Die Rettungsgasse ist nicht zu retten!

Seit Anfang des Jahres ist sie Pflicht und gestern hatte auch ich das erste Mal die Gelegenheit, sie zu erleben: Die Rettungsgasse. Im Idealfall soll sie dafür sorgen, dass Einsatzfahrzeuge auf Autobahnen und Schnellstraßen schneller durch den Stau zum Unfallort kommen. Zumindest theoretisch. Doch was sich da Sonntag Abend auf der A2 bei Wiener Neustadt abgespielt hat, kennt man sonst nur vom Straßenverkehr in Indien!

Nach einem harmlosen Sachschadenunfall auf der dritten Spur bildete sich im Schiurlauber-Rückreiseverkehr zügig ein Stau und schon wurde es so richtig unterhaltsam! Die ersten Übereifrigen bogen schon bei Tempo 50 im rechten Winkel auf den Pannenstreifen ab, der Großteil fuhr einfach ganz normal auf der jeweiligen Spur weiter und einige Helden nutzten den freigewordenen Platz zwischen den braven Rettungsgassen-Bildnern, um sich durch zu wurschteln. So dauerte es nicht lange und auf der dreispurigen Autobahn wurde auf fünf Spuren gefahren, hektisch gehupt und so manch hässlicher Finger aus dem Fenster gestreckt. Prinzipiell eh ganz unterhaltsam, aber völlig an der eigentlichen Sache vorbei.

Ich war ehrlich verwundert, dass es in diesem allgemeinen Chaos nicht zu weiteren Unfällen kam. Bis auf einen irren Yeti-Fahrer, der sich zwischen zwei Spuren durchquetschte und mir fast den linken Außenspiegel abrasiert hätte, blieb ich von brenzligen Situationen verschont.

Als gelernten Österreicher verwundert es mich aber nicht, dass die Rettungsgasse nicht klappt. Denn wenn der übertrieben gesetzestreue Spießbürger (sofort ganz nach rechts) auf den vermeintlich schlauen Durchwurschtler trifft, der die Rettungsgasse zu seinem Vorteil nutzt, und dazwischen ist der „Mir ist´s wurscht, ich fahr stur weiter!“-Ignorant unterwegs, dann kann das nichts werden.

Es ist wie immer in Österreich: Wenn es von Anfang an streng überwacht werden könnte, dann würde es klappen, denn der Großteil weiß ja eh wie es theoretisch funktioniert und an Feigheit mangelt es auch nicht. Aber da der Österreicher naturgemäß ein kleiner Gauner ist, nutzt er den Mangel an Überwachung sofort für seinen Vorteil aus. Weil wenn er beim Durchmogeln erwischt werden sollte, hat er halt einfach nicht gewusst, wie es geht. 😉

Der größte Fehler des Verkehrsministeriums war die Verlautbarung, dass in den ersten Monaten ein Fehlverhalten nicht bestraft sondern nur abgemahnt werden würde. Ein Freibrief für den Strizi im ach so braven Österreicher.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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2 Antworten zu Die Rettungsgasse ist nicht zu retten!

  1. YoungtimerBlog schreibt:

    …kein österreichische Phänomen – auch das Thema Reißverschluß funktioniert in Germanien so – nämlich gar nicht. Und 2008 musste ich mal erleben, wie ein Oberschlauer einfach dreist vor einem Krankenwagen durch die rettungsgasse bis zur nächsten Ausfahrt fuhr, wo ihm hoffentlich irgendjemand den Führerschein abgenommen hat…

  2. Alex schreibt:

    Auf der A4 in der Nähe von Leipzig, habe ich letztes Wochenende eine vorbildliche Rettungsgasse erlebt.
    Keiner hat sich da reingequetscht, alle waren so weit rechts oder links wie es irgendwie ging, und das bei -5 °C zwischen 1 und halb 4 Uhr morgens!
    Nur die vordersten Staupiloten, die den havarierten LKW schon aus ihren Autos sehen konnten, sind mal ausgestiegen, um sich ein Bild von der Situation zu machen.
    Als die Sattelschlepper dann mit ca. 70 km/h durch die Rettungsgasse geschlittert kamen, sind alle schnell in Deckung gesprungen.
    Hätte da ein PKW im Weg gestanden, wäre er von einem 20 Tonnen schweren Geschoss in den Unfall gerammt worden.
    Platz war zum Glück genug – oder vielleicht sogar zuviel.
    Mit der Entwicklung einer perfekten Rettungsgasse, die breit genug ist, dass die Retter durchkommen aber eng genug, um sie nicht zu völlig entgleistem Fahren zu verleiten, könnte sich ja mal ein deutsch-österreichisches Forschungsgremium beschäftigen.

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