Österreich, ein Youngtimer-Entwicklungsland?

Es kommt der Tag, da verspürt man eine große Lust, Klartext zu reden! Das möchte ich hiermit tun. Und um welches Thema könnte es da bei mir gehen? Genau, um den heimischen Youngtimer-Markt.

Das Fazit gleich vorweg: In Sachen Youngtimerszene ist Österreich ein klassisches Entwicklungsland!

Einer der Hauptgründe für diesen Rückstand im Vergleich zu unserem großen Bruder Deutschland ist das notorische Schnorrertum der Ösis. Wer fährt denn bei uns alte Autos und fällt somit in die Riege der Youngtimer-Piloten, ob er will oder nicht? Meist handelt es sich dabei um notorische Schnorrer, die bevorzugt billige Autos mit geringen Unterhaltskosten ala Golf II CL, Citroen BX Diesel oder Mazda 626 fahren und eine Kunst daraus gemacht haben, in ihren Augen „unnötige“ 😉 Investitionen zu vermeiden.

Ein großes Service stünde an, um dem tückischen Wartungsstau zu entgehen? Ach was solls, ein Ölwechsel mit Baumarktöl sollte auch reichen! Eine Beule in der Tür, weil die steinharten, gebraucht gekauften Reifen nicht mehr die Besten sind und daher der Gegenverkehr zu nahe kam? Egal, eine Reparatur lohnt nicht! Die Handbremse steckt gelegentlich, müsste gängig gemacht werden? Wozu, man kann ja auch den Rückwärtsgang als Rollsperre einlegen, reicht ja auch! Winterpause, um dem Wagen so manchen Salzexzess zu ersparen? Hätte kein Auto werden sollen, wenn es das nicht aushalten würde! Und so weiter und so fort…

Vor diesem traurigen Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass der Begriff „Youngtimer“ auf dem Gebiet der Alltagsautos in Österreich alles andere als etabliert ist, denn zu einem großen Teil handelt es sich bei den in Frage kommenden Wagen um billigst am Leben erhaltene Letzthandgurken chronischer Pleitiers und übers Pickerl gezauberte Alltagsfahrzeuge arbeitsloser Versager. Harte Worte, aber ich hab einige davon kennengelernt!

Die heimische Definition von „Youngtimer fahren“: Man kauft alte und billige Autos, fährt sie solange das Pickerl läuft und vor der ersten Investition im dreistelligen Bereich wird die Kiste verschrottet und der nächste alte Wagen kommt ins Haus. Der Nutzen des Fahrzeugs, praktischer wie finanzieller Natur, steht hierzulande ganz klar im Vordergrund, für abgefahrene Farbkombis und seltene Ausstattungsvarianten interessiert sich nur eine Minderheit. Für mich hat das nichts mit Youngtimerei zu tun!

Auch zu den heimischeHändlern möchte ich mich äußern:

Es gibt sie, die selbsternannten Youngtimer-Händler, doch wirklich interessant ist deren Angebot meist nicht. Warum? Weil sich Besitzer alter Autos, siehe oben, jede nicht lebensnotwendige Investition sparen. Daher ist die Dichte schön erhaltener Youngtimer in Österreich sehr gering, meist handelt es sich dabei um die üblichen Verdächtigen wie Mercedes-Benz in allen Facetten, Sportwagen und da vor allem Porsches in Hülle und Fülle. In Sachen Preisniveau liegen diese Kandidaten meist deutlich über jedem vernünftigen Vorschlag, von Listenpreisen, veröffentlicht in deutschen Magazinen, gar nicht zu reden.

Ehemalige Alltagsfahrzeuge kommen nicht vor oder sind, wenn sie denn in gutem Zustand angeboten werden, zu Preisen inseriert, dass es einem die Fußnägel aufrollt. Dafür finden sich dann keine Käufer und der Händler schließt daher darauf, dass es für solche Autos keinen Markt gäbe, also wird er nie wieder sowas anbieten. Dass es am Preis liegen könnte, der in Schilling umgerechnet oftmals den damaligen Neupreisen sehr nahe kommt, darauf kommen sie nicht.

