Japanische Tuningkultur Teil 1

Lang hat´s nicht gedauert, ihr lest hier den ersten Blogartikel, der aufgrund eines Themenvorschlags eines regelmäßigen Lesers geschrieben und publiziert wurde. Danke dafür, ich freu mich über jeden Vorschlag auf themenvorschlag@gmx.at!

In diesem Artikel möcht ich euch einen Teil der vielfältigen Tuningkultur Japans vorstellen. Aufgrund des äußerst umfangreichen Themas sind weitere Artikel zur näheren Erläuterung einzelner Stile in naher Zukunft nicht ausgeschlossen.

Die außerhalb des Inselstaates wohl bekannteste Tuningart ist der Bosozoku-Stil:

Hervorgegangen aus einer Jugendkultur, in der rebellische Halbstarke mit Easy-Rider-modifizierten Motorrädern durch japanische Kleinstädte gefahren und die Anwohner terrorisiert haben, entwickelte sich einer der radikalsten Tuningstile weltweit. Meist müssen 70er- und 80er-Jahre-Wagen dran glauben, ihnen werden gigantisch übertriebene Riesenspoiler, Wide-Body-Kits und meterlange Auspuffendrohre in skurrilen Formen, Farben und Ausrichtungen drangeschraubt und eine Lackierung in knalligen Farbkombinationen erledigt den Rest. Meist sind diese Bosozoku-Schlitten auf einschlägigen Treffen zu sehen, bei denen Rechtsanwälte, Ärzte und Unternehmer ihrer „wilden Jugend“ nachhängen.

Sehr ähnlich zum Bosozoku-Stil ist das „Vanning„, bloß geht es dabei wie der Name schon sagt nicht um Sportwagen und Limousinen, sondern um Vans und was man damit machen kann:

Im überreglementierten, betont angepassten und unter allen Bedingungen die Contenance wahrenden Japan hat Auflehnung und Unangepasstheit Tradition, man möchte es kaum glauben. Hinzu kommt, dass auf den japanischen Inseln Platz oftmals ein sehr hohes Gut ist, Raumausnutzung zählt. Was liegt da näher, als sich mit Minivans so richtig auszutoben? Die auffällige Lackierung allein, die oft mit Mangas oder Bildern bekannter Popsternchen und Soupstars garniert wird, würde ja schon für den großen Auftritt reichen. Mit gigantischen Dachspoilern, die an Geweihe erinnern, und Kleinwagen-großen Überhängen vorne und hinten garnierte Kleinbusse sind unter den Anhängern der Vanning-Szene erstrebenswerter als Superstportwagen oder Eigentumswohnungen. Der durchschnittliche japanische Autofreak reist schon in der Nacht vor einem Treffen oder einer Messe zum Ort des Geschehens an und schläft dann im Auto. Logisch, dass da der Komfort eines gemütlich ausgebauten Kleinbusses gern gesehen ist.

Mich würde bloß das Gesicht eines Polizisten interessieren, wenn man mit so einem Van an ihm vorbeicruist und freundlich winkt. 😉

Dürfte wohl nicht viel anders ausfallen wie die Visage des heimischen Golf-Fahrers, wenn er auf der Autobahn von einem Dekotora-Truck überholt wird:

Meist sind Dekotora-Trucks heute das Hobby exzentrischer Millionäre, ursprünglich jedoch handelte es sich um klassische Arbeitsgeräte, die von ihren Fahrern in liebevoller Kleinarbeit geschmückt und bis zur Unkenntlichkeit verkitscht wurden. Mächtige Chromteile, vergoldete Stoßstangen und aufwendig geschmückte Innenräume haben nichts mehr mit den Baustellen-LKWs zu tun. Wie zu beinahe jedem Thema, jeder Mode und jedem noch so unbedeutend erscheinenden Trend existieren auch zu den Dekotoras eigene Filme, Mangas, TV-Serien und Zeitschriften. Wie die oben erwähnten Vans verfügen auch die Dekotoras über bunte Unterbodenbeleuchtung und hunderte kleine Lämpchen am ganzen Wagen. Meist wird der Laderaum zur fahrenden Wohnung ausgebaut. Ungeahnte Wohnraum-Weiten für Großstädter…

Deutlich dezenter und ans allgemeine Schönheitsideal angepasst fallen dagegen die Fahrzeuge im VIP-Stil aus:

Ursprünglich Fahrzeuge der Yakuza, mit schwarzem Lack, teuren Felgen und dunklen Scheiben optisch sehr böse, entwickelte sich der VIP-Stil immer mehr zum weltweiten Hit auf Treffen und Shows. Früher waren damit Geldeintreiber und Angehörige der organisierten Kriminalität unterwegs, um ihren finanziellen Wohlstand und Status zu untermauern. Egal ob Lexus, Nissan, Mercedes-Benz oder Cadillac, hauptsache luxuriös innen und grimmig außen. Heute handelt es sich primär um klassische Poserkisten mit großen Felgen, extrem tiefem Fahrwerk, wuchtigen Spoilerpaketen und ein Innenraum mit feinstem Leder, Holz und dem obligatorischen Fusa mit Kiku- oder Agemaki-Knoten, dem dekorativen Anhänger für den Innenspiegel. Hat was, wie ich finde. Gegen einen bordeauxroten Toyota Crown Athlete im klassischen VIP-Style hätte ich auch nichts einzuwenden. Wobei, ich hätte da noch einen Camry herumstehen… 😉

Es wird ein Teil 2 folgen, in dem JDM, die Drifter-Szene und die Retros erwähnt werden.

Wierus

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Über Lukas

Ein Steirer, der gern lenkt und dabei denkt.
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