Wundersame Begierde

Es kommt der Tag im Leben eines Autofreaks, an dem man sich dabei erwischt, einem Auto nachzuschauen, von dem man niemals geglaubt hätte, dass man es sympathisch finden würde. In den letzten Wochen ist mir das bei drei Modellen aufgefallen, die bisher in meinem Kopf und auf meinem Auto-Radar keinerlei Rolle gespielt haben. Plötzlich empfinde ich eine Art Sympathie für diese Fahrzeuge, wo vorher nur Gleichgültigkeit war.

Wundersame Begierde, die Erste: Der Saab 9-5 Aero

Ja, ihr in der Wolle gefärbten Saab-Fans, es ist kein lupenreiner Saab mehr. Die Basis stammt von GM und so mancher Motor wurde auch in Opels Astra und Vectra verbaut. Doch solange der Zündschlüssel zwischen den Vordersitzen platziert ist, unter der Haube ein Turbobenziner ordentlich Dampf macht und das Armaturenbrett aussieht, wie direkt aus einem Flugzeug entlehnt, stimmt das Bauchgefühl. Zumindest bis zum großen Facelift 2005 kann beim 1997 erstmals präsentierten großen Saab auch die Optik überzeugen. Ein 1.9 Liter Diesel in Weiß mit Buchhalterausstattung samt Radkappen geht natürlich gar nicht, aber als 2,3 Liter Turbo Aero und einigen Zubehörteilen der Firma Hirsch-Performance (siehe Foto) wird aus dem Möchtegern-Vectra der letzte (halbwegs 😉 ) echte Saab.

Wundersame Begierde, die Zweite: Der Daihatsu Feroza

Ein kleines, wendiges Cabrio mit Allradantrieb und ohne Nachfolger von einer Marke, die 2013 vom europäischen Markt verschwindet. Dass ich nicht schon viel früher auf den Feroza aufmerksam geworden bin, wundert mich selber. Dank seines 1600er Benzinmotors mit 95PS verschonten ihn Waldarbeiter und Anhängerzieher und dank seiner kompakten Ausmaße und der übersichtlichen Karosserie kauften ihn gerne ältere Damen, um damit im Stadtverkehr mit zu schwimmen. Daher finden sich noch immer sehr brauchbare Exemplare des Feroza mit wenig Rost und geringer Laufleistung, auch wenn der Import des von 89 bis 99 produzierten Hoppels bei uns bereits 1997 eingestellt wurde.

Wundersame Begierde, die Dritte: Der Audi A8 D2

Und wieder wird so mancher an meinem Verstand zweifeln beziehungsweise sein Bild von mir etwas zurecht rücken müssen. Aber ja, ich bleib dabei, der erste Audi A8, gebaut von 94 bis 99, hat was. Als erster Großserien-PKW mit Vollaluminiumkarosserie gebührt ihm ein Platz in der Automobilgeschichte und als Audis Wegbereiter in die Oberklasse natürlich auch. Besonders positiv am frühen A8 fällt die dezente Optik auf, so ganz ohne präpotent-peinlichen Riesenkühlergrill oder den affig-gebogenen Tagfahrleuchten, die sie besser den Autoscooter-Wägelchen überlassen hätten. Ja, heute handelt es sich bei den meisten noch nicht nach Polen exportierten A8 um rollende Mängellisten, die nur darauf warten, das Geldtascherl ihrer Besitzer gierig leer zu saugen, aber anschauen kostet nichts und den schönen Sound vorbeifahrender 4.2 V8 gibts auch gratis. Paaaaßt!

