im Innenraum, so manch besorgter Oldtimerbesitzer sprüht über die Zündkerzenöffnungen WD-40 in die Brennräume („mindestens 30 Sekunden lang sprühen“), dass der Motor nicht festgeht und auch wegen dem Sprit im Tank wird meist ein großes Drama veranstaltet. Das Fahrzeug solle unbedingt abgedeckt werden, da Staub schwerer ist als Lack und somit milimetertiefe Kratzer am Lack hinterlassen könnte, wissenschaftlich angehauchte Besitzer sprechen von den negativen Effekten der „Tankatmung“ (Luft zieht sich wegen unterschiedlichen Temp. im Tank zusammen und dehnt sich aus) in Verbindung mit Wasserablagerungen und  besonders Besorgte stecken ölige Fetzerln in jede Körperöffnung. Ihres Fahrzeugs! 😉

Doch welche Maßnahmen sind wirklich notwendig, um Schäden zu vermeiden? Meiner Erfahrung nach reichen vier Dinge, um sich Dramen nach dem Winterschlag zu ersparen:

1. Den Luftdruck auf mehr als 3 bar erhöhen erspart rumpelige erste Ausfahrten, der Reifen steht sich nicht eckig und bleibt geschmeidig. Luft ablassen im Frühling nicht vergessen! 😉

2. Der Tank sollte wirklich voll gefüllt werden, dann bildet sich kein Kondenswasser an der Tankinnenseite, der Tank rostet nicht und man kann sofort in die erste Ausfahrt starten.

3. Die Batterie abklemmen kann nicht schaden, im Idealfall hängt sie über den Winter an einem Erhaltungsladegerät, in meinem Fall wird sie über den Winter komplett entladen und mittels Starthilfekabel wieder zum Leben erweckt. Nicht die optimale Lösung weil es die Lebensdauer der Batterie schmälert, ich hatte jedoch noch nie Probleme.

4. Nach der letzten Fahrt sollte der Wagen mit gelöster Handbremse stehen gelassen werden, auf keinen Fall die Handbremse ziehen. Nachdem man den Wagen abgestellt hat, ruhig ein paar Zentimeter vor und zurück schieben, dann liegen die Bremsklötze nicht auf der Scheiben auf und man kann gleich kontrollieren, ob die Bremse steckt oder schön frei ist.

Einen trockenen Standplatz in einer ruhigen Umgebung setze ich voraus, das muss nicht mehr extra erwähnt werden. Doch wenn der Wagen nur ein halbes Jahr steht, reichen die vier oben erwähnten Dinge locker aus, um im Frühjahr problemlos wieder starten zu können. Meine bisherigen Sommerautos starteten nach 6 Monaten Pause beim ersten Mal so selbstverständlich, als wären sie nur eine Nacht stillgestanden.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Das Einwinterungs-Chaos

  1. Noch ein weiterer Tipp, der weniger technisch als vielmehr kosmetisch ist:
    Wenn ältere Autos längere Zeit geschlossen stehen, werden sie innen gern muffig.
    Dagegen hilft eine Tasse voll Kochsalz irgendwo sicher und kippfest hingestellt. Das zieht für die nächsten Monate die Feuchtigkeit an und kostet dabei viel weniger als Profiluftentfeuchter mit gleicher Wirkung. Zudem noch eine Tüte Kaffeepulver offen vor den Beifahrersitz locker hingestellt macht das Einsteigen im März/April viel angenehmer.

  2. turboseize schreibt:

    Das Volltanken gilt auch für Fahrzeuge mit Plastiktank. Der rostet zwar nicht, aber der Kraftstoffpumpe gefällt das Kondenswasser auch nicht.

    A propos Kraftstoffpumpe: Sollte man einmal einen Wagen wiederbeleben, der nicht nur einen Winter, sondern eher einige Jahre gestanden hat empfiehlt es sich vor dem ersten Startversuch die Benzinpumpe zu entnehmen und zu kontrollieren. In verdorbenem Sprit vergammeln nämlich gerne die Ansaug“rüssel“ – wenn die Pumpe dann deren Reste einsaugt war’s das.

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