Das 1000-Dollar-Auto

Autos sind heutzutage nur noch billig produzierte Wegwerfware, deren Qualität nicht vergleichbar mit älteren Fahrzeugen und Gewinnmaximierung zählt prinzipiell mehr als Langlebigkeit. Mag ja stimmen, aber diese fragwürdigen Attribute treffen nicht nur auf moderne Autos zu, auch in der Vergangenheit gab es Gefährte, denen man den Rotstift richtiggehend ansieht. Der Chrysler Neon ist eines dieser Exemplare, nicht ohne Grund auch „Das 1000 Dollar-Auto“ genannt… 😉

Bei der Präsentation des Kompaktklassewagens 1994 schwang der allseits bekannte Bob Lutz noch große Töne, meinte „There’s an old saying in Detroit: ‚Good, fast, or cheap. Pick any two.‘ We refuse to accept that.“ Doch wie so oft steckte nur die halbe Wahrheit dahinter. Die ersten beiden Sätze entsprachen wohl der Wahrheit, der letzte nicht mehr so ganz.

Schnell war er, zumindest im Vergleich zur europäischen und japanischen Konkurrenz, und billig war er auch, zumindest relativ, aber gut waren andere. Im Vorfeld räumte Lutz ein, dass die Entwicklung des Neon deutlich billiger gewesen wäre als die vergleichbarer neuer Modelle vorher, und bereits bei der Vorstellung des Wagen kursierten Gerüchte, es würde sich dabei um ein „1000 Dollar-Car“ handeln. Sprich der Wagen wäre so billig gemacht, dass die Produktion jedes einzelnen Wagens der Chrysler Corporation nur 1000 Dollar kosten würde.

Gut, man sah und sieht es der Kiste an, egal ob man seinen Blick auf den erbärmlichen Endtopf unterm Heck oder den billigst zusammengesteckten Innenraum richtet, doch überraschenderweise fand der Neon auch in Europa gewissen Anklang. Er war der mit Abstand billigste „Ami“, den man hierzulande kaufen konnte, hatte dank seines Zweilitermotors mit 133 PS mehr Leistung als die meisten Konkurrenten und er war verzinkt. Ein gutes Verkaufsargument in Österreich.

Doch recht schnell zeigten sich die anderen „Qualitäten“ des Neon. Elektronikprobleme, defekte Dreigang-Automatikgetriebe, abblätternde Farbe, ein sich von selbst auflösender Innenraum, abgefallene Anbauteile, undichte (rahmenlose) Seitenscheiben und eine beinahe nicht vorhandere Geräuschdämmung sorgten bald für ein schlechtes Image. Ein katastrophales Crashtestergebnis des Insurance Insitute for Highway Safety gab dem Neon dann den Rest. Der Ruf war endgültig ruiniert, die Verkaufszahlen hierzulande gingen gegen Null. Daran konnte auch ein Facelift 1999 nichts mehr ändern, beim Verkaufsstop 2002 weinte dem Neon niemand auch nur eine Träne hinterher.

Wer sich heute einen Neon ans Bein bindet ist entweder ein Idealist, der den glubschäugigen Underdog vorm Aussterben bewahren will oder ein hoffnungsloser Ami-Freak, dem genügend Moneten für den echten American Way of Drive fehlen.

Wierus

Advertisements

Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
Dieser Beitrag wurde unter Autos, Youngtimer abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s