Bei Zeiten wirds wohl einen zweiten Teil von Wundersame Begierde geben, spätestens dann, wenn ich mich wieder dabei erwische, Autos sympathisch zu finden, die ich bisher noch nicht einmal bewusst wahrgenommen habe. Man darf gespannt sein, ich bin´s auch…

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Geländewagen, Youngtimer abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Wundersame Begierde

  1. Domi schreibt:

    Kenne dieses Gefühl auch zu gut. Plötzlich scoute ich nach Lexsus LS400, Volvo 2er/7er/9er, Peugeot 604, Frontera A, MB/Puch 400, Renault 5 und Porsche 944/928. Wo ich doch sonst auf Alfa Romeo und VAG 80er Jahre eingeschworen bin…

  2. Pingback: Opas Opel « Lukas Wieringer

  3. turboseize schreibt:

    Der 9-5 ist ein wirklich schönes Auto, das auch gut fährt. Allerdings sollte man sich unbedingt vorher eingehend mit der Materie befassen, denn der 9-5 bietet so einige richtig böse Fallen. Die turbotypischen Basics behutsam warmfahren, kaltfahren, vor dem Abstellen nachlaufenlassen setze ich dabei aber schon als bekannt voraus…

    Fangen wir bei den Dieseln an:
    – der Opel 2.2 ist rau, laut und halbwegs sparsam, das schwere Auto damit jedoch hoffnungslos untermotorisiert. Außerdem kann man die Enteignungszonenplakette damit vergessen…
    – der 1.9 kommt von Fiat, nervt mit defekten Drallklappen und verkokter Abgasrückführung, ist aber sonst brauchbar. Auch für den gibt’s bzw gab’s von Hirsch ein kleines Update – spätetstens damit läuft der auch halbwegs. Allerdings darf man den 1.9 im 9-5 *keinesfalls* als Handschalter kaufen – irgendwas ist da bei der Anpassung derbe schiefgegangen, die Kisten dröhnen furchtbarst. Als Automat dagegen i.O.
    – für den 3.0 TiD gilt FINGER WEG! Der große Diesel kommt von Isuzu und hing dort angeblich recht luftig in einem Pickup. Im kleinen und bis ins letzte Eck vollgestopften Saabmotoraum fühlt sich der Motor gar nicht wohl. Die thermischen Probleme hat man bei Saab nie in den Griff bekommen. Zu allem Überfluß fehlt dem kurz übersetzen Getriebe der sechste Gang, das Drehzahlniveau auf der Autobahn ist viel zu hoch. Die Folge: die Laufbuchsen senken sich, die Kiste fängt an Kühlwasser zu saufen. Irreparabler Motorschaden. Hinzu kommen noch Einspritzpumpen, die regelmäßig ausfallen… (auch wenn es jetzt eine Fa. geben soll, die die überarbeitet).
    Es hat seinen Grund, daß Saab alles daran gesetzt hat, die Autos wieder von der Straße zu holen. Die 3.0TiD wurden zu absurd hohen Preisen in Zahlung genommen, um dann an Verwerter zu gehen, die sich verpflichten mußten dafür zu sorgen daß die Autos nie wieder in Westeuropa auf die Straße kommen. Zu Recht!