Als gelernter Österreicher weiß man ja, dass es hierzulande oftmals deutlich länger dauert, bis sich so mancher Trend herumspricht und bekannt wird. Bleibt abzuwarten, ob das mit der Youngtimer-Bewegung noch was wird, oder ob man weiterhin sehnsuchtsvoll über die Grenzen zu unserem großen Nachbarn Germany blicken muss…

Lukas

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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7 Antworten zu Österreich, ein Youngtimer-Entwicklungsland?

  1. Hannes schreibt:

    Irgendwann werden die Youngtimer von heute die Oldtimer von morgen.
    Und dann sind sie sogar in Österreich was besonderes….
    Die besseren sind dann unbezahlbar und was heute Schrott ist, heißt dann „Restaurationsbasis“
    (Hoff ich zumindest)

  2. Pingback: Aktion Scharf gegen Altmetall « Lukas Wieringer

  3. Rainer schreibt:

    Damit hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Genauso ist es auch meiner Meinung nach. Man sehe sich mal im Altblech.at Forum um, da sieht man wie die meisten Besitzer zu ihren „Oldies“ stehen, da wird aus Überzeugung alte Autos gefahren und wenn er kaputt ist kommt das nächste alte Auto, kost ja nix…. 😦

    Ich sehe das ganz toll bei meinem Firmenauto, damit bewundern mich Leute die ich vorher schon nicht mochte, aber jetzt kriechen sie mir quasi in den allerwertesten, alles was neu und teuer ist (in meinem Fall ein Octavia RS) da zieht man den Hut vor, aber ein Charade G10? puhhhhhhhhhh hättest du nicht ein gscheites Auto restaurieren können?…….

  4. Rainer schreibt:

    Wir kennen ja unsere Pappenheimer, oder? 🙂

  5. Rainer schreibt:

    Wobei auch angemerkt sei dass sie in Deutschland noch einen Tick heftiger unterwegs sind, dort werden sogar Oldtimer auch im Winter gefahren, und sie dürfen auch noch 365 tage im Jahr fahren.

  6. Astrid schreibt:

    Youngtimer? Tja … 😦
    Ich lebe in der Schweiz und habe Anfang Dezember 2013 meinen 22 Jahre alten Toyota Carina zur offiziellen Prüfstelle bringen müssen, periodische Prüfung die alle 2 Jahre ansteht.
    217’649 Kilometer. Immer anstandslos gefahren. Sparsam, treu, zuverlässig …
    Der Prüfbericht könnte bei einem Neuwagen nicht besser sein!!! Nur die Bremse vorne links musste um korrigiert werden, Abweichung 1 % *lol* (reine Schikane). Ein paar Tage später Motorschaden, ohne irgendwelche Vorzeichen!!! Nichts mehr zu machen!
    Und ich sage euch, die Prüfstellen ruinieren alte Autos, ob bewusst oder unbewusst. Egal. Die Wirtschaft muss angekurbelt werden. Und wenn ich Millionär wäre, ich würde diesen Carina machen lassen, egal was es kostet. Leider bin ich keiner und es war auch kein Austauschmotor „handgeschalten“ zu finden. Als gegen den Strom Schwimmende in dieser Wegwerfgesellschaft mit dem „Willhabendenken“ muss ich mich denn leider geschlagen geben, niemand, der das zu einem vernünftigen Preis reparieren will:
    Kurz gesagt: „Leiche ab MFK“ (MFK = Motorfahrzeugkontrolle in der Schweiz)

    In Südafrika werden für alte Toyotas Höchstpreise bezahlt, habe ich mir sagen lassen, ob als Ganzes oder in Teilen. Die schätzen gute Qualität noch und sehen es als Herausforderung, daran herumzubasteln bis alles wieder läuft.
    Aber in unserer „zivilisierten“ Welt wird man für verrückt erklärt, wenn man darum kämpft, dass das Teil wieder läuft.
    Ausser, man hat so viel Geld, dass es schon als besonders „CHIC“ gilt, ein altes Teil aufzumöbeln.

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