Wenn das Wörtchen Van nicht wär…

Was wäre uns erspart geblieben, wenn Matra nie den Espace erfunden und Chrysler auf den Van-Zug aufgesprungen wäre. Der klassische Kombi reicht für 90% der Van-Fahrten locker aus, im Straßenbild würden die zahlreichen rentnersilbernen Eier nicht abgehen und so manchem renomierten KFZ-Stylisten wäre eine Designkatastrophe oder zwei erspart geblieben. Tja, wenn das Wörtchen Van nicht wäre…

Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, der erste Espace wird bereits als Klassiker der Automobilgeschichte gefeiert und das Unheil nimmt jeden Tag aufs neue seinen Lauf. Mit der Überzeugung, dass man ja schließlich nie genug Platz in einem Auto haben könnte, quetschen Van-Piloten ihre unübersichtlichen Eier kontaktparkend in viel zu enge Parklücken und jagen mit im Heck polternden Starrachsen und chronisch überfordernden Bremsen über die dritten Spuren unserer Autobahnen. Kann ja nichts schief gehen, schließlich sitz ich ja höher. Tja, die Command-Position beflügelt Egos und Gaspedale!

Doch ist wirklich was dran an den Vans? Eine Spurensuche nach den Vorteilen aus der Sicht eines Passagiers an Hand eines 06er Chrysler Voyager. Sieben Sitze, lässig, braucht man unbedingt. Oder doch nicht? Nein, ein ordentlicher Kofferraum ist doch praktischer, also muss die heftig schwere und sperrige dritte Sitzbank raus. Vorteil für den Stow´n´Go. Übrig bleiben vier Sitzplätze. Ein Eigentor, würd ich sagen. Ein herkömmlicher Mittelklasse-PKW hätte noch einen Fünften, der im Notfall da ist.

Aber der Komfort müsste doch überzeugen. Die starre Hinterachse rumpelt und poltert über Querfugen, aufgrund der Schiebetüren gibts für die Passagiere in der zweiten Reihe keine Armlehnen in den Türen. Die kurzen Armlehnen der Einzelsitze sind zwar abklappbar, doch eigenartigerweise freut sich der Ellbogen nicht drüber. Dass die Sitze der zweiten und dritten Reihe zu nah am Boden montiert sind und man drauf kauert wie der sprichwörtliche Affe auf dem Schleifstein, spielt da auch schon keine Rolle mehr. Das war wohl ebenfalls nichts…

Auch sollte man nicht den Fehler machen und den Innenraum etwas genauer betrachten. Grauenhaft billig wirkende Plastikteile, krumme Spaltmaße am Armaturenbrett und freiliegende Schweißnähte, für die jeder VW-Mitarbeiter sofort seinen Job verlieren würde sind nicht grad ein schmeichelhaftes Renommée für den Aufkleber „Made in Austria“ am Heck.

Wirklich interessant sind Vans nur für Unternehmer, der Vorsteuer-Abzugsfähigkeit wegen, oder für Sportler (Golfer, Mountainbiker etc.) mit sperrigem Equipment. Warum der 0815-Familienvater mit zwei Kindern sofort seinen Passat gegen einen Sharan tauschen muss, konnte mir noch niemand erklären.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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