    Die Benziner sind grundsätzlich sehr feine Motoren, leiden aber auch an hausgemachten Problemen:
    – in den ersten Baujahren sind die Kolben etwas fragil und schon mit dem serienmäßigen Ladedruck völlig ausgereizt.
    – Die 2.3er sind NICHT drehzahlfest. Leistung für 240+ Dauertempo ist zwar ausreichend vorhanden, leider zerlegt sich nach der zweiten Stunde das Pleuellager #3, wenn man Pecht hat schweißt das Pleuel fest und zerlegt dann den Block… Dauerdrehzahlen über 5000/min sind unbedingt zu vermeiden!
    Im Prinzip dasselbe Problem wie beim Vorgängermotor b234 im 9000. Dort hatte man das ab 1992 durch eine pervers lange Übersetzung kaschiert, was durch das immense Drehmoment ohne weiteres möglich war. Dieselbe Lösung bietet sich auch im 9-5 an: man kaufe den 2.3er mit Automatik! Die ist bedeutend länger übersetzt und der Wagen damit auch autobahnfest.
    – allen Motoren gemein ist die Ölschlamm- und Verkokungsproblematik. Die Motoren sind thermisch recht hoch belastet und Turbolader sind sowieso Motorölkiller. Dummerweise hat man bei GM aber Ölwechselintervalle von 20.000 bis 30.000km vorgeschrieben – viel zu lang!
    Daß Saab es erst im sechsten Versuch hinbekommen hat, eine funktionierende Kurbelgehäuseentlüftung zu konstruieren kommt noch hinzu. Und zu allem Übel sitzt der Kat direkt unter der Ölwanne und strahlt fleißig Hitze auf die Ölwanne ab. Im winterlichen Lappland eine super Idee, weil man so das Öl auch bei minus 35° warm bekommt, auf deutschen Autobahnen eher nicht…
    Lösung: nach Kauf sofort die Ölwanne ab und das Ölsieb im Ansaugrüssel vor der Ölpumpe auf Verkokungen kontrollieren. Ölwanne und Ölsieb reinigen, in Zukunft spätestens nach 10.000km/1Jahr Ölwechsel mit hochwertigem (MB 229.5) Öl.Außerdem prüfen, ob die aktuelle Kurbelgehuseentlüftung verbaut ist, wenn nicht: unbedingt nachrüsten.
    Sehr selten ist der 3.0er Benziner. Basiert auf dem x30xe von Opel, den Saab mit einer asymmetrischen Aufladung (nur eine Zylinderbank treibt eine Miniturbine an) vom Drehzahltier zum Drehmomentbüffel umerzogen hat. Der Motor ist völlig unauffällig, lediglich die x30xe-Leiden wie der bei vernachlässigtem Kühlsystem faulende Öl-Wasser-Wärmetauscher und die recht kurzen Zahnriemenwechselintervalle trüben das Bild etwas. Wenn die Miniturbine kaputt geht, wird es spaßig: die ist derzeit kaum neu zu bekommen.
    Bis auf den 3.0 v6 lassen sich alle Benziner relativ einfach per Software deutlich leistungssteigern. Vorsicht, wer das macht: beim Könner hält’s, wer aber einfach nur den Ladedruck hochzieht und an der Klopferkennung herumfummelt, der kann den Motor in wenigen Sekunden ins jenseits befördern. Ebenfalls per Softwarupgrade möglich ist die Umwandlung zum Flexi-Fuel-Fahrzeug, d.h. der Wagen wird e85-tauglich.
    Scharf gefahren oder in der Stadt saufen alle Benziner fürchterlichst, bei gemütlichem Landstraßengleiten werden sie jedoch erstaunlich sparsam. Tempomatierte Autobahnrichtgeschwindigkeit geht unter 9 Litern, Landstraßenbummeln in Schweden sogar mit 7 Litern auf Hundert.

    Für alle 9-5 gilt: die frühen sind die Schönsten und am Besten ausgestattet, die späten die technisch ausgereifteren – dafür wurde aber so manches Detail wie z.B. die Türausstiegsleuchten wegrationalisert. Frühe Baujahre nerven mit sehr verschleißanfälligen Fahrwerken.
    Bester Kompromiß dürften die Jahre 2002 bis 2004 sein.

    9-5 bekommt man derzeit hinterhergeworfen – mit Grund, denn oft gilt es einen vierstelligen Wartungsstau zu beheben. Wer dazu bereit wird aber belohnt, denn auf der Habenseite stehen beim 9-5 ein sehr gelungenes Design, ein komfortables, aber als „vector“ oder „aero“ auch durchaus für die eiligere Gangart taugliches, also recht gelungenes Fahrwerk, viel Platz, sehr gute Sitze und saabtypisch eine großartige Ergonomie.

    Eine weiterführende Kaufberatung gibt’s im Saabforum:
    http://www.saab-cars.de/news/22468-kaufberatungen.html

    Zum A8 gibt es nicht viel zu sagen, außer: gefällt mir. Als so ziemlich einziger „moderner“ Audi. 😉
    Auch bei dem steht und fällt alles mit Wartung und Pflege: Ein Kumpel fährt seit einiger Zeit einen handgeschalteten S8, den er mit 390.000 km gekauft hat. Ehemaliges Direktionsfahrzeug einer luxemburger Gesellschaft, bei dem offensichtlich an der Wartung nicht gespart wurde. Der Wagen fährt auch mit deutlich über 400.000km noch wie ein Neuwagen. Materialien und Verarbeitung im Innenraum sind grandios, das Ding sieht aus wie ein Jahreswagen